1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken-Land

Wohnhaus-Großbrand in Schulstraße Rosenkopf

Große Hilfsbereitschaft in Rosenkopf : Feuer vernichtet Haus junger Familie

Die vier Rosenkopfer hatten es sich gerade vor dem Fernseher gemütlich gemacht, als sie durchs Fenster Flammen sahen. Die Löscharbeiten dauerten fünf Stunden. Einer der 90 Wehrleute wurde dabei verletzt.

Flammen haben einer vierköpfigen Familie am Dienstagabend in Rosenkopf ihr Hab und Gut geraubt. Nichts blieb der Familie übrig als das, was sie gegen 20 Uhr, kurz nach dem Abendessen, am Körper trugen. Ihr schmuckes Eigenheim brannte in den oberen Etagen total aus. Unten in Küche und Wohnzimmer stand noch am Mittwochmorgen das Löschwasser kniehoch.

90 Feuerwehrleute kämpften mit der Feuerbrunst, die in dem Holzhaus in der Schulstraße reichlich Nahrung fand. Erst nach fünfstündigem Löscheinsatz hatten sie das Feuer weitgehend unter Kontrolle. Der Sachschaden wird auf 300 000 Euro geschätzt, teilt die Feuerwehr Zweibrücken-Land mit. Wegen der noch unbekannten Brandursache werde noch ermittelt.

Diesen Dienstag, den 24. März, werden die Eheleute Lena und Björn B. zusammen mit ihren Töchtern Annabell und Laura wohl im weiteren Lebensverlauf nicht mehr vergessen. Raubte doch ein Großfeuer im Eigenheim alles, was sie sich bis dahin angeschafft, geschenkt oder sonst bekommen hatten. Von den wichtigen Dokumenten und Erinnerungsstücken, wie sie in jeder Familie aufbewahrt werden einmal ganz zu schweigen. Wegen der Corona-Krise hatten die beiden Kinder im Alter von sieben und acht Jahren schulfrei. Die Mutter hatte den Abendtisch abgeräumt, die Kinder sich es noch kurz vor dem Fernseher gemütlich gemacht. Ausnahmsweise durften sie noch kurz schauen, ob der besonderen Allgemeinsituation.

Da bemerkte Lena B. von der Küche aus einen ungewöhnlichen Feuerschein. Sie ging nach draußen zum angebauten Schuppen, um nachzuschauen, woher dieser Feuerschein kam. Eine Nachbarin auf der gegen überliegenden Straßenseite war zeitgleich ebenfalls auf das Feuer aufmerksam geworden und hatte bereits Alarm ausgelöst. Sofort brachte die Mutter die Kinder bei den Nachbarn gegenüber in Sicherheit. Das Feuer sprang rasend schnell vom Schuppenanbau auf das eigentliche Wohnhaus über.

Lena und Björn B. durften beim Eintreffen der örtlichen Floriansjünger nicht mehr in ihr Haus zurück, mussten vielmehr mit ansehen, wie die Feuerbrunst sie in diesem Moment regelrecht obdachlos machte. Bei der Schwester von Björn B. im benachbarten Homburg sind sie vorerst untergekommen. Wie es weitergeht, konnte Lena B. am Mittwoch noch nicht sagen. Von den helfenden Nachbarn hatte sie am Brand-Abend für die Kinder noch etwas an die Füße bekommen, ehe sie mit ihnen noch in der Nacht nach Homburg aufbrach.

„Wir stehen vor dem Nichts. Wohnungseinrichtung, sämtliche Dokumente, schöne Erinnerungen, Spielzeug der Kinder, Kleidung, Haushaltsutensilien und alles was wir hatten ist entweder ein Raub der Flammen oder vom Löschwasser zerstört“, berichtete am Tag danach der zwar gefasste aber doch vom Schicksalsschlag hart getroffene Hauseigentümer und Familienvater dem Pfälzischen Merkur. Einziger Lichtblick: Die noch in der Schadensnacht angelaufene Hilfsbereitschaft in jeglicher Form von Spendenaktionen. Die Eltern von Klassenkameraden der beiden Kinder aus der Grundschule Bechhofen gründeten noch in der Nacht eine WhatsApp-Gruppe, um zu helfen. Auf Facebook gibt es eine Seite „Hilfsaktion Wohnhausbrand Rosenkopf“. Drei Sammelstellen sind eingerichtet, eine in Rosenkopf, zwei in Bechhofen.

Altbürgermeister Jürgen Plagemann fungierte am Mittwochvormittag teilweise als Wegweiser zum Rosenkopfer Sammelpunkt, Sohn Christian als amtierender Ortsbürgermeister hatte sich zusammen mit einem kleinen Helferteam im nahegelegenen Dorfgemeinschaftshaus verdungen und Stärkung für die rund 90 Feuerwehrleute zubereitet. Brezeln aufgebacken, Kaffee und Tee gekocht, schlechthin für essbaren Nachschub gesorgt. Noch in der Nacht konnte Christian Plagemann kurz mit dem Familienvater und Brandgeschädigten sprechen. Ob der bereits angelaufenen Hilfsaktionen möchte die Ortsgemeinde nicht noch zusätzlich aktiv werden. Christian Plagemann: „Wir können bei der Koordination vielleicht helfen, natürlich stehen wir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite, es sind ja unsere Bürger, die Hilfe brauchen!“

15 Löscheinheiten waren insgesamt mit 90 Feuerwehrleuten und 25 Fahrzeugen für fünf Stunden im Dauereinsatz. Neben den Wehren aus den umliegenden Orten auch die Feuerwehr Martinshöhe, die Stadtfeuerwehren aus Homburg und Zweibrücken, die Zweibrücker Triwo-Flugplatzfeuerwehr, die Wehr aus Waldmohr und das DRK Südwestpfalz. Aus Lemberg war die Atemschutzkomponente des Landkreises Südwestpfalz zur Stelle, da viele Atemschutzträger im Einsatz waren.

Ein Feuerwehrangehöriger wurde leicht verletzt und vor Ort vom Rettungsdienst versorgt. Die vier Bewohner sowie ihre beiden Haustiere blieben unverletzt.

Bei dem Großeinsatz wurde Löschwasser knapp. Die Löschwasserreserven in Käshofen und Rosenkopf waren fast aufgebraucht. Deshalb half mit einem großen Löschwassertankzug die Stadtfeuerwehr Homburg aus. Im Pendelverkehr schafften Tanklöschfahrzeuge Löschwasser aus Bechhofen und Martinshöhe zum Einsatzort.

Der Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, Thomas Hohn, war in Absprache mit Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker am Einsatzort, wo Verbandsgemeindewehrleiter Thorsten Preyer und dessen Stellvertreter Andreas Glahn die Einsatzkräfte koordinierten. Thomas Hohn hatte sich erkundigt, ob die Verbandsgemeinde für eine Unterbringung der Familie sorgen müsse und Hilfe angeboten.

Weil das Löschwasser knapp wurde, half über die Landesgrenze hinweg die Feuerwehr Homburg mit einem großen Löschwassertankzug. Foto: Norbert Schwarz

Kriminalhauptkommissar Maiß teilte auf Anfrage des Pfälzischen Merkurs mit, dass der Brandverlauf geklärt sei, die Brandursache allerdings noch nicht. Die Staatsanwaltschaft entscheide darüber, ob ein Sachverständiger zur Ursachenermittlung eingeschaltet wird oder nicht.