Viele Klagen, wenig Zusammenhalt

Als abgehängt betrachten die Zweibrücker Unternehmer ihre Region. Das hat Jürgen Prams, Beauftragter des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, festgestellt. Auch über mangelnde Unterstützung der Stadt gebe es Klagen.

Einen größeren Zusammenhalt in der Region wünscht sich Jürgen Prams vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW). Der Beauftragte des Verbandes für Zweibrücken beobachtet, dass hierzulande zu viele ihr "eigenes Süppchen kochen". Als Beispiel nennt er im Merkur-Redaktionsgespräch den Streit um die zusätzlichen verkaufsoffenen Sonntage der Zweibrücker Style Outlets, über die sich vor allem Pirmasenser Händler beschweren. Auch die Politik schließt Prams in seine Kritik mit ein. Dort gehe es zu oft darum, eigene Pfründe zu verteidigen, sagt er etwa mit Blick auf die gescheiterten Verhandlungen über eine Kooperation der Flughäfen Zweibrücken und Ensheim oder die Hängepartie bei der Reaktivierung der Bahnstrecke von Homburg nach Zweibrücken . Vor diesem Hintergrund wäre der Saarländer Prams "sehr dafür", dass die Landesgrenze ganz verschwindet und beide Bundesländer fusionieren.

Der BMVW versteht sich selbst als politische Interessenvertretung des deutschen Mittelstandes auf allen Ebenen. Zugleich bietet der Verband eine Reihe von Informationsveranstaltungen und weitere Treffen an. "Dort gibt es gute Möglichkeiten zur Vernetzung", sagt Prams. Ein großer Pluspunkt seines Verbandes sei dabei, dass er branchenübergreifend sei. Bundesweit spricht der BMVW nach eigenen Angaben für 270 000 Unternehmen mit rund 9 Millionen Beschäftigten. Allerdings gebe es laut Prams im Bundesgebiet weiße Flecken - so auch in Zweibrücken , wo gerade einmal zwölf Unternehmen dem Verband angehören. Da ist noch Luft nach oben, meint Prams und arbeitet derzeit fleißig an der Gewinnung neuer Mitglieder. Weitere Argumente für einen Beitritt seien auch konkrete Hilfestellungen, etwa bei der Suche nach Geschäftspartnern oder Fachkräften.

Letzteres ist gerade in der Region ein großes Problem, sagt Prams: "Es ist schwierig, Fachkräfte in der Region zu halten, weil sie vordergründig keine große Attraktivität bietet." Dabei sei das gar nicht wahr. Gerade was die Autobahnanbindung angeht, sei etwa die Infrastruktur sehr gut. Dennoch höre er in Gesprächen mit Zweibrücker Unternehmern oft, dass man sich abgehängt und nicht wahrgenommen fühle. Das sei aus Sicht von Prams übertrieben. Wobei auch er noch Verbesserungsbedarf sieht: So mache sich sein Verband etwa für den vierspurigen Ausbau der B10 stark - um da bessere Erfolgsaussichten zu haben, bräuchte der BMVW laut Prams aber mehr Mitglieder in der Region.

Ein weiteres Problem, über das Zweibrücker Unternehmer oft klagen, sei die mangelhafte Unterstützung der Stadt. "Das ist zumindest das, was ich höre", sagt Prams. Um die Zusammenarbeit stetig zu verbessern, sei der Verband im engen Kontakt mit der städtischen Wirtschaftsförderung und auch den Parteien vor Ort.

bvmw.de

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Zur PersonJürgen Prams (67) stammt aus Neunkirchen und ist seit knapp einem Jahr auf Honorarbasis als Beauftragter des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft für Zweibrücken zuständig. Der gelernte Industriekaufmann arbeitete 39 Jahre lang bei Bosch in Homburg, bevor er 2012 in den Ruhestand ging. Anschließend machte er sich selbstständig und gründete eine Unternehmensberatung, die Firmen vor allem im Bereich Einkauf berät. Prams hat zwei Kinder und drei Enkelkinder. gda