Nach Europawahl Bürger streiten über AfD: „Nun schluckt die demokratische Pille“

Zweibrücken · Die Atmosphäre auf Facebook ist nach den Wahlen rau. Unter den Beiträgen des Pfälzischen Merkurs werden die Ergebnisse teils sachlich, teils emotional debattiert. Die AfD polarisiert dabei und ist Brennpunkt der Diskussion.

Auf Facebook ist nach der Kommunalwahl eine hitzige Diskussion zum Thema AfD entbrannt.

Auf Facebook ist nach der Kommunalwahl eine hitzige Diskussion zum Thema AfD entbrannt.

Foto: Samira Zimmermann

Den größten Diskussionsbedarf haben die Facebook-Benutzer unter einem Merkur-Beitrag, in dem es darum geht, dass die AfD in Zweibrücken bei der Europawahl noch deutlich stärker zugelegt hat als deutschlandweit. Zu dieser Tatsache geben einige Bürger ihre Meinung wieder. 160 Kommentare drehen sich hauptsächlich um das Thema AfD.

Für Natascha Carius liegt das Wahlergebnis „an der grünen Ideologie“. Für sie sei klar, dass „der Bürger diese Regierung in dieser Art nicht möchte“. Carius schreibt zudem vom „Hypnosewort Demokratie“. Der Mensch wolle sich nicht vorschreiben lassen, wie er zu leben habe. „Nun schluckt die demokratische Pille“, fordert Carius unter dem Facebook-Post.

Diese Aussage wiederum erhielt Gegenwind von Vincent Möchel-Stieß, der findet: „Das AfD-Verbot kann nicht früh genug kommen.“

Ulrike Konitz äußert sich ebenfalls zu dem Kommentar und stellt die Nachfrage, ob Carius auch das frauenfeindliche Bild der Partei präferiere. Darauf geht Carius nicht ein, sie erklärt stattdessen, dass die Deindustrialisierung unter der derzeitigen Regierung stattgefunden habe. „Die AfD ist nicht an dem Zustand in Deutschland schuld, die waren nie an der Regierung“, findet Carius.

Auf Unverständnis stößt das nicht nur bei Konitz, sondern auch bei Andreas Schuler, der schreibt, dass Carius mit ihren Statements „den Boden für Populismus und Neonazis“ bereitet.

Harald Scholl verspottet den Begriff Demokratie ebenfalls und sagt: „In Deutschland regiert die Kakistokratie.“ Das bezeichne in der Politikwissenschaft einer Herrschaft der Dümmsten und Schlechtesten.

Geschockt vom Ergebnis der AfD bei der Europawahl zeigen sich sehr viele Kommentatoren. „Ob man die Partei aus Überzeugung oder aus Protest wählt, es ist und bleibt ein Desaster“, erklärt Gabriela Assalhi. Sie stellt infrage, inwieweit die Jugendlichen ab 16 überhaupt einschätzen könnten, was sie wählen. Manche würden sogar damit prahlen, die AfD gewählt zu haben. „Ob sie keine Großeltern hatten oder im Schulunterricht nicht anwesend waren – ich weiß es nicht“, meint Assalhi.

Die Antworten zu ihrem Beitrag sind zwiegespalten. Für Jürgen Kalleder ist die AfD zu wählen, weil einem die Politik in Berlin nicht gefällt wie, „wenn mir in der Kneipe das Bier nicht schmeckt und ich dann deswegen aus der Toilette trinke“. Auch Natascha Carius meldet sich erneut zu Wort. Lobbyisten und Altparteien sollten Angst davor haben, dass die AfD an die Macht kommt. „Da kommt einiges ans Tageslicht, wie wir die ganze Zeit belogen wurden“, schreibt Carius.

Stefan Noe befürchtet durch seinen Kommentar bereits die Steinigung durch die anderen Facebook-Nutzer. „Zweibrücker waren schon immer konservativ, etwas engstirnig, unzufrieden und nicht besonders bildungsnah“, schreibt er und fügt hinzu, dass dies grobe Verallgemeinerungen seien. Walter Rimbrecht (SPD-Stadtratsmitglied) pflichtet ihm bei und stimmt der „Feststellung angesichts sehr vieler Kommentare hier“ zu.

Vincent Möchel-Stieß sieht den Grund für das Wahlergebnis darin, dass „die Leute eine Not empfinden und blind einer rechtsextremen Partei folgen, die ihnen nun mal alles verspricht, aber nichts halten kann“. Daraufhin fragt Marco Denger, welche Versprechen denn die Grünen halten könnten. „Sämtliche Forderungen der AfD hat die CDU 2003 mit Merkel auch gefordert“, schreibt Denger. Andi See kontert darauf mit mehreren Aussagen von AfD-Politikern. So bringt er beispielsweise das Zitat von Björn Höcke. „Wissen Sie, das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt“, hatte der vom Bundesverfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Höcke dem „Wall Street Journal“ in einem Interview gesagt.

Unter einem weiteren Beitrag zu den Ergebnissen der Stadtratswahl wird das Thema erneut diskutiert. Hier schreibt Manuel Katzmann, dass man selbst undemokratisch sei, wenn man die AfD als undemokratisch diffamiere, denn damit würde der Wählerwillen von 20 Prozent der Bürger ignoriert werden. Darauf antwortet Ulrike Konitz, dass die AfD demokratisch gewählt wurde, und gibt gleichzeitig zu bedenken, dass die NSDAP diese ebenfalls gewesen sei.

Daraufhin gesteht Katzmann ein: Ja, es gebe vereinzelt Spinner, die gebe es aber in jeder Partei. Konitz kontert: „Sie sind keine Spinner, sondern Faschisten.“ Dann mischt sich Sabine Deller ein, die Katzmann rät, sich doch mal ordentlich zu informieren. „Tiktok und Youtube sind da nicht wirklich hilfreich“, schreibt Deller. Katzmann erklärt dazu, dass sie sicher kein chinesisches Spionagetool wie Tiktok verwenden werde.

Ein weiterer Bürger verfasst einen Kommentar, in dem er die Stadtratsmitglieder im Gleichschritt mit dem Bundestrend für die „Zweibrücker Protestwähler“ verantwortlich macht. „Die Abstrafung der SPD in Zweibrücken ist noch viel zu gering ausgefallen“, findet dieser Bürger. Harsche Kritik gibt es für dessen Beitrag von Michael Raab. Er findet, dass die Wähler, die für die „Wahl dieser rechtsextremen Schrottpartei mit ihrem autoritären Nationalradikalismus“ wissen würden, welche „Typen sie da ins Amt bringen“.

Aaron Schmidt (Stadtratsmitglied von „Die Partei“) spielt auf die Geschichte Deutschlands an: „Und dieses Mal werden uns die Alliierten nicht helfen.“