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Viehbauern aus Battweiler, Winterbach und Schmitshausen zur Zeitumstellung

Sommerzeit im Zweibrücker Land : Zeitumstellung im Kuhstall

Bauern im Zweibrücker Land sind sich einig: Für Milchkühe ist die Zeitumstellung kontra­produktiv. Ansonsten scheiden sich die Geister.

Jetzt ist es wieder soweit: Seit Sonntag ist Sommerzeit angesagt. Bis zum Oktober hin hat sie wieder europaweit Gültigkeit, fehlt uns allen eine Stunde weniger Schlaf. In der Nacht zum Sonntag, zwischen zwei und drei Uhr, wurden die Zeitmesser um besagte Stunde vorgestellt. Für die Bauern hierzulande heißt das, eine Stunde früher in den Stall. Sinnvoll?

In Zeiten der Corona-Krise nicht so heftig diskutiert und bei jeder Nachrichtensendung neu aufbereitet, dennoch, gerade für die Landwirte hieß es einmal mehr mit der Zeitumstellung in Einklang zu kommen. Soweit funkgesteuert, schnellten die Zeiger in Sekundenbruchteilen einfach um, war es eine Stunde später. Für viele Menschen, obwohl seit Jahren praktiziert, weiterhin nicht gerade einfach. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier heißt es zwar in einem alten Spruch, doch wie verhalten sich die Tiere? Sie haben gleichfalls Anpassungsprobleme, wie die Landwirte aus unserer Region berichten.

Bauer Steffen Sewohl in Battweiler hält von der Zeitumstellung überhaupt nichts und würde es begrüßen, könnten sich die Regierenden wieder darauf einigen, diesen „Umstellungsfubbes“ zu unterlassen. Von der ursprünglichen Absicht, Energiekosten einzusparen, ist nach Sewohls Einschätzung ohnehin nichts spürbar – und für seine Milchkühe im Stall auch nicht gerade förderlich. „Die Tiere haben eine innere Uhr, die lässt sich nicht per Knopfdruck einfach vor- oder zurückstellen. Das braucht zweimal im Jahr drei vier Tage, was aber bringt mir das unterm Strich? In Sewohls Stall stehen rund 35 Milchkühe. Nicht die auf der Sickingerhöhe verbreiteten Schwarzbunten, sondern wie das in Battweiler, Reifenberg und auch im Schwarzbachtal früher verbreitet war, das Fleckvieh. Diese Rasse, so weiß Sewohl zu berichten, wurde vor vielen Jahren in einer schlechten Zeit mit dem Lehrer Loschky aus Bayern in die Westpfalz geholt. „Unsere Milchkühe haben nicht ganz den Milchertrag wie die Schwarzbunten, aber beim Umgang mit den Tieren hat auch die Liebe zum Tier einen Stellenwert. Deshalb sind wir beim Fleckvieh, wie diese Rasse heißt, geblieben.“ Nicht erst sei Sonntag verlegt Steffen Sehwohl zusammen mit Vater Wilfried die Melk- und Futterzeit immer um eine Viertelstunde vor, damit möglichst schnell ein Gleichstand mit der Normalzeit erreicht wird. „Wichtig ist ja das Melken. Das mit dem Füttern würde noch zu steuern sein, aber wenn die Kuh genügend Milch im Euter hat, dann will das Tier gemolken werden,“ erläutert Sewohl die Umstellung.

Bei Jörg Klein in Winterbach ist es ähnlich. Dort steht aber die doppelte Zahl an Milchkühen im modernen Laufstall, gibt es als „Wohlfühleinrichtung“ für die Tiere eine automatische Bürstanlage, die von den Kühen oft genutzt wird. Dass am Sonntag in den frühen Morgenstunden das Milchauto sozusagen eine Stunde früher kam, sei weiter nicht von Belang gewesen: Wie viele seiner Berufskollegen hat auch Jörg zusammen mit seiner Familie, die allein im Betrieb eingespannt sind, auf die Zeitumstellung hingearbeitet. In ein bis zwei Wochen, so Jörg Klein, habe sich die Sache wieder eingependelt. Die Zeitumstellung als Energieeinsparung ist für ihn kein Thema: „Wir alle haben abends in der Sommerzeit vielleicht mehr von der Freizeit, aber sonst nichts!“ Klein berichtet: „Rücksicht auf die Tiergefühle können wir ja nur bedingt nehmen, deshalb arbeiten wir auf den Tag der Zeitumstellung auch bewusst hin. Der Fahrer des Milchautos fährt nach der Sommerzeit, da wird halt keine Rücksicht auf Tiergefühle genommen, das müssen wir im Betrieb schon machen.“ Ansonsten ist aber Jörg Klein jemand, der die Sommerzeit aus dem Blickwinkel begrüßt, dass in den Abendstunden mehr von der Tageshelle verbleibt. „Dann kann ich abends auf dem Hof oder gar im Feld noch etwas tun. Und wer nicht in der Landwirtschaft aktiv ist, der hat mehr Freizeit. Ist doch das, was unsere Freizeitgesellschaft will, oder?

Für den Milchkuhhalter im großen Stil Klaus Lenhard in Schmitshausen spielt die Zeitumstellung überhaupt keine Rolle, denn seine 85 schwarzbunten Milchkühe im supermodernen Kuhstall am Rande des Rosendorfs auf der Sickingerhöhe werden von einem Roboter rund um die Uhr gemolken. Ganz nach den Bedürfnissen jeden einzelnen Milchkuh, die sich im Stall bewegt. „Da ist die Uhrzeit gleich, wenn eine Kuh verspürt gemolken zu werden, dann geht sie in den Melkstand und das war’s. Bis morgens zwischen drei und vier Uhr das Milchauto kommt, ist jede Milchkuh an der Reihe gewesen.“