Aiwanger über bayerische Unterstützung Tadano-Kahlschlag in Zweibrücken – Was Bayern für geplanten Ausbau in Lauf tat

Exklusiv | Zweibrücken/München · Warum schwächt das japanische Kranbau-Unternehmen seinen Standort in Rheinland-Pfalz – und schafft gleichzeitig neue Arbeitsplätze und Produktionslinien in seinem Werk in Bayern? Das sagt Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger über die geplante Tadano-Expansion in Lauf.

 „Anpacken für Bayern“: Dies hat das von Hubert Aiwanger geführte Münchener Wirtschaftsministerium mit seiner Ansiedlungsagentur „Invest in Bavaria“ auch hinsichtlich Tadano getan – und damit womöglich dazu beigetragen, dass trotz schwieriger Marktlage Tadano den Standort Lauf sogar ausbaut.

„Anpacken für Bayern“: Dies hat das von Hubert Aiwanger geführte Münchener Wirtschaftsministerium mit seiner Ansiedlungsagentur „Invest in Bavaria“ auch hinsichtlich Tadano getan – und damit womöglich dazu beigetragen, dass trotz schwieriger Marktlage Tadano den Standort Lauf sogar ausbaut.

Foto: picture alliance/dpa/Sven Hoppe

Das Rätselraten ist groß gewesen seit einer Woche: Am 14. Februar hatte das japanische Kranbau-Unternehmen die Hiobsbotschaft verkündet, am Tadano-Standort Zweibrücken 400 der 1280 Stellen streichen und dabei das Werk Wallerscheid schließen zu wollen. Doch am Tag darauf kündigte Tadano an, neue Produktionslinien im Werk in Lauf an der Pegnitz zu schaffen. Dafür werde „eine erhebliche Anzahl neuer Arbeitsplätze geschaffen“, schrieb Tadano der fränkischen Belegschaft. Bislang hat Tadano Faun dort rund 570 Beschäftigte.

Gaben Fördergelder den Ausschlag für Lauf?

Verstärkt wurde das Rätselraten über diese völlig entgegengesetzten Nachrichten dadurch, dass Tadano öffentlich „keine befriedigende Antwort“ gab, wie die für Zweibrücken und Lauf zuständige Sprecherin auf Merkur-Anfrage selbst einräumte und nur sagte, es handele sich um „eine strukturelle Entscheidung des Managements“.

Weil Tadano zuvor den Kahlschlag bei Tadano Demag in Zweibrücken mit durch Faktoren wie Inflationsdruck, gestiegene Zinsen und Ukraine-Krieg bedingter verschlechterter Marktlage begründet hatte – Rahmenbedingungen, die aber nach Einschätzung unseres Reporters Lauf wohl genauso (be)treffen dürften – fragte der Merkur vergangene Woche Tadano auch, ob möglicherweise Fördergelder den Ausschlag für Lauf gegeben haben könnten. Die Sprecherin antwortete vage, dazu sei ihr nichts bekannt.

Viele Rätsel um Tadano

Rätselhaft war bislang zudem: Die Produktlinie aus dem Werk Wallerscheid (All-Terrain-Krane mit bis zu sechs Achsen) soll infolge der angeblichen oder tatsächlichen aktuellen Probleme nicht etwa eingestellt werden, sondern auf andere Werke verlegt werde – ob ins Zweibrücker Tadano-Demag-Stammwerk an der Dinglerstraße, zu Tadano Faun nach Lauf, nach Japan oder sonstwohin hat Tadano bislang nicht verraten. Auch die Pegnitz-Zeitung der Nürnberger Nachrichten versuchte vergeblich, von Tadano Details über den Ausbau in Lauf zu erfahren; Tadano habe lediglich erklärt, es sei jedenfalls nicht geplant, die Produktion „eins zu eins von Wallerscheid nach Lauf zu verlagern“.

Mysteriös ist zudem (was insbesondere die saarpälzische IG Metall heftig kritisiert hat): Tadano unternahm keinerlei Bemühungen, durch Instrumente wie Kurzarbeit oder andere Vereinbarungen mit dem Betriebsrat den Abbau in Zweibrücken zu verhindern. Der für Tadano Demag zuständige IG-Metall-Bevollmächtigte Salvatore Vicari verwies zudem in einem Merkur-Telefonat darauf, dass in Lauf für neue Produktionslinien wohl sogar baulich investiert werden müsse, „denn dort stehen keine großen Flächen leer“.

