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Vom Kleinschnittger zum Mercedes-Oldtimer

Vom Kleinschnittger zum Mercedes-Oldtimer

Für die Einen ist ein Auto nur ein Fortbewegungsmittel. Für Eberhard Kuhn ist sein Oldtimer eine Leidenschaft. 1995 hat er sich das Mercedes-Cabrio 220 A, Baujahr 1953, gekauft. "Ich hatte immer den Wunsch, genau diesen Typ zu besitzen", erzählt der 72-Jährige, "die Form hat mir so gut gefallen." Vier Jahre lang hat er nach diesem Modell gesucht

Für die Einen ist ein Auto nur ein Fortbewegungsmittel. Für Eberhard Kuhn ist sein Oldtimer eine Leidenschaft. 1995 hat er sich das Mercedes-Cabrio 220 A, Baujahr 1953, gekauft. "Ich hatte immer den Wunsch, genau diesen Typ zu besitzen", erzählt der 72-Jährige, "die Form hat mir so gut gefallen." Vier Jahre lang hat er nach diesem Modell gesucht. "Insgesamt 1100 Stück wurden davon gebaut, weltweit sind noch 60 gemeldet." Kuhn habe sich in Deutschland einige Modelle angesehen. "Aber sie sind hier bei uns sehr teuer und dennoch ziemlich runtergekommen und verrostet." Wenn der Wagen gut erhalten ist, bezahle man hierzulande zwischen 100 000 und 120 000 Euro.Nach vier langen Jahren der Suche wurde er dann endlich fündig: in Miami. "Ich hatte den Wagen gefunden, bin nach Amerika gefahren, um ihn mir anzusehen und habe ihn sofort gekauft", sagt Kuhn. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Auch solch ein Wagen hat seine eigene Geschichte. 20 Jahre war das Auto in Deutschland angemeldet, bevor es den Besitzer wechselte, um die nächsten zehn Jahre über die Straßen Englands zu fahren. Danach führte es den Oldtimer in die USA. "Hier blieb er dann 15 Jahre lang, bis ich ihn gekauft habe", sagt er mit stolzem Lächeln. In Amerika war der Mercedes scheinbar nie angemeldet. "Erst als ich den Wagen ausführen wollte und es Schwierigkeiten gab, weil er noch immer das englische Kennzeichen trug, fiel es mir auf", erklärt Kuhn, "glücklicherweise hat mit der Ausführung dann doch alles geklappt." Kuhn nimmt Fotos aus einem dicken Ordner, den er über die Suche und den Kauf seines Traumwagens angelegt hat. Der Transport auf amerikanischer sowie deutscher Seite ist auf den Bildern zu sehen. Mit dem Schiff gelangte das Cabriolet von Miami nach Wilhelmshaven, um nach einer 25-jährigen Reise wieder nach Deutschland zurückzukehren. Zu einem neuen stolzen Besitzer. "Danach habe ich das Auto noch eineinhalb Jahre restauriert." Holzverkleidungen wurden ausgetauscht, die Elektrik erneuert. Fast jedes Wochenende habe er an dem Wagen gewerkelt. Ersatzteile zu finden sei nicht schwer. Allerdings gebe es nur wenige Firmen, die diese horten und entsprechend teuer verkaufen. Aber da das Schmuckstück technisch noch relativ einfach und ohne Elektronik ist, gehe nur wenig kaputt.

Glänzend, mit formvollendeten Rundungen von der Kühlerhaube bis zum Heck und mit eleganten Accessoires von den Felgen bis zu den Ledersitzen, so steht der Oldtimer nun in der Garage. "Als ich mit restaurieren fertig war, ging der Wagen zum Tüv zu einer Grunduntersuchung. Seitdem fahre ich ihn", erzählt Kuhn. Allerdings nicht bei jedem Wetter. Kuhn: "Das Auto hat hier noch keinen Regen gesehen. Aber sobald das Wetter schön ist, kommt es raus. Im Jahr fahren wir damit etwa 500 Kilometer." Auch die Hunde dürfen da, ausgestattet mit Fliegerbrille, schon mal mit. "Das macht riesigen Spaß."

