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Baggewatscher-Premiere: Von Feinschmeckern empfohlen

Baggewatscher-Premiere : Von Feinschmeckern empfohlen

Die Baggewatscher haben mit ihrem neuen Stück „Kaviar trifft Currywurst“ das Publikum mitgerissen.

Alle zwei Jahre ist die Laienspieltruppe der „Baggewatscher“ voll in ihrem Element. Am Samstag war es zur diesjährigen Premiere wieder soweit. „Kaviar trifft Currywurst“ der vielversprechende Titel. Das von Winnie Abel geschriebene Stück ist maßgeschneidert für die Laienspieltruppe. Die 200 Zuschauer im rappelvollen Saal der Konrad-Loschky-Halle toben, kommen aus dem Lachen kaum heraus.

Klar wie der Titel ist die Ausgangslage. Erna Hempel betreibt eine Eckkneipe mit Stammkundschaft. Der beschauliche Kneipenalltag ist jedoch in Gefahr. Cousin Harry, ein Von, nämlich von Reichwald, hat sich angesagt. Diesem hat die bodenständige Erna die Kneipeneröffnung überhaupt zu verdanken, denn „Harry“ war Geldgeber für einen „feinen Schuppen“, eine Edelkneipe eben. Von heute auf morgen muss es also einen Wandel geben. Der leicht neben der Spur laufende Lebensgefährte Ernas, einfach Ernst genannt, zwängt sich in die Livree des piekfeinen Kellners. Helga, schon am frühen Morgen zur täglichen Schnapsration unterwegs, kann sich mit der Rolle der feinen Besucherin nur schwer anfreunden. Hannes Schuster, Sterngastronom aus der Nachbarschaft sorgt für zusätzliche Störungen. Gourmet-Testerin Ludmilla von Rech findet überkandidelt alles formidable. Allein Stammgast Albert bewahrt wie von allem Anfang an stoische Ruhe bis zum letzten Vorhang.

Einfach ergötzend, wie Sonja Blügel in diesem Dreiakter die Hauptrolle von Erna Hempel rüberbringt. „Wir sind doch unter uns, hier dein Herrendeck…“ Oder Peer Wendel als „Harry von Reichwald“. Kess, erhaben, den neureichen bei jedem Dialog förmlich heraushängen lassend, wirbelt er über die Bühne. Die rote Brille im Haar, ein nicht zu übersehendes Signal an männlichem Machogehabe. „Immer, wenn ich mit der Puppe essen gehe, denkt sie die ganze Zeit darüber nach, ob das Essen ansetzen kann.“

Dabei hat Erna schon vorher festgestellt, dass solche Aussagen gänzlich überflüssig sind, weil schon beim Anblick der Dame an der Seite ihres Cousins der Gedanke an eine ausgebrochene Hungersnot aufkommen muss. Das Publikum brüllt zum wiederholten Mal, weidet sich an den herrlichen Dialogen vom ersten Akt an bis zum Schlussvorhang.

Und natürlich wird im Schlussakt alles auf die Spitze getrieben. Harry von Reichwald tobt und ist außer sich – zur Freude des Publikum. Setzt Erna eine Schonfrist zur Rückzahlung des gewährten Anfangkredits. Das natürlich versteht die Gourmet-Testerin Ludmilla überhaupt nicht und warnt Harry vor einem großen Fehler. Die Curry-Soße von Erna hätten sich bei ihr nämlich tief in die Geschmacksknospen eingebrannt und Ernas Küche sei ein absoluter „Geheimtipp“ für den Petit-Buget-Bereich der Leser ihres Gourmet-Blattes Feinschmecker.

Corina Blum meistert die Doppelrolle als Dany an der Seite von Harry prächtig locker, brilliert als Testerin Ludmilla köstlich. Und wäre alles nicht schon turbulent genug, ist da noch der Auftritt von Martin Leingartner als Bürgermeister Bernhard Buntagger und seiner Angetrauten Annabell – Anlass für einen weiteren Heiterkeitsausbruch für alle im Saal. Denn das Paar hat es nicht allein in Ernas Lokal gezogen, weil „Ehrliche Küche doch am längsten währt“. Nein, Annabell, die Steffi Böhr bei ihrem Premiere als Baggewatscher-Akteurin überzeugend ins rechte Licht zu rücken weiß, macht zugleich überzeugende Werbung für ihre besondere Kleiderkollektion. Da sprengen sich die speziellen Büstenhalter von selbst weg und die Zuschauer toben einmal mehr.

Ende gut, alles gut. Erna kann ihre Kneipe retten. Als „Schnapsdrossel“ weiß Mareike Klos dem Geschehen den Stempel aufzudrücken. Sascha Blum hat einmal mehr eine Paraderolle in welcher dieser mimisch restlos überzeugen kann. Im Outfit des benachbarten Sternekochs mischt Andreas Blum mit. Damit auch keiner textlich von der Spur kam war Britta Konert zur Stelle. Kommenden Samstag am 16. November wird um 20 Uhr das großartige Bühnenspektakel der Baggewatscher wiederholt.