Anfrage bei Hubert Aiwanger in Bayern und Daniela Schmitt in Rheinland-Pfalz

Der Pfälzische Merkur hat deshalb eine E-Mail-Anfrage an das von Hubert Aiwanger (Freie Wähler) geführte Wirtschaftsministerium der Bayerischen Staatsregierung geschickt bezüglich der Tadano-Expansion in Lauf: „Ist dies auch ein Erfolg des bayerischen Wirtschaftsministeriums insofern, als Fördergelder hierfür in Aussicht gestellt wurden – oder theoretisch möglich sind? Wenn ja, aus welchen Töpfen und in welcher Höhe?“

Zudem fragte der Merkur, ebenfalls am Freitagvormittag, beim von Daniela Schmitt (FDP) geführten rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium an: „Wird Rheinland-Pfalz Bemühungen anstellen, durch Fördergelder o. Ä. die Zweibrücker Werksschließung und den personellen Kahlschlag noch zu verhindern, wenn ja welche? Wurden Tadano für den Standort Zweibrücken Fördergelder in Aussicht gestellt, bzw. warum ist dies bislang nicht geschehen?“

„Schwierige Situation für die Belegschaft in Zweibrücken nicht ausklammern“

Die bayerische Ministeriums-Pressestelle mailte direkt am Freitag: „Das Unternehmen ist uns gut bekannt“ und kündigte eine baldige Antwort nach hausinternen Rücksprachen an.

Am Mittwochnachmittag dann antwortete die Pressestelle – und zwar mit folgender Stellungnahme von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger: „Die Investitionsankündigung von Tadano Faun für das Werk in Lauf an der Pegnitz ist eine gute Nachricht für ganz Franken. Unsere Ansiedelungsagentur Invest in Bavaria war hierzu im engen Austausch mit dem Unternehmen. Bei aller Freude darüber kann ich aber natürlich die schwierige Situation für die Belegschaft in Zweibrücken nicht ausklammern und hoffe, dass dort niemand wegen des Standortwechsels in die Arbeitslosigkeit gerät.“

Das gegenüber vom Outlet gelegene Tadano-Demag-Werk Wallerscheid ist das neuere der beiden Zweibrücker Werke. Das Unternehmen will es aber aufgegeben – zu einem noch unbekannten Zeitpunkt, spätestens aber wohl im Juni 2025, denn bis dahin soll der drastische Stellenabbau dort und im Stammwerk Dinglerstraße abgeschlossen sein.

Das gegenüber vom Outlet gelegene Tadano-Demag-Werk Wallerscheid ist das neuere der beiden Zweibrücker Werke. Das Unternehmen will es aber aufgegeben – zu einem noch unbekannten Zeitpunkt, spätestens aber wohl im Juni 2025, denn bis dahin soll der drastische Stellenabbau dort und im Stammwerk Dinglerstraße abgeschlossen sein.

Foto: Mathias Schneck

Die Antwort lässt zwar erkennen, dass Bayern für die Tadano-Erweiterung in Lauf den roten Teppich ausgerollt hat – aber die konkrete Merkur-Frage nach „in Aussicht gestellten Fördergeldern“ wird nicht beantwortet. Die Ministeriums-Pressestelle mailte auf Nachfrage: „Aus unserem Haus und von Invest in Bavaria gibt es keine Förderzusagen für Tadano Faun.“

„Invest in Bavaria“ unterstützt Unternehmen

Die 1999 gegründete Ansiedlungsagentur des Freistaats Bayern namens „Invest in Bavaria“ unterstützt ausländische Unternehmen nicht nur bei Neuansiedlungen, sondern auch bei Erweiterungen.

Auf der Agentur-Homepage wird zunächst allgemein angeboten: „Wir stärken Ihnen den Rücken für das Wachstum Ihres Unternehmens in Bayern: Kostenlos, vertraulich und effektiv.“

Es folgt eine Übersicht von 22 Serviceleistungen, von „ Informationen zum Markt- und Geschäftsumfeld für Ihr mögliches Unternehmen in Bayern“ über „Identifikation projektrelevanter Förderinstrumente für Firmen“ bis „Einladungen zu Netzwerkveranstaltungen und Informationen über Veranstaltungen unserer Partner“.

Spekulationen um Entscheidung von Tadano

Das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium hat eine Antwort auf die Merkur-Anfrage für voraussichtlich Donnerstag angekündigt. Die Pressestelle deutete aber bereits grundsätzlich an, das EU-Beihilferecht stehe Fördergeld-Zahlungen durch Bundesländer an Konzerne entgegen.

In Zweibrücken machen seit Tagen Spekulationen die Runde, womöglich könne die Entscheidung von Tadano für die Verkleinerung in Zweibrücken bei gleichzeitiger Vergrößerung in Lauf mit Subventionen der bayerischen Staatsregierung zusammenhängen (möglicherweise auch nicht direkt über Ministerien, sondern über indirekte Wege). „Wenn das so wäre, wäre das ein absoluter Skandal“, sagte IG-Metall-Vertreter Vicari bereits am Freitag auf eine entsprechende Merkur-Frage. Aber hierzu lägen den Arbeitnehmervertretern bislang keine Informationen vor.

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