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20 Tonnen Zigaretten geschmuggelt

20 Tonnen Zigaretten geschmuggelt

Die Polizei hat eine Schmugglerbande ausgehoben. Deren Chef wird Hinterziehung von etwa einer Million Euro Tabaksteuer vorgeworfen. In Luxemburg gekaufter Tabak wurde vom Saarland aus nach England geliefert.

Zielfahnder des Landespolizeipräsidiums Saarland hatten den 48-jährigen L., von dem mindestens vier Namen samt gefälschter Ausweise bekannt sind, nach intensiver Suche im September im polnischen Lodz aufgespürt. Seit seiner Auslieferung am 21. September sitzt er in Saarbrücken in Untersuchungshaft. In dieser Justizvollzugsanstalt (JVA) soll auch ein Sohn des gebürtigen Polen eine längere Haftstrafe verbüßen. Die Ermittler des Dezernates für Organisierte Kriminalität (OK) gehen davon aus, dass Vater und Sohn Mitglieder einer Schmugglerbande sind. Der Senior gilt als Chef des polnischen Clans.

Pressestaatsanwalt Christoph Rebmann bestätigte jetzt auf Anfrage Informationen unserer Zeitung, wonach gegen den 48-jährigen, mehrfach Vorbestraften Anklage erhoben wurde. Zu Details machte er keine Angaben. Der Prozess vor der großen Wirtschaftsstrafkammer des Saarbrücker Landgerichts beginnt am nächsten Dienstag. Der Vorwurf: besonders schwere Steuerhinterziehung. Die Rede ist von hinterzogener Tabaksteuer in Höhe von einer Million Euro.

Nach Informationen unserer Zeitung machen die Ermittler den angeblichen Bandenchef, der unter anderem wegen Raubes, Falschgeldes, bewaffneten Diebstahls und Erpressung vorbestraft ist, dafür verantwortlich, dass in seinem Auftrag im großen Stil Zigaretten in Luxemburg eingekauft, in Deutschland umverpackt und am Zoll vorbei zum Verkauf nach England geschickt wurden. Insgesamt sollen in etwa vier Jahren mehr als 143 Lieferungen mit einer Gesamtmenge von rund 20 Tonnen Zigaretten und Feinschnitttabak über die Grenzen gebracht worden sein. Einzelne dieser Lieferungen und Beschaffungsfahrten in Kleintransportern fielen offenbar bei Kontrollaktionen auf oder wurden observiert.

Große Mühe gaben sich die Schmuggler mit der Verpackung der Tabakwaren, bevor sie - etwa über einen Paketshop in der Saarbrücker Innenstadt - auf den Weg nach England geschickt wurden. Um bei Zollkontrollen nicht aufzufallen, wurden die aus Luxemburg eingeschmuggelten Zigaretten - meist handelte es sich um die Marken Amber Leaf oder Gold Leaf - in Styroporboxen verstaut, diese mit Aluminium und Kunststofffolie umwickelt und dann in Kartons gepackt.

Der jetzt angeklagte Pole soll Kopf und Vordenker der Bande gewesen sein. Einige seiner Komplizen haben ihn angeblich schwer belastet. Der St. Ingberter Anwalt Professor Guido Britz ist Verteidiger des Polen. Er meldet Zweifel an der Anklage an, die "kritisch zu sehen" sei. Britz spricht von "gravierenden rechtlichen Problemen" und erwartet eine langwierige Beweisaufnahme.