40 Jahre Partnerschaft zwischen Zweibrücken und Ruanda Viele Zweibrücker tragen Ruanda im Herzen

Zweibrücken · Die Partnerschaft zwischen Zweibrücken und Ruanda besteht seit 40 Jahren. Seit 2010 arbeitet das Ruandakomitee Zweibrücken als eingetragener Verein mit dem Ziel, die Beziehungen zwischen Zweibrücken und den Sektoren Karama, Mukura und Gishamvu aufrechtzuerhalten.

Glückliche Gesichter beim gemeinsamen Abschlussfoto nach einer gelungen Jubiläumsfeier in der Zweibrücker Mannlich-Realschule plus.

Glückliche Gesichter beim gemeinsamen Abschlussfoto nach einer gelungen Jubiläumsfeier in der Zweibrücker Mannlich-Realschule plus.

Foto: Elisabeth Heil

Als Rheinland-Pfalz und Ruanda 1982 eine völlig neue Art der Partnerschaft vereinbarten, wurde das Experiment noch kritisch beäugt. Heute ist es ein international anerkanntes Modell, das in vielen Bereichen große Früchte trägt. Beinahe genauso lange ist auch die Stadt Zweibrücken ein fester Bestandteil dieser Partnerschaft. Am 12. September 1983 wurde die Partnerschaft zwischen Zweibrücken und Ruanda begründet. „Damals kam der ruandische Botschafter nach Zweibrücken und trug sich im Beisein des damaligen Oberbürgermeisters Werner von Blohn ins Goldene Buch der Stadt ein. Die praktische Arbeit hatte aber schon vorher begonnen“, erzählte Mitbegründerin Getrud Schanne-Raab anlässlich der Feierlichkeiten 40 Jahre Partnerschaft zwischen Ruanda und der Stadt Zweibrücken.

„Schnell entwickelte sich ein sehr lebendiges Netz aus Schulen und Vereinen, die Kontakte nach Ruanda knüpften und dabei von der Stadt, dem Land und der Bundeswehr unterstützt wurden“, berichtete sie und erläuterte: „Die Initiatoren hier in Zweibrücken, die den damaligen OB dazu überredet hatten, überhaupt in diese Partnerschaft einzusteigen, waren nämlich zwei Bundeswehrangehörige, die in einem Ausbildungsprojekt für die Polizei in Ruanda gearbeitet hatten und die wussten, dass Dinge in Ruanda nur funktionieren können, wenn man Beziehungen hatte.“

Seit 2010 arbeitet das Ruandakomitee Zweibrücken als eingetragener Verein mit dem Ziel, die Beziehungen zwischen Zweibrücken und den Sektoren Karama, Mukura und Gishamvu aufrecht zu erhalten, bestehende Partnerschaften in der Stadt zu unterstützen und über Ruanda zu informieren.

Den perfekten Rahmen für die Jubiläumsfeierlichkeiten bot die Mannlich-Realschule plus als langjährige Partnerschule der Schule in Vumbi. „Die Partnerschaft zwischen Ruanda und der Stadt Zweibrücken ist eng. Das spürte ich wieder deutlich, als wir im Februar zum Schüleraustausch dort waren“, sagte der stellvertretende Schulleiter Marc Sadowski. „Jeder von uns, der mal dort war, trägt Ruanda im Herzen“, fügte er hinzu.

Den Festvortrag hielt übrigens Michael Nieden, Geschäftsführer i. R. des Partnerschaftsvereins Rheinland Pfalz / Ruanda. Anschaulich ließ er die langen Jahre der Partnerschaft Revue passieren, zeigte aber auch die Perspektiven in einem Ruanda von heute. „Ruanda ist nicht nur das Land des Genozids von 1994. Ruanda ist auch nicht nur das Land der seltenen Berggorillas. Ruanda ist ein vielfältiges Land. Oder wussten Sie, dass Volkswagen eine Fabrik in Ruandas Hauptstadt Kigali hat? Das Partnerland von Rheinland-Pfalz hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung durchlaufen. Dieser Wandel umfasst Kigalis Stadtbild, die Wirtschaft, aber auch das gesellschaftliche Zusammenleben“, sagte er.

Ein schöner Programmpunkt der Jubiläumsveranstaltung war die Gesprächsrunde mit Schülerinnen und Schülern, dich bereits in Ruanda waren. Mit auf dem Podium saßen auch zwei Vertreterinnen des Ruanda-Referats der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz.

Zweibrücken Oberbürgermeister Marold Wosnitza, der die Runde moderierte, war selbst erst im August in Ruanda gewesen, in einem kleinen Distrikt im Süden des kleinen Landes in Zentralafrika. Absolut beeindruckt sei er gewesen und seine Erwartungen weit übertroffen worden, verriet er und erkundigte sich nach den Erfahrungen und Erlebnissen der Schüler.

