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„7pfeiffer“, das neue Buch von Dieter Bischoff

Lesung am 19. November : Der Romantiker und die starke Frau an seiner Seite

„7pfeiffer“, das neue Buch von Dieter Bischoff befasst sich mit dem großen Demokratie-Rebellen aus dem 19. Jahrhundert.

„Leute! Ich bin zwar behindert, aber nicht bescheuert.“ In dieser Überzeugung gelang es dem Zweibrücker Schriftsetzermeister, Anzeigenblatt-Herausgeber, Fußballprofi und Buchautor Dieter Bischoff nach seinem Schlaganfall vor 20 Jahren nicht nur, sich entgegen der Arztprognose aus dem Rollstuhl zu erheben. Der 72-Jährige, der seit 2000 am Westufer des Ammersees in Bayern lebt, begann auch wieder zu schreiben. Der ehrgeizige Rimschweiler wollte schon immer „überall der Beste sein“, im Leistungssport, als Autor – und als Schlaganfallpatient. Er schrieb sich quasi zurück ins Leben, präsentierte 2012 im Druckmuseum von Kurt Werle seinen Hotel-Krimi „Rotkappe ist tot“. Sein neuestes Werk über den großen Demokratie-Rebellen Philipp Jakob Siebenpfeiffer stellt er am Freitag, 19. November, um 19 Uhr seinem Publikum in der Karlskirche persönlich vor.

„Warum gerade Siebenpfeiffer?“ Drei von Dieter Bischoffs bisherigen acht Büchern befassten sich mit dem Thema Fußball, dem der Zweibrücker Jugendnationalspieler und Profi (Waldhof Mannheim) immer verbunden war. Und damit auch sein inspirierender Freundeskreis, zu dem auch der langjährige Rektor der Zweibrücker Realschule, Richard Scherer, gehört. Als der Autor 2018 im Clubheim des SV Ixheim sein bebildertes Doku-Buch „Zweibrücker Fußball-Legenden“ vorstellte, unterhielt der damals 86-jährige Lehrer die Zuhörer nicht nur mit Anekdoten aus ruhmreichen Zweibrücker Fußballzeiten. Spontan forderte er den Wortkünstler auf: „Schreib doch mal über Siebenpfeiffer“. Und drückte ihm als Experte wenig später umfangreiches Recherchematerial in die Hand.

Der Funke der Begeisterung über den Homburger Landcommissär, der in Zweibrücken-Bubenhausen, im ehemaligen Gasthaus Ladenberger den Vaterlands- und Pressverein gründete und damit den Grundstock für die deutsche Demokratiebewegung und Pressefreiheit legte, sprang über. Dieter Bischoffs Fazit: „Er war ein Romantiker, der die Welt verbessern wollte, ohne das Material dazu zu haben. Er musste scheitern.“ Die Recherchen reichten bis nach Amerika. Dort sind die Ausgaben von Siebenpfeiffers Zeitschrift „Rheinbayern“ (zu dem damals Zweibrücken wie Homburg gehörten) in einem Buch zusammengefasst, das der Autor erwarb und las. Er stellte fest: „Ich vergleiche mich natürlich nicht mit ihm, doch mir sind Schnittmengen aufgefallen.“

Er selbst sei ein Kämpfer mit seiner Zeitung gewesen, mit seinem Anzeigenblatt „eher berüchtigt, als berühmt“. Wollte Siebenpfeiffer die gesamte Welt umkrempeln, beschränkte sich der Zeitungsmacher selbst auf die Zweibrücker Lokalpolitik. Siebenpfeiffers Ehefrau Emilie allerdings hat Dieter Bischoff als eine der ersten Frauenrechtlerinnen fast noch mehr fasziniert als der Rebell selbst. Er schwärmt regelrecht: „Was ich über sie herausfand, ist genial. Sie war mindestens so aufregend wie er“, weshalb er sie ihrem Mann, ungewöhnlich zu der damaligen Zeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts, auf Augenhöhe an die Seite stellte.

Doch auch seinem Ausbilder und zehn Jahre älteren „Fußballkollegen und Freund für‘s Leben“, Kurt Werle, setzt er in seinem Siebenpfeiffer-Historien-Roman ein Denkmal: als „Alter Ego“ des legendären Zweibrücker Setzers, Druckers und Verlegers Georg Ritter. Später selbst einer der letzten Schriftsetzermeister in Deutschland, habe er von dem passionierten Jünger Gutenbergs fachlich alles gelernt, was dieser weiter zu geben vermochte. Seinetwegen verwendet Dieter Bischoff erstmals auch Mundart, um den Lokalkolorit einzufangen. Er lacht: „Ich muss es mir selbst immer wieder laut vorlesen.“ Weitere Ähnlichkeiten mit bekannten Zweibrücker Persönlichkeiten seien weder ungewollt noch zufällig. Und so erwartet Dieter Bischoff zu seiner Uraufführung auch ein volles Haus. Er verspricht eine unterhaltsame Erlebnis-Lesung unter Freunden. Für den musikalischen Rahmen sorgt der ebenfalls historisch interessierte Musiker und Liedermacher Eckhard Fischer mit Revolutionsliedern. Bereits am Freitagvormittag um 10.30 Uhr hat Dieter Bischoff zu einem Medientreff bei „Sevenup“ in das bis heute erhaltene historische Gewölbe des einstigen Gasthauses Ladenberger eingeladen.

Auf einen Blick „7pfeiffer“-Lesung mit Autor Dieter Bischoff, Freitag, 19. November um 19 Uhr im Foyer der Karlskirche. Der Eintritt ist frei, es gelten die dann aktuellen Corona-Hygiene-Vorschriften.