Wenn der ganze Körper weh tut

Zweibrücken. Sehr interessant und spannend war es, was Chefarzt Franz Bayerl gestern Abend bei der vorletzten Schmerzkonferenz für dieses Jahr zu berichten hatte. Bayerl, im St

Zweibrücken. Sehr interessant und spannend war es, was Chefarzt Franz Bayerl gestern Abend bei der vorletzten Schmerzkonferenz für dieses Jahr zu berichten hatte. Bayerl, im St.-Elisabeth-Krankenhaus Zweibrücken auch Facharzt für Anästhesiologie und Schmerztherapie zuständig, zeigte zusammen mit der Diplom-Psychologin Andrea Böttler Erkennungsmöglichkeiten der sogenannten Fibromyalgie, einem Faser-Muskel-Schmerz, auf. Dazu gab es Wege ihrer Behandlung, die schließlich zur Schmerzlinderung führen. Mehr als 60 Besucher lauschten und zeigten bei der anschließenden Diskussion, wie vielschichtig das Leiden der Erkrankten sein kann.Meist haben die Patienten eine sehr lange Leidensgeschichte hinter sich. Nach den einführenden Worten von Bayerl schilderte Böttler an einem Fallbeispiel die verschiedenen Stufen des komplexen Krankheitsbildes, sein Erkennen, die Behandlungsformen und die angestrebte Möglichkeit, mit den Beschwerden leben zu lernen. In der Zweibrücker Schmerzklinik beim St.-Elisabeth-Krankenhaus war eine Patientin therapiert worden, die bereits Kinder hatte. Zeit für sich selbst nahm sie nie. "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Nur, dazu kam es nicht, weil die Patientin im Fallbeispiel nichts mehr außer Arbeit kannte. Als es ums Erkennen des Krankheitsbildes ging, meinte sie: "Ich denke, mein ganzer Körper ist wund". Sehr einfühlsam schilderte Andrea Böttler die vielen kleinen Schritte zum Erkennen der Krankheit, den Zwischenschritten bis zur Therapie und diese selbst. Die Therapierte arbeite inzwischen wieder, sei zufriedener. Chefarzt Bayerl ging abschließend näher auf das Fibromyalgiesyndrom ein. Es sei ein Faser-Muskel-Schmerz, der weder Entzündung noch rheumatologische Krankheit sei. "Es gibt keine labortechnischen Werte" stellte er fest und betonte dabei die inzwischen übereinstimmende Meinung unter Medizinern. Auch gehe es nicht allein um den Schmerz, auch psychische Konflikte spielten oft eine Rolle. Oft würde es sogar Jahre dauern, bis eine Diagnose möglich sei. Seit 2000 gibt es in Zweibrücken eine Selbsthilfegruppe, die sich monatlich in der Cafeteria des Evangelischen Krankenhauses trifft.