„Also wir haben auf unserer Tour durchs ganze Land ziemlich viel gesehen. Natürlich erwartet man bei der Ankunft keine Großstadt wie Frankfurt, aber was mir direkt aufgefallen war, alles ist viel sauberer als bei uns. In den Dörfern sieht man noch die alte Kultur und Traditionen“, berichtete Wanja Nagel, der 2020 in Ruanda war. „Überall, wo wir hinkamen, waren die Menschen glücklich, haben getanzt und sich gefreut, uns zu sehen“, beschreibt er seine Eindrücke. Im Unterschied zur Stadt, wo wir natürlich weniger beachtet wurden.“

„Ja, die Sauberkeit in diesem Land hat auch mich beeindruckt“, warf Marold Wosnitza ein und erinnerte an ein Erlebnis am Tag seiner Abreise: „Es war ein Sonntag und der komplette Straßenverkehr eingestellt, damit die Menschen beim Aufräumen und Saubermachen der Stadt helfen konnten. Das ist einfach eine ganz andere Denkweise.“

Was denn bei ihnen hängengeblieben sei, fragte er die Schülerinnen und Schüler. „Ich glaube, der Aufenthalt hat uns alle verändert, auch unser Umfeld“, sagte Hannah Agne. Seit ihrem Aufenthalt in Ruanda 2017 sei auch ihre Familie sehr viel weltoffener geworden. „Und mein Impfpass deutlich voller geworden“, scherzte sie. „Das kann ich nur bestätigen“, pflichtete Wanja Nagel ihr bei. „Durch die Herzlichkeit der Menschen in Ruanda habe ich gelernt, das Leben besser zu schätzen.“

Wosnitza: „Ich habe ohnehin den Eindruck, dass die Grundstimmung in diesem Land eine viel Positivere ist. Ich glaube, daran können wir uns in unserer Gesellschaft ein Beispiel nehmen. Und den Menschen in Ruanda geht es sicherlich nicht besser als uns.“

Marcel Duvour, der im Februar dabei war, erinnert sich vor allem an einen Satz seines Lehrers Marc Sadowski: „Lasst Euch einfach mal drauf ein“, hatte er uns vor der Reise gesagt. Ein Satz, der für mich und ich glaube, für uns alle, sehr prägend war und mir bis heute im Kopf geblieben ist. Ich bin wesentlich geduldiger geworden, offener für neue Dinge und auch dankbarer für das, was ich habe.“

Umgekehrt ist es natürlich für die Schüler aus Ruanda genauso aufregend, wenn sie nach Deutschland kommen. „Da gibt es den Albert, der uns allen, auch wegen seiner Herzlichkeit, in Erinnerung geblieben ist“, erzählte Wanja Nagel. „Er war zum Beispiel total geflasht wegen der großen Häuser; und überrascht, dass wir Traktoren haben und Tiere auf der Weide stehen. Das hatte er so von Deutschland nicht erwartet. Er dachte, Deutschland sei eine große Stadt.“

Aktuell gebe es zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda 194 aktive Schulpartnerschaften, verriet Katharina Krings vom Ruanda-Referat. „Wobei ich sagen muss, dass mit aktiv auch schon Brieffreundschaften gemeint sind.“ Eine Vorzeigepartnerschaft sei aber zweifelsohne die Beziehung zwischen Ruanda und der Mannlich-Realschule plus. Diese Begegnungen seien im Übrigen sehr wertvoll, betonte ihre Kollegin Jenny Bauer. „Jungen Menschen diese Möglichkeit zu geben, in ein anderes Land zu reisen, und diesen Blickwechsel zu haben, ist etwas Wunderbares. Dabei zu sehen, dass man auch Freundschaften haben kann, weil man merkt, dass man trotz der Unterschiede eben gleich ist.“

Das Ruanda-Referat der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz verfolgt übrigens das Ziel, den Austausch mit Ruanda auf kommunaler Ebene zu intensivieren – für einen Lernaustausch in beide Richtungen. „Kommunen sind ein wichtiger Punkt in der Partnerschaft, den wir wieder beleben wollen. Dabei geht es nicht mehr nur darum, Entwicklungshilfe in Ruanda zu leisten oder Schulen zu bauen. Wir können auch von Projekten in Ruanda profitieren“, sagte Katharina Krings und erinnerte an Drohnenprojekte als Transportmittel oder Straßenlaternen, die in Ruanda als Ladestationen dienen. „Das sind Dinge, von denen auch wir lernen können.“

Marold Wosnitza: „Ich glaube, dass wir gemeinsam mit Ruanda für beide Seiten etwas bewegen können. Herr Sadowski hat es vorhin schon angesprochen: Dafür brauchen wir zukünftig auch mehr junge Menschen, die sich für dieses Thema begeistern, und den Verein in die Zukunft führen. Und ich bin fest davon überzeugt, dass uns das gelingen wird!“

Begleitend zum Jubiläum können Interessierte noch bis 13. November im Foyer der Mannlich- Realschule plus, Zeilbäumerstraße, die Ausstellung „Ruanda – Blickpunkte 2.0“ besuchen - während der Unterrichtszeit von 8 bis 15 Uhr. Für Gruppen empfiehlt sich eine Anmeldung im Sekretariat der Schule. www.mannlich-rs.de