Traumpferde und TraumpreiseGestüt schreibt schwarze Zahlen, aber Euphorie kommt nicht auf

Zweibrücken. Tophengste, Traumfohlen und erfolgreiche Zuchtgeschichte - die Akzente, die der Goldene Zweibrücker Herbst als Jahreshöhepunkt der Pferdezucht in Rheinland-Pfalz-Saar am Samstag setzte, waren eindrucksvoll

 "Höfischen Glanz des 18. Jahrhunderts" demonstrierten diese Reiterinnen. Fotos: Jörg Jacobi

"Höfischen Glanz des 18. Jahrhunderts" demonstrierten diese Reiterinnen. Fotos: Jörg Jacobi

Zweibrücken. Tophengste, Traumfohlen und erfolgreiche Zuchtgeschichte - die Akzente, die der Goldene Zweibrücker Herbst als Jahreshöhepunkt der Pferdezucht in Rheinland-Pfalz-Saar am Samstag setzte, waren eindrucksvoll. Der Zweibrücker Sieger der Körung - aus dem "ausgezeichneten Körlot" (Zuchtleiter Hans-Willy Kusserow) - aus der Zucht von Michael Deppe in Plaidt wurde noch am selben Abend als Botschafter der Zweibrücker Pferdezucht nach Norddeutschland verkauft, ins Gestüt Sprehe bei Oldenburg. Dorthin ging bei der Fohlenauktion auch das zweitteuerste Fohlen, Skywalker von Landbeschäler Stockholm, den sich die Oldenburger 13 000 Euro kosten ließen. Ein Drittel mehr, nämlich sage und schreibe 19 000 Euro, investierte der westfälische Zuchtstall Rüter in Sammy Davis, einen Nachkommen des süddeutschen Körungssiegers Sir Schiwago, ebenfalls vom Landgestüt Zweibrücken."Verrückt, aber ich wollte ihn unbedingt haben!", lachte Johannes Rüter. In Hannover und Holstein habe er Spitzenfohlen für fünf- bis siebentausend Euro erworben, doch dieser Schiwago-Sohn habe eine ganz besondere Ausstrahlung. Rüter hofft, mit ihm und den Fohlen, die Exbundestrainer Kurt Gravemeier bei der Auktion erworben habe, in zwei Jahren zurück zu kehren, damit sie zur Zucht zugelassen werden. Er lobte: "Der Körplatz Zweibrücken entwickelt sich sehr gut, erwacht langsam aus seinem Dornröschenschlaf."

Zuchtleiter Hans-Willy Kusserow konnte es kaum fassen: "Eine Spitzenauktion - völlig entgegen dem Trend. Das zeigt, dass wir den Zeitgeist genau treffen", freute er sich. Den Beweis erbrachte der glanzvolle Gala-Abend mit dreieinhalb Stunden Pferdepräsentation in der gut besetzten Reithalle. Die Zweibrücker Springpferdechampions des Landgestüts, Prämienhengst Damarco sowie Qui Lago, Fünftplatzierter beim Bundeschampionat, imponierten über höchsten Abmessungen. Sir Schiwago, aufgestellt auf der Hengststation Fritz Ligges in Westfalen, erhielt stehende Ovationen. Mit Damon Gerome präsentierte Uta Gräf aus Kirchheimbolanden den Viertplatzierten bei der WM der jungen Dressurpferde und zum Abschluss nochmals ihr Erfolgspferd "Le Noir", mit dem sie in nur zwei Jahren 38 Erfolge in schweren Dressurprüfungen auf internationalem Parkett erzielt hat. "Wir wollen Dich in London bei Olympia sehen", rief Schalter ihr unter großem Applaus zu.

Zweibrücken. Das Landgestüt schreibt schwarze Zahlen. Dieses überraschende Ergebnis für das Jahr 2009 verkündete Landgestüts-Geschäftsführer Heinz Merck am Rande des Gala-Abends "Goldener Herbst". "Zwar ist es mehr eine schwarze Null, aber niemand hätte erwartet, dass wir das bereits im zweiten Geschäftsjahr erreichen", frohlockt Oberbürgermeister Helmut Reichling. Der Verdienst gebühre vor allem Gestütsleiter Alexander Kölsch, Besamungsleiterin Therese Willmen sowie Chefbereiter Hans-Günter Klein und ihrem Team, darin sind sich Merck und Reichling einig. "Bislang haben wir uns auf den Bereich Zucht konzentriert. Jetzt stehen bedeutende Investitionen in die Bereiche Sport und Tourismus an", zeichnet Merck einen steinigen Weg weiter. Die Körhengste beispielsweise hätten wegen des schlechten Hallenbodens am Freitag nicht frei laufen gelassen werden können. "Ein Unding, da muss schnellstens etwas passieren", fordert der stellvertretende Vorsitzende des Pferdezuchtverbands Rheinland-Pfalz-Saar (PRPS) und Vorsitzende des Pfälzischen Pferdezuchtverbands. Nicht zuletzt dafür hofft das Gestüt weiterhin auf die Unterstützung des Landes. Auch Reichling warnt vor vorschneller Euphorie: Natürlich sei das Ergebnis ein toller Erfolg, doch erst in der Kontinuität zeige sich, wie das kleinste der zehn bundesdeutschen Landgestüte über den Berg komme. cvw