Zwischen Landtag und Kloster

Wer sind die Menschen, die in unserem Wahlkreis für den Landtag kandidieren? In einer Serie porträtiert der Pfälzische Merkur die sechs Direkt-Kandidaten. Heute: Fred Konrad von den Grünen.

Dieser Mann scheint ein Optimist zu sein. Es ist ein trüber Tag, der Himmel ist wolkenverhangen. Doch Fred Konrad ficht das nicht an. Gut gelaunt setzt er sich ans Klavier , haut in die Tasten und schmettert vergnügt: "Sunny!" Das stimmungsvolle Stück von Bobby Hebb sei jetzt genau das richtige, findet Konrad. Er liebe Musik, singe auch leidenschaftlich. Das Klavier in seinem Haus in Käshofen ist ein Stück Luxus, das sich der 54-Jährige, der seit 2011 für die Grünen im Mainzer Landtag sitzt, gönnt.

Ein Mann, der Klischees erfüllt, ist Konrad nicht. Das geht schon beim Klavierspielen los, das manch gestandener Grüner sicher als arg gutbürgerlich empfinden würde. Ebenfalls nicht gerade klassisch-grün ist Konrads Selbstbeschreibung: "Ich bin wertekonservativ! Ich wurde so erzogen, das habe ich übernommen."

Das Bekenntnis zum christlichen Glauben ist für den Katholiken Konrad eine Herzensangelegenheit. Der Glaube gebe ihm viel Kraft, er ziehe hieraus die Selbstverpflichtung "zur Nächstenliebe, zum Respekt vor Gott und den Menschen", dies präge auch seinen politischen Stil. Gerne möchte Konrad die Arbeit in Mainz fortsetzen. Befragt zu seiner Bilanz als Landtagspolitiker nennt er Beispiele: Er habe daran mitgewirkt, dass die Stadt Zweibrücken und die Region bei der Stadt-Umland-Strategie in Mainz "präsent" sei; die Pflegekammer im Land sei bundesweit bislang einmalig; beim Thema Inklusion engagiere er sich stark, die Haushaltsmittel für den Sozialbereich seien - trotz vielfältiger Sparmaßnahmen - erhalten geblieben; nach dem Wegfall des Flugbetriebs in Zweibrücken habe er an der "Strukturanpassung" vor Ort mitgewirkt, ebenso an einem Gesetz, "das den Sonntag davor schützt, komplett dem Konsum geopfert zu werden."

Im Falle einer Wiederwahl würde er die enormen Herausforderungen des demografischen Wandels angehen, die Inklusion vorantreiben und die Gesundheitsversorgung in der Fläche sicherstellen, nennt er Baustellen. "Am liebsten", sagt er, möchte er "weiter mit Rot-Grün" in Mainz regieren. Aber Schwarz-Grün würde er sich nicht kategorisch verweigern. "Für mich als Wertekonservativer ist das denkbar", sagt er. Doch sei es bei vielen Punkten nicht einfach, eine Linie zu finden, etwa bei der Inklusion.

Und wenn er den Einzug in den Landtag nicht schafft? Dann hätte er wieder mehr Zeit, als Kinderarzt zu arbeiten. Und vor allem, in sein geliebtes Italien zu reisen und die gute Küche dort zu genießen.

Und er hätte wieder mehr Zeit, Kraft im Kloster Himmerod in der Eifel zu tanken. Dort fahre er jetzt schon regelmäßig hin, um den Kopf frei zu bekommen. Es sei eine besondere Erfahrung, in dem Kloster einige Tage zu verbringen, dem Gesang der Chöre lauschen, in sich zu gehen - und zu spüren, dass die Politik zwar wichtig ist, aber nicht alles im Leben.

Zum Thema:

Zur PersonFred Konrad, 54, ist in Trier geboren. In Homburg und Bonn studierte er Medizin. Seit 2004 betreibt er eine Kinderarzt-Praxis in Kusel. Diese Tätigkeit hat er in den letzten Jahren allerdings deutlich zurückgefahren - denn 2011 gelang dem Mitglied der Grünen von Platz 14 der Landesliste aus der Sprung in den Landtag. In der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen ist der 54-Jährige für Soziales, Inklusion, Pflege, Leben im Alter, Demografie und Kirchenpolitik zuständig. Er ist Vorsitzender des Ausschusses für Integration, Familie, Kinder und Jugend und Mitglied des sozialpolitischen Ausschusses sowie stellvertretendes Mitglied des Petitionsausschusses. eck