1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

31-Jähriger Zweibrücker muss nicht in die Psychiatrie

Landgericht Zweibrücken : Um die Psychiatrie herumgekommen

Das Landgericht hat am Donnerstag nach einem Sicherungsverfahren die Schuldunfähigkeit des 31-Jährigen festgestellt.

Da ist ihm am Ende wohl ein Stein vom Herzen gefallen: Der 31-jährige Zweibrücker wird nicht in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Eine solche Zwangsmaßnahme käme nicht infrage, weil der Beschuldigte inzwischen, so habe es sich in dem Sicherungsverfahren herausgestellt, „ein, wie er selbst sagt, ganz anderer Mensch geworden“ sei, begründete die Vorsitzende Richterin Susanne Thomas am Donnerstag vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken ihr Urteil. Der 31-Jährige sei mittlerweile seit drei Jahren drogenfrei und wieder „sehr gut familiär eingebunden“. Zudem befinde sich der Zweibrücker in therapeutischer Behandlung und habe eine neue Perspektive durch eine Berufsausbildung zum orthopädischen Schuhmacher erhalten, was eine „günstige Prognose“ erlaube. Auch was die ihm vorgeworfenen Straftaten angehe, lägen die in ihrer Schwere „im unteren Bereich“, was die Anwendung des Unterbringungs-Paragrafen ausschließe. Gleichwohl sei er schuldunfähig, weil der 31-Jährige seit mehreren Jahren unter einer chronischen psychischen Erkrankung leide.

Das hatte auch Staatsanwältin Claudia Feß dem Beschuldigten bereits in ihrer Antragsschrift zugebilligt. Sie hatte ihm zwar unter anderem Betrug, Beleidigung, Bedrohung, Sachbeschädigung, Freiheitsberaubung und unzählige Schwarzfahrten für den Zeitraum von Februar 2017 bis Februar 2018 vorgeworfen. Sie war jedoch von Anfang an davon ausgegangen, dass der Zweibrücker seinerzeit wegen seiner psychischen Erkrankung „im Zustand der Schuldunfähigkeit“ gehandelt hatte. In ihrem Plädoyer hielt die Staatsanwältin dem Beschuldigten am Donnerstag zugute, dass seit fast zwei Jahren „nichts mehr passiert“ sei. Deshalb sah sie die Voraussetzungen nicht erfüllt, eine Unterbringung des 31-Jährigen in die Psychiatrie anzuordnen. Der Beschuldigten habe zwar einige, aber keine „erheblichen rechtswidrigen Taten“ begangen. Solche Rechtsverstöße seien aus heutiger Sicht von ihm in Zukunft auch nicht zu erwarten. Schon gar nicht stelle er eine Gefahr für die Allgemeinheit dar, so die Staatsanwältin, befand die Staatsanwältin.

Der 31-Jährige hatte die ihm vorgeworfenen Taten eingeräumt. So soll der junge Mann laut Antragsschrift Anfang 2017 das „Sterbegeldkonto“ abgeräumt haben, auf das er und einer seiner beiden älteren Brüder – so war es in der Familie vereinbart worden – eigentlich erst nach dem Ableben des Vaters hätten zugreifen sollen, um die Beerdigungskosten zu begleichen. Zudem hatte er sich mit einem schwarzen Permanentmarker in ganz Zweibrücken verewigt – ob auf Stromverteilerkästen oder auf einer Toilettentür einer beliebten Musik-Kneipe in der Lammstraße. Was von der Staatsanwaltschaft als Sachbeschädigung gewertet wurde. Weiterhin soll er vor seinem Elternhaus eine Papier-Tonne angesteckt und einmal seinen Vater leicht gewürgt haben. Auch soll er seine frühere Freundin nicht wieder aus seinem Badezimmer herausgelassen haben, in dem sie sich aus Angst vor ihm zuvor selbst eingeschlossen hatte.

Professor Wolfgang Retz, der Direktor des Homburger Instituts für gerichtliche Psychologie und Psychiatrie, diagnostizierte dem 31-Jährigen, dass er unter einer bipolar-affektiven Störung leidet. Im in Rede stehenden Tatzeitraum habe er sich gerade in einer „ausgeprägten manischen Episode“ dieser chronischen Geisteskrankheit befunden, die von Selbstüberschätzung, Reizbarkeit und Größenwahn gekennzeichnet sei. Wegen seines damaligen Drogenkonsums sei seine Steuerungsfähigkeit aufgehoben gewesen, sagte der Professor.

Der 31-Jährige darf sich nun freuen: Die Ablehnung der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus kommt quasi einem Freispruch gleich.