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Über 100 Rinder in Riedelberg beschlagnahmt

Über 100 Rinder in Riedelberg beschlagnahmt

Einem Riedelberger Halter und Züchter von Limousin-Rindern wurde jetzt zwangsweise die gesamte Herde weggenommen. Der Grund: mehrfache Verstöße gegen das Tierschutzgesetz.

Doppelstöckige Viehtransporter fuhren letzte Woche beim Tretmiststall des Riedelberger Ehepaares S. vor: Unter Polizeiaufsicht, flankiert von Beamten der Ordnungsbehörde und Amtstierärztinnen wurden rund 100 Kälber, Rinder und Bullen verladen und abtransportiert. Es war die letzte Aktion in einer mehrjährigen, rechtlichen Auseinandersetzung zwischen der Veterinär-Abteilung der Kreisverwaltung Südwestpfalz und einem Ehepaar, das für eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GdbR) handelt.

Von Existenzvernichtung sprechen die Betroffenen, denen der große Stall am Rande ihres Heimatdorfes samt dem Vieh auf der Weide weggenommen wurde. Laut Kreis-Sprecherin Ulla Eder war der Abtransport der einzige Weg, um den Tieren weitere Qualen zu ersparen. Schließlich sei die Maßnahme nicht plötzlich gekommen, sondern durch tierschutzrechtliche Anordnungen allen Verfahrensbeteiligten vorschriftsgemäß mitgeteilt worden. Zuletzt mit einer tierschutzrechtlichen Anordnung vom 15. Januar.

Darin wurde dem Riedelberger Landwirt wie den übrigen GdbR-Mitgliedern das Halten und Betreuen von Rindern unbefristet untersagt. Weiter hat die Behörde im Hinblick auf die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz den Sofortvollzug angeordnet. "Dieser musste aufgrund der Umstände, die wir in Stall und auf der Weide bei den Tieren vorfanden, angeordnet werden. Das haben auch Verwaltungs- und Oberverwaltungsgericht im Eilverfahren bestätigt. Erst danach konnten wir überhaupt die gesamte Herde verkaufen. Die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse sind bei derartigen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz nicht entscheidend. Das Leid der Tiere hatte Vorrang."

Tierschützer hatten den Stein ins Rollen gebracht. Seit 2013 wird in der Sache umfangreich korrespondiert, geblieben sind laut Kreisverwaltung die massiven Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Auch mit vielen Bildern lasse sich der gesamte Verlauf dieser Geschichte belegen, so die Verwaltungsbehörde.

Mit der Wahrung seiner Interessen hat das Züchterehepaar einen Rechtsanwalt beauftragt. Die Verfahren vor dem Kreisrechtsausschuss und vielleicht sogar vor den Verwaltungsgerichten stehen noch aus. Die Betroffenen, die nach eigenen Angaben 120 Hektar Land bewirtschaften, sprechen von einem Riesenscherbenhaufen und Rufmord. Futtervorräte sind noch ausreichend vorhanden und in den Silos eingelagert. Die anfangs monierte Überbelegung der Futterplätze im speziellen Tretmiststall sei wie angeordnet reduziert worden. Doch das alles hätte die Verantwortlichen überhaupt nicht interessiert, so das Riedelberger Ehepaar, das sich auch im Dorf von Anfeindungen ausgesetzt sieht.