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Zweibrücken-Land bietet Orten an, Trägerschaft für Kitas zu übernehmen

Contwig : Wer will Verantwortung abgeben?

Die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land bietet den Orten an, die personelle Trägerschaft für die Kitas zu übernehmen.

Die Verbandsgemeinde als personelle Trägerin der Kindergärten künftig in Zweibrücken-Land? Für die Mitglieder des Ortsgemeinderates Contwig durchaus denkbar. Weshalb Verbandsbürgermeister Björn Bernhard überhaupt dieses „heiße Eisen“ derzeit anpackt, machte er bei der Zusammenkunft der Ratsmitglieder im Sportheim des SC Stambach (wir berichteten teilweise) deutlich: Es gehe ihm ausschließlich darum, die Ortsbürgermeisterinnen und Ortsbürgermeister in ihrer Verantwortung zu entlasten, denn die lastet seit dem neuen Kita-Zukunftsgesetzt gewaltig auf ihren Schultern. 

„Niemand will den Ortsgemeinden den Kindergarten abnehmen. Aber mit dem neuen Gesetz, das seit dem 1. Juli in Kraft getreten ist, muss sich jede Ortsbürgermeisterin und jeder Ortsbürgermeister seiner ganz persönlichen Verantwortung bewusst sein. Von Kosten für ein besseres Handling beim Personaleinsatz einmal ganz abgesehen“, so Björn Bernhard in seiner Kernaussage vor dem Contwiger Rat. Probleme erkennt der Verwaltungschef nach zahlreichen Gesprächen mit Vertretern des Gemeinde- und Städtebundes, Amtskollegen und dem eigenen Gesetzesstudium: Von der Leitung würden nämlich qualifizierte, pädagogische Fähigkeiten gefordert. Nicht von der tatsächlichen Kindergartenleitung, sondern von den Verantwortlichen der Ortsgemeinde als Träger. Bernhard: „Hier will die Verbandsgemeinde unterstützend aktiv werden, denn Kindergärten sind in manchen unserer Ortschaften mittelständische Unternehmen, die zu führen sind. Ich denke dabei an die Einrichtung in Bechhofen mit ihren Erzieherinnen für acht Gruppen im Kindergarten. Oder auch die beiden kommunalen Kindergärten in Contwig, die neben den Kindergärten der kirchlichen Träger Aufgaben wahrnehmen. Es gilt zu überlegen. Nichts soll genommen werden, wir sollten aber, gezwungen durch die neue Gesetzes- und Rechtslage, die Dinge genau prüfen.“

Monatlich wird künftig das Personal für jeden einzelnen Kindergarten bemessen. Bisher war dies von der erteilten Betriebserlaubnis abhängig. Nachvollziehbar deshalb auch das Denkmodell des Verbandsbürgermeisters, dass  der Personaleinsatz in der Trägerschaft der Verbandsgemeinde weitaus besser zu koordinieren ist. Was macht die Ortsgemeinde X, wenn plötzlich eine kinderreiche Familie wegzieht und Personal zu viel auf der Gehaltsliste steht? das muss bezahlt werden, auch wenn nach der Kinderzahl in der Einrichtung nicht benötigt. Weil besagte Familie aber in den Ort Y verzog, werde dort mehr Personal gebraucht, das aber vielleicht überhaupt nicht auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht. Die Verbandsgmeinde könnte dann mit Springern viel besser alles regeln als jede Ortsgemeinde für sich.

Dass alle Kindergärten als Einrichtung von der Verbandsgemeinde übernommen werden, sei für die Zukunft unter Umständen ein Ziel mit vielen Hürden und Erschwernissen. Ganz ausschließen wollte das Björn Bernhard aber nicht, die Bereitschaft der Ortsgemeinde immer voraussetzend. Die Kunde jetzt mal sacken lassen, über das Angebot nachdenken und sich dann vielleicht in einem Grundsatzbeschluss entscheiden, das sei erklärte Absicht der Verbandsgemeinde, die mit ihrem Fachpersonal aber weiter die Ortsgemeinden mit allen Kräften und Möglichkeiten unterstützen will. Zeit zum Nachdenken haben jetzt Ortsbürgermeisterin und die Ratsmitglieder allemal.