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Weltkriegs-Granate in Contwig gesprengt

Kampfmittelräumdienst in Contwig : Weltkriegs-Granate gesprengt

Damit der Blindgänger unschädlich gemacht werden konnte, wurde am Donnerstag ein Teil von Contwig evakuiert.

Um 12 Uhr und sechs Minuten knallt es in Contwig. Funken sprühen. Graue und weiße Nebelschwaden ziehen über das Gelände der Kläranlage. Wenig später ist der Spuk vorbei. Verantwortlich für das Spektakel: Experten des Kampfmittelräumdienstes Worms-Koblenz. Sie waren gerufen worden, um eine US-Phosphor-Nebel-Gewehrgranate des Typs WP-Smoke zu entsorgen, die bei Bauarbeiten gefunden worden war (wir berichteten). Da ein Abtransport zu gefährlich geworden wäre, musste das Relikt aus dem Krieg kontrolliert gesprengt werden.in die Luft.

160 Feuerwehrleute, Polizei und Hilfskräfte von ASB und DRK waren vor der Sprengung im Einsatz und sorgten dafür, dass sich im Umkreis von 300 Metern um den eigentlichen Sprengort niemand mehr befand. Exakt zwölf Absperrpunkte waren dafür eingerichtet. Ab zehn Uhr  sollten Anwohner die Zone verlassen. Verbandsgemeinde-Wehrleiter Thorsten Preyer hatte ihre Zahl zuvor auf 800 im fraglichen Gebiet geschätzt. Darunter viel Berufstätige, Jugendliche, Schüler und Kinder.

 Funkensprühend verbrennt die Phosphorladung.
Funkensprühend verbrennt die Phosphorladung. Foto: Norbert Schwarz

Wer selbst nicht mobil war, wurde von ASB und DRK-Helfern zur Notunterkunft in die Sporthalle der Grundschule Stambach gebracht. Nach elf Uhr hatte das Personal der Werke, das dort seinen Hilfsdienst versah, zehn Besucher notiert. Pünktlich zur vorgegebenen Zeit durchstreiften die Kräfte des Ordnungsamtes der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, verstärkt mit Feuerwehrleuten, das gesamte Sperrgebiet. Lisa Spaniol und Feuerwehrleute etwa die Hauptstraße oberhalb der Kläranlage mit Seitenwegen. An jeder Haustür gab es ein Klingelzeichen. Vielfach waren die Contwiger den Empfehlungen gefolgt und hatten wegen einer zu erwartenden Druckwelle die Rollläden heruntergelassen. Ein Bewohner vergaß die Räumungszeit, weil ihn die Hausgartenzeit zu sehr beanspruchte, bei einem weiteren öffnete sich in der Sperrzeit das Garagentor und ab ging es dorfauswärts Richtung Zweibrücken. Um ganz sicher zu gehen, wurde das Gebiet sogar ein zweites Mal durchkämmt. Von Polizei und Feuerwehr kam wie vereinbart um zwölf Uhr die Bestätigung der totalen Räumung.  

Truppführer Thomas Guindeuil zusammen mit Alexander Schäfer, Jürgen Wagner und Marco Ofenstein vom Kampfmittelräumdienst Worms-Koblenz hatten derweil auf dem weitläufigen Gelände der Kläranlage in Contwig die Vorbereitungen zur Sprengung getroffen. Nach dem Fund bei Bauarbeiten am Dienstagmorgen in der Tränkgasse hatte Mitarbeiter Frank Scherthan sofort Kontakt zum zuständigen Räumdienst aufgenommen. Bereits nach einer Stunde habe Thomas Guindeuil auf dem Hof gestanden, so Scherthan zum Pfälzischen Merkur.

Ein Materiallagerplatz im offenen Viereck aus Betonklötzen war der eigentliche Sprengort. Die korrodierten Blechteile der Granate ließen einen Transport an einen anderen Ort nicht zu. Guindeuil: „Die 200 Meter vom Fundort zum Zwischenlager sind gerade noch vertretbar gewesen. Das Sicherheitsrisiko war hoch, der Phosphorgeruch stark.“ In einem blauen, mit Wasser gefüllten Gärfass aus Plastik wurde die Rauchgranate gesprengt.  Die Rauchschwaden rührten vom verbrennenden Phosphor, der beim Verbrennungsvorgang als hochgiftig einzustufen ist. Der Truppführer weiter: „Wir mussten das Phosphor vollständig abbrennen lassen. Deshalb konnten wir die Granate auch nicht versteckt, etwa in einem Erdhaufen, zerstören. Im Fass konnten auch die Restteile verbrennen.“

Bei gut 140 Feuerwehrleuten, die sich zum Einsatzende in der VT-Turnhalle versammelten, dankte der zuständige Beigeordnete Thomas Hohn für das profihafte Verhalten aller Einsatzkräfte. Hohn: „17 Wehren – eine Einheit, das hat sich heute sehr gut einmal mehr bewahrheitet. Heute Nacht können wir alle wieder beruhigt schlafen.“

Hohn dankte auch den Einsatzkräften der Polizei, der SEG-Betreuung des Landkreises, wie ASM und DRK. Verbandsbürgermeister Björn Bernhard, der sich freiwillig in Quarantäne begeben hat (bei der Verwaltung gab es einen positiven Fall), war telefonisch zugeschaltet und dankte für den engagierten Einsatz. Die SEG-Betreuung des Landkreises Südwestpfalz (ASB) hatte den Part der Versorgung übernommen. 250 Portionen Nudeln mit Bolognese hatten sie neben Brezeln und Belegten für die Helferschar vorbereitet. Um 12.45 konnten die Contwiger wieder in ihre heimische Umgebung zurückkehren, wurden die Verkehrswege wieder freigegeben.