84 „Shelter“ auf Flugplatz seit fast acht Jahren unbenutzt Die Häuschen stehen und stehen und stehen

Zweibrücken · Seit fast acht Jahren stehen die Betonhäuschen am Flugplatz, nur kurz für Flüchtlinge genutzt, leer. Nun wurde im Bauausschuss die Frage nach dem Schicksal der Häuschen laut. Die Stadt weiß es nicht. Die Bundespolizei weiß es. Die Antworten ernüchtern.

 Die insgesamt 84 Flüchtlingshäuschen am Flugplatz Zweibrücken sind verwaist und setzen Patina an. Auch wenn es hin und wieder einmal Anfragen gibt: Das Interesse an einer Verwendung hält sich sehr in Grenzen.

Die insgesamt 84 Flüchtlingshäuschen am Flugplatz Zweibrücken sind verwaist und setzen Patina an. Auch wenn es hin und wieder einmal Anfragen gibt: Das Interesse an einer Verwendung hält sich sehr in Grenzen.

Foto: Lutz Fröhlich

Hier stehen sie – und können nicht anders. Denn es interessiert sich schlicht und ergreifend niemand für sie. Das ist, in Kurzfassung, der Stand der Dinge zu den Betonhäuschen auf dem Flugplatz.

Die wurden im Juni 2016 aufgestellt. Überall herrschte wegen der großen Zahl vor allem vor dem Krieg in Syrien nach Deutschland flüchtender Menschen Platzmangel. Die Landesregierung investierte 1,8 Millionen Euro in 84 Betonhäuschen – offiziell heißen diese „Shelter“ (deutsch „Schutzräume“) – und stellte diese auf dem Gelände des Flugplatzes auf; dort, wo früher ein Parkplatz für die vielen Fluggäste war, als dort noch Linienflüge starteten und landeten.

Doch schon kurz nach der Aufstellung waren die Häuschen nicht mehr vonnöten – die Verteilung der Flüchtlinge auf feste Unterkünfte in Zweibrücken und der Region gelang nämlich besser als gedacht.

Seitdem stehen die Häuschen da. Und stehen. Und stehen.

Und wie geht es jetzt weiter? Diese Frage wurde in der jüngsten Sitzung des Zweibrücker Bauausschusses laut. Und zwar, als der Wunsch des Flugplatz-Eigentümers Triwo nach einer Ausweitung von Gewerbeflächen (siehe „Info“) für den Stadtrat vorberaten wurde. Eines der drei für die Ausweitung vorgesehenen Gebiete grenzt an die Fläche, an der die Wohncontainer stehen.

„Was passiert mit den Häuschen der Bundespolizei?“, wollte Harald Benoit (AfD) wissen. Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) musste passen. „Das weiß nur die Bundespolizei“, antwortete Wosnitza. Und ergänzte: „Und die weiß es meinem Kenntnisstand nach auch nicht.“ Der Oberbürgermeister weiter: „Klar ist, dass die Flächen gemietet sind dort oben, wo die Häuschen draufstehen.“ Für den Fall, dass sich dort künftig Gewerbe ansiedeln möchte, könne wohl ohne Probleme eine „Umwandlung“ stattfinden, die Häuschen also für Betriebe weichen.

Die Bundespolizei selbst muss, da lag der Oberbürgermeister gar nicht so falsch, auf Merkur-Anfrage tatsächlich erst einmal eifrig recherchieren, was denn nun mit den „Sheltern“ los ist. Die Inspektion der Bundespolizei in Kaiserslautern ist hier der erste Ansprechpartner, dort wird zuerst am Standort Koblenz nachgefragt – denn zu diesem gehört die Inspektion in Kaiserslautern – dann aber zeigt sich, dass in Potsdam die richtige Sachbearbeiterin für die Häuschen im fernen Zweibrücken sitzt.

Nach seiner Recherche kann der Sprecher der Bundespolizei-Inspektion in Kaiserslautern Details nennen. Doch die sind ernüchternd.

Es sei richtig, dass es sich um 84 Betonhäuschen handele, erklärt der Sprecher. Sie stünden nach wie vor leer. Es gebe immer wieder einmal eine Anfrage, etwa von Kommunen oder Städten, ob man einen Teil davon abnehmen könne – aber dabei bleibe es dann auch.

Die Container könnten unkompliziert ab- und aufgebaut werden, sie seien in einer modularen Bauweise erstellt und gut zu transportieren. Eigentümerin der „Shelter“ sei die Bundespolizei. Das Land habe sie damals erworben, die ADD (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier) habe sie später der Bundespolizei übertragen.

Für die Häuschen selbst musste die Bundespolizei nichts zahlen – aber da sie auf Grund und Boden des Flugplatz-Eigentümers Triwo stehen, fällt eine Miete an.

Da die Bundespolizei die Häuschen also nicht aus den Händen gerissen bekommt, überlegt sie immer wieder einmal selbst, sie mit Leben zu füllen. Das sei denkbar, wenn eine Bundespolizeiinspektion saniert werde und man Ausweichquartiere für die Beamten brauche. In Bad Bergzabern etwa werde eine Sanierung vorgenommen, hier seien die Container womöglich eine Hilfe.

Aber das sind alles nur Überlegungen. Die „Shelter“ werden aus ihrem Dämmerschlaf, der seit fast acht Jahren anhält, wohl so schnell nicht gerissen.

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