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Wie die Dietrichinger Wehrführerin Theresa Schäfer Nachwuchs gewinnen will

Nächtliche Werbe-Aktion in Dietrichingen : Plakative Feuerwehrleute-Suche

Mit einer ungewöhnlichen Aktion sucht die Freiwillige Feuerwehr Dietrichingen Verstärkung.

„Huch, was haben Geisterhände denn hier plakativ geschafft?“ So oder ähnlich mögen viele Dorfbewohner am Sonntagmorgen gedacht haben, als sie zu markanten Kreuzungspunkten in Dietrichingen kamen. „Wir brauchen Dich“, war plakativ auf den Boden gesprüht. Dazu die Umrisse von drei Feurwehruniformträgern – und ein Personen-Umriss mit dem in Großbuchstaben geschriebenen DICH.

15 (überwiegend junge) Frauen und Männer verrichten derzeit bei der örtlichen Löscheinheit Ehrendienst als Feuerwehrfrau oder Feuerwehrmann. Theresa Schäfer (Wehrführerin) und Anatolin Schwarz (Stellvertreter) stehen an der Spitze dieser Truppe, zu welcher auch die junge Ortsbürgermeisterin Ulrike Vogelgesang zählt. Wie bei allen nicht aus Kalkül, sondern aus innerer Überzeugung für die Dorfmitbewohner im Ernstfall, egal ob Brand oder technischer Hilfe notwendig, zur Stelle zu sein.

Das Eintrittsalter ist ein weiterer augenfälliger Punkt. 2006. Sozusagen ein wirkliches „Schicksalsjahr“ für die Dorffeuerwehr von Dietrichingen, würde die ein Eigenleben führen. Theresa Schäfer, heute 31 Jahre jung, ausgebildete Rettungsassistentin und in Homburg Medizin studierend: „Die Meldung damals 2006, dass bald bei unserer Feuerwehr im Ort im wahrsten Wortsinn die Lichter ausgehen werden, hatte sich gleich einem Lauffeuer durch die Familien kreise damals verbreitet. So etwas vergisst man nicht, das ist noch heute ganz frisch in unseren Köpfen!“

Für Theresa Schäfer und Gleichgesinnte ist damals die Botschaft ein Alarmzeichen gewesen, eine Aufforderung sich aufzulehnen gegen das, was die Dorfgemeinschaft damals zu bedrohen drohte. „Keine Feuerwehr im Dorf, das konnten wir jungen Mädchen und Burschen wir uns einfach nicht vorstellen – wir handelten deshalb.“

Bei den Ausbildungsverantwortlichen der Feuerwehr in Käshofen meldeten sich 2006 zahlreiche Teilnehmer für die Feuerwehrgrundausbildung an. Fast alle blieben sie bis zum heutigen Tag bei der Stange.

Für Theres Schäfer ist das aber der Anfang zu noch mehr gewesen. Sie belegte Lehrgänge bei der Feuerwehr- und Katastrophenschutzschule des Landes Rheinland-Pfalz in Koblenz und steht als weibliche Wehrführerin der Löscheinheit in ihrem Heimatort seit 2010 vor. „Wir haben derzeit eine tolle Truppe, viele engagierte ehrenamtliche Helfer und das soll so bleiben. Auf keinen Fall möchten wir noch einmal sowas erleben wie damals 2006, als vom ,Lichter ausgehen’ die Rede war.“ Für Theresa Schäfer und alle übrigen der Löscheinheit Dietrichingen ist deshalb klar gewesen: „Wir wollen für die Zukunft planen.“

Ein Limit für ehrenamtliches Engagement gibt es nicht, wenngleich im Augenblick bei der örtlichen Feuerwehr alles rund läuft. Frühzeitige Weichenstellung wurde zum geflügelten Begriff. Der Umgang mit den heute zur Verfügung stehenden Medien ist der Medizinstudentin Theras Schäfer vertraut, also machte sie sich im Internet auf die Suche nach Möglichkeiten. „Dass bundesweit die Feuerwehren und Vereine auf Nachwuchssuche sind, ist ja allenthalben bekannt und so konnte ich viel lesen, was diese und jene Feuerwehr, dieser und jener Verein alles unternommen haben, um „frische Blut“ in die eigenen Reihen zu bekommen“.

Für Wehrführerin Schäfer und ihre Mitstreiter war deshalb klar. Es darf auf keinen Fall ein lapidarer Handzettel sein. Es muss was „Cooles“, was Auffälliges, was nicht Alltägliches für die Werbung passieren. Bei der Werbe- und Marketing-Agentur New Communication in Kiel wurde Theresa Schäfer schließlich fündig und bald schon handelseinig. Mitglieder aus der Wehr engagierten sich sogar finanziell, um das Projekt umsetzbar zu machen.

Die große Schablone, die ganz nach dem Wunsch der Dietrichinger entsprechend der Gestaltungsvorschläge der Kieler Agentur geschaffen wurde, lag dann letzte Woche bei Theresa Schäfer auf dem Boden und wurde von ihr mit weiteren Mitstreitern bestaunt. Daneben war „Malkreide“ in Dosen mitgeliefert worden. Gelb und Rot, feuerwehrtypische Farben. In der Nacht von Samstag auf Sonntag gab es dann das Einsatzkommando für die gewiss nicht alltäglich Werbeaktion der Löscheinheit Dietrichingen. Morgens um vier Uhr begannen Theresa Schäfer zusammen mit Sarah Jareiß, Bettina Guter und Anatolin Schwarz ihre Sprüharbeit. Die Witterungsbedingungen waren geradezu optimal. Im T-Shirt ließ sich die Arbeit verrichten. Nach anderthalb Stunden war der „Drops gelutscht“.

Ortsbürgermeisterin Ulrike Vogelgesang, selbst wie erwähnt seit 2006 auch Feuerwehrfrau, hatte natürlich die Aktion unterstützt und auch die Genehmigung zum Aufbringen an den Fahrbahnbelag in den Dorfstraßen erteilt. Mit der Aktion verspricht sich Wehrführerin Theresa Schäfer natürlich Zuspruch aus dem Dorf heraus. Potenzial gebe es, aber jeder Verein ringe um Nachwuchs und Mitglieder. Dass die Löscheinheit genug Leute brauche, werde auch dadurch deutlich, dass man dieses Jahr bereits zu fünf Brandeinsätzen gerufen wurde. Acht Mal musste man zu technischen Hilfeleistungen ausrücken.

Für Dietrichingen sei ein neues Feuerwehrhaus geplant und die Löscheinheit soll zudem ein neues Einsatzfahrzeug bekommen. Verbandsbürgermeister Björn Bernhard, selbst engagierter Feuerwehrmann, lobt die Werbeaktion. Junge Menschen für den ehrenamtlichen Dienst, für echten Bürgerdienst zu gewinnen, sei allemal lobenswert – und die Mühen, die man sich in seinem Heimatort Dietrichingen gemacht habe, sei ganz besonders anerkennenswert und wirklich „cool“.