Ansonsten ist Kuhn mit einem kleineren Mercedes unterwegs. Geht er seinem Hobby, der Jagd nach, so kommt der Suzuki mit Allradantrieb zum Einsatz. In Käshofen, wo Kuhn mittlerweile lebt, hat er Jagdgebiet gepachtet. Im Jahr 2000 hat er sich in dem Ort ein Bauernhaus gekauft. "Das habe ich umgebaut. Anfänglich war es vor allem als Sommerhaus gedacht. Mittlerweile habe ich mein Haus in Einöd vermietet und lebe ganz hier." Mitten im Grünen, von Feldern umgeben. Ein geeigneter Ausgangspunkt, um bei schönem Wetter das geliebte Schmuckstück aus der Garage zu nehmen, das Verdeck hinunterzuklappen und sich bei einer Fahrt in dem Oldtimer die Luft um die Ohren wehen zu lassen. Auf die Frage nach seinem ersten Auto beginnt der 72-Jährige zu lachen. "Es war ein Kleinschnittger, den ich als Student gefahren bin. Das ist ein Zweisitzer, der sieben PS hatte und keinen Rückwärtsgang", erinnert sich Eberhard Kuhn. Den brauchte der Kleinwagen auch nicht, denn er war so leicht, dass er zum Wenden einfach angehoben werden konnte. Auch damals schon hatte Kuhn also ein Faible für besondere Autos. Knapp 3000 Modelle des Kleinschnittgers wurden gefertigt. "Danach habe ich mich dann aber immer für einen Mercedes entschieden." Der außergewöhnlichste ist dabei sicher sein Cabriolet 220A und den gibt der 72-Jährige auch nicht wieder her.

Zur Person

 Als erstes Auto fuhr Eberhard Kuhn 1960 einen solchen Kleinschnittger mit sieben PS.
Als erstes Auto fuhr Eberhard Kuhn 1960 einen solchen Kleinschnittger mit sieben PS.
 Das Mercedes-Cabriolet 220 A, Baujahr 1953, ist der ganze Stolz von Ex-Demag-Chef Eberhard Kuhn.Foto: Jörg Jacobi
Das Mercedes-Cabriolet 220 A, Baujahr 1953, ist der ganze Stolz von Ex-Demag-Chef Eberhard Kuhn.Foto: Jörg Jacobi

Eberhard Kuhn wurde 1938 in Stuttgart geboren. Dort hat er auch studiert und mit dem Titel Diplom-Ingenieur abgeschlossen. Im Jahr 1965 stieg er bei Demag in Düsseldorf ein. 1970 kam er zum ersten Mal für die Dauer von drei Jahren an den Demag-Standort nach Zweibrücken. "Von 1973 bis 1980 ging ich zurück nach Düsseldorf, bevor ich wieder hier landete", sagt Kuhn. Neben dem Werk in Zweibrücken hatte er damals auch noch zwei Werke in Düsseldorf zu betreuen. In der Rosenstadt sorgte er als Geschäftsführer dafür, dass der Standort zum Schwerpunkt für Kräne umfunktioniert wurde. Der Komplex in der Dinglerstraße wurde erweitert, 1991 wurde dann auch das Werk Wallerscheid gebaut. Im Jahr 2002 wurde Eberhard Kuhn im Alter von 64 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Die Bezeichnung trifft bei dem heute 72-Jährigen jedoch nicht ganz zu. Denn Ruhe kennt der ehemalige Demag-Chef nicht. Noch immer sitzt er im Aufsichtsrat der Mannesmann Dematic AG in Wetter an der Ruhr. Zudem ist er Vorsitzender des Fachhochschulrates Kaiserslautern. Aber damit nicht genug. "Auf dem Steitzhof wird eine neue Fabrik gebaut. Die Neuansiedlung betreue ich als Berater", erzählt der 72-Jährige. ski