1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken-Land

Verein Waldritter-Südwest kümmert sich um Senioren

Verein Waldritter-Südwest : Waldritter verschenken Zeit an Einsame

Seit dem Frühjahr unterstützen die Waldritter-Südwest als freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe Hilfebedürftige mit Einkaufshilfe, technischem Notdienst oder bei der Notbetreuung. Jetzt, in der Advents- und Weihnachtszeit, wollen die jungen Menschen einsamen Senioren ihre Zeit schenken. Um beide zusammenzubringen, ist oft Mithilfe von außen gefordert.

„Gerade jetzt wollen wir einfach für die Menschen da sein“, erklärt Dieter Simon. Er ist der pädagogische Leiter der Waldritter-Südwest mit Stammsitz in Contwig-Stambach. Die Waldritter sind ein anerkannter freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe. Bereits seit dem ersten Lockdown im Frühjahr bieten die Waldritter einen Einkaufsservice oder einen technischen Notdienst für Hilfebedürftige an.

So bat eine Dame aus Berlin über das Corona-Hilfe-Telefon um Unterstützung für ihre 82-jährige Tante in Zweibrücken. Diese wohne im ersten Stock eines Mietshauses und der Paketdienst weigere sich, den neu bestellten und dringend benötigten Fernsehsessel weiter als bis an die Straßenkante zu bringen. „Den neuen Sessel in die Wohnung zu tragen, aufzustellen und den alten, verschlissenen Sessel einzupacken und am Wertstoffhof abzugeben war eigentlich die kleinere Sache“, berichtet Daniel Simon. Viel wichtiger sei oft das Gespräch.

Dies sei nur eine von vielen Geschichten, die die Helferteams der Waldritter aus der Arbeit dieses Jahres zu berichten haben. Einkaufen, technische Hilfeleistungen, Masken nähen, Notbetreuung in den Ferien, Unterstützung bei der Erstellung und Umsetzung von Hygienekonzepten – dies alles werde ermöglicht durch eine Förderung der Aktion Mensch, die sowohl Personalkosten als auch die Kosten für die Ausstattung übernimmt.

Jüngst wurde die Ausstattung noch einmal durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft um dringend benötigte Materialien aufgestockt. Bei der Arbeit kommen die meist jungen Helfer viel mit sozial schwachen und insbesondere älteren Menschen zusammen. Dabei durften sie feststellen, dass es oft nicht nur an der angebotenen Versorgung mangelt, sondern an sozialen Kontakten. Deshalb werde bei der Einsatz-Planung regelmäßig eine Gesprächszeit mit einkalkuliert.

Der pädagogische Leiter weiß: „Gerade jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit empfinden viele Menschen ihre Einsamkeit besonders stark. Zeit für Menschen und ein Gespräch zu haben scheint besonders wichtig, da auf Grund der Situation die Aussichten für einen Besuch der oft weit entfernt lebenden Familie eher schlecht sind und viele Menschen die besinnlichen Tage alleine verbringen müssen.“

Um dem gerade in der Vorweihnachtszeit entgegenzuwirken, wollen die jungen Leute sich nun über die bisherigen Unterstützungs-Angebote hinaus einfach Zeit für diese älteren und einsamen Menschen nehmen. „Eine Stunde zuhören, ein Gesellschaftsspiel spielen, vielleicht eine Weihnachtsgeschichte vorlesen oder, wenn möglich, zusammen ein paar Schritte im Freien spazieren gehen. Wir sind höchst flexibel, eventuell sogar mit Hund“, zählt Dieter Simon an Möglichkeiten auf.

Ihn freuen die große Bereitschaft und regelrechte Begeisterung gerade unter den 18- bis 23-Jährigen für dieses Projekt. Insgesamt gehören dem Verein rund 30 Mitglieder an, die von Ehrenamtlichen zwischen 14 Jahren und dem Seniorenalter generell, lokal oder auch projektbezogen unterstützt werden. Dieter Simon betont: „Wer Lust hat, mitzuwirken, ist herzlich willkommen.“

Er hat festgestellt, dass in dieser Zeit auch die jungen Menschen nach Sozialkontakten regelrecht hungern. „Auch sie sitzen vielfach allein zu Hause“, sieht der pädagogische Leiter des Jugendverbands die Win-Win-Situation, wenn Jugendliche mit eingespannt werden und lernen, positiv und sinnvoll mit der Situation umzugehen.

Paulina Asel (19) hat ohnehin vor, später im Pflegebereich mit Senioren zu arbeiten. Diese empfindet sie häufig offener und mit sehr viel Lust auf Kontakt mit anderen. „Sie erzählen gerne aus ihrem Leben und freuen sich, wenn jemand ihnen zuhört“, profitiert sie selbst von der Lebenserfahrung der Alten.

Eine Herausforderung für den Verein ist es, die Einsamen und die Jungen zusammenzubringen. In Zweibrücken stelle oft die Gewobau den Kontakt her, zumindest bei praktischen Hilfeleistungen. Deshalb bitten die Waldritter die Nachbarschaft und das Umfeld um Unterstützung: „Kennen sie einen solchen Menschen? Bitte, geben sie unsere Telefonnummer an diesen weiter und ermutigen oder unterstützen sie ihn sogar darin, sich auch wirklich bei uns zu melden.“

Das Team der Waldritter würde sich freuen, mit ein wenig Zeit und einem offenen Ohr helfen zu dürfen.

Waldritter-Südwest e.V., Contwig-Stambach, Termine können täglich von 8 bis 10 Uhr vereinbart werden, Tel. (01 63) 177 39 95 oder per E-Mail an coronahilfe@waldritter.de.

www.waldritter.suedwest.de