AfD-Kreisverband aufgelöst

Der Anfang 2014 gegründete Kreisverband der Zweibrücker AfD ist seit gestern Geschichte. Die Mitglieder haben Konsequenzen aus dem Führungswechsel an der Parteispitze gezogen und die sofortige Auflösung beschlossen.

Der Sieg des nationalkonservativen Flügels der Alternative für Deutschland (AfD) um Frauke Petry stürzt die Partei ins Chaos. Eine regelrechte Austrittswelle hat die AfD erfasst, die auch auf kommunaler Ebene keinen Halt macht. Auch der Kreisverband Zweibrücken hat reagiert und sich gestern mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Das bestätigte der erste Vorsitzende Manfred Weber dem Pfälzischen Merkur am Abend auf Nachfrage. Fünf der sieben Vorstandsmitglieder seien am Nachmittag von ihren Ämtern zurückgetreten, ein sechstes würde seinen Posten höchst wahrscheinlich ebenfalls niederlegen. Der Kreisverband mit seinen rund 25 Mitgliedern (viele davon nur passiv) sei damit nicht mehr handlungsfähig. "Die Zweibrücker AfD ist nicht mehr existent", sagt der 62-Jährige. Zudem hätten fast alle Mitglieder angekündigt, aus der Partei austreten zu wollen.

Auch Weber, der am Nachmittag noch betont hatte, nicht über einen Austritt nachzudenken, hatte am Abend seine Meinung bereits wieder revidiert. Der - inzwischen ehemalige - Kreisverbandschef hegt konkrete Gedanken, die AfD zu verlassen, aber noch sei keine endgültige Entscheidung gefallen. Das Ergebnis der Wahl sei zwar nicht unbedingt in seinem Sinne gewesen, was ihn dafür umso mehr verstöre, sei die innerparteiliche Spaltung der AfD. Der Umgang seiner Parteikollegen beim Bundesparteitag untereinander habe ihn zutiefst erschüttert, insbesondere die Art und Weise, wie Parteigründer Bernd Lucke von den Delegierten in Essen ausgebuht und beleidigt worden sei, empfinde er seiner Partei "absolut unwürdig". Die sich überschlagenden Ereignisse der letzten 24 Stunden hätten ihn überrumpelt, gesteht Weber, er müsse sich jetzt "erst einmal sortieren, klare Gedanken fassen". Anders als viele seiner Kollegen aus dem Zweibrücker Kreisverband befürchtet Manfred Weber nicht zwingend eine Positionierung der AfD hin zum Rechtspopulismus. "Man muss jetzt abwarten, in welche Richtung sich alles entwickelt und dem neuen AfD-Vorstand erst einmal eine Chance geben." Das sehen im Kreisverband längst nicht alle so: Nach der Wahl am Sonntag hätten zahlreiche Mitglieder erklärt, diesen "befürchteten Rechtsruck" nicht mitmachen zu wollen und deshalb die sofortige Auflösung des Kreisverbandes angeregt.

Völlig überzogen findet AfD-Stadtratsmitglied Melanie Schneider die Reaktion ihrer Kollegen. "Diese Entwicklung habe ich nicht kommen sehen. Ja, ich bin überrascht." Sie war selbst auf dem Parteitag und hatte im Vorfeld für Petry geworben, hält die neue erste Vorsitzende nicht für rechts. "Sie ist noch nicht einmal konservativ", meint die Stadträtin. "Es ist schade, dass einige Leute einen Rechtsruck an einer einzigen Person festmachen wollen." Sie selbst werde die Partei nicht verlassen.

Allerdings werden die beiden Mitglieder der AfD-Stadtratsfraktion das Gespräch suchen und beratschlagen, wie es weitergehen soll. Weber hat bereits angekündigt, dass er sein Mandat in jedem Fall weiterführen werde - ganz gleich ob als Mitglied der AfD, als Unabhängiger oder gar für eine andere Partei. "Ich fühle mich den Bürgern gegenüber verpflichtet und werde definitiv im Stadtrat bleiben." Auch Schneider möchte ihr Amt fortführen.