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Tierschützer entsetzt über Giftköder

Tierschützer entsetzt über Giftköder

Nach dem Fund von ausgelegten Giftködern in Contwig zeigt sich auch die Tierrechtsorganisation Peta entsetzt. Der Täter müsse schnellstmöglich gefasst werden. Dafür hat Peta sogar eine Belohnung ausgesetzt.

Die Tierrechtsorganisation Peta zeigt sich entsetzt über mehrere Fälle von ausgelegten Giftködern in Contwig. Nachdem ein 52 Jahre alter Mann aus Contwig der Polizei gemeldet hatte, dass ein unbekannter Täter auf seinem Privatgrundstück die Köder ausgelegt habe (wir berichteten gestern) meldete sich gestern Peta per Pressemitteilung zu Wort. Peta, nach eigenen Angaben auf der Internetseite "Deutschlands größte Tierrechtsorganisation" setzt eine Belohnung von 500 Euro aus, die zu Hinweisen auf den Täter führt.

"Der Täter muss schnellstmöglich gefasst werden, damit Vierbeiner in Contwig wieder sorglos im Garten laufen und spazieren geführt werden können", erklärt Peta-Sprecherin Judith Pein in der Pressemitteilung. "Neben der Gefährdung für Hunde und Katzen stellen Giftköder auch eine Gefahr für Kinder und frei lebende Tiere dar. Tierhalter sollten jetzt besonders auf ihre vierbeinigen Freunde achten und im Falle eines Verdachts auf Verzehr von präparierten Ködern umgehend einen Tierarzt aufsuchen."

Peta: In jedem Fall anzeigen!

Zeugen, die verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben, haben ebenso die Möglichkeit, sich bei Peta unter Telefon (0 15 20) 7 37 33 41 oder per E-Mail zu melden - auch anonym, erklärt Peta. Die Tierrechtsorganisation weist darauf hin, dass Tierhalter, deren Vierbeiner Opfer von Giftködern wurden, in jedem Fall Anzeige bei der Polizei erstatten sollten.

Laut Mitteilung der Polizei hatte ein 52-jähriger Mann aus Contwig die Polizei am Freitagabend darüber informiert, dass auf seinem Privatgrundstück im Bereich der Leipziger Straße drei golfballgroße Hackfleischkugeln, offensichtlich mit Haferflocken und Rattengift bestreut, ausgelegt wurden. Die Polizei erhielt zwei weitere solcher Meldungen aus den Bereichen Leipziger Straße und Danziger Straße. Die Polizei bittet unter Telefon (0 63 32) 97 60 um Zeugenhinweise.

Peta gab gestern Tipps für "Erste-Hilfe-Maßnahmen" in der Pressemitteilung: "Besteht der Verdacht, dass ein Tier einen mit Gift oder gefährlichen Gegenständen gespickten Köder gegessen hat, muss umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden. Es besteht Lebensgefahr - das Tier kann an inneren Verletzungen qualvoll sterben. Bei Vergiftungserscheinungen wie Erbrechen , Durchfall, starker Unruhe oder Apathie, einer gelblichen Verfärbung der Schleimhäute, blassem Zahnfleisch, großen Pupillen, Atembeschwerden oder Krämpfen muss ebenfalls umgehend der Tierarzt aufgesucht werden - denn Gift wirkt schnell. Der Hund sollte beruhigt und angeleint werden. Ein Maulkorb oder eine Maulschlinge darf nicht angelegt werden, da Erstickungsgefahr bei Erbrechen droht. Ist das Tier bereits bewusstlos, sollte es in die stabile Seitenlage gebracht und die Atemwege freigehalten werden. Für eine schnelle Diagnose ist es sinnvoll, eine Probe des Köders oder des Erbrochenen mit zum Tierarzt zu nehmen."

Meldesystem gefordert

Grundsätzlich fordert Peta die Einführung eines zentralen Meldesystems für Anschläge dieser Art. Durch eine Registrierung könnte die Bevölkerung frühzeitig über Köderwarnungen und Gefahrenschwerpunkte informiert werden, um Kinder und Tiere somit besser schützen zu können. Zugleich würde durch eine konsequente Dokumentation der Fälle deutlich, wie häufig Tiere Opfer von Delikten werden. "Berlin geht mit gutem Beispiel voran. In der Hauptstadt wurde aktuell der erste amtliche Giftköderatlas eingeführt. Auf einer Website können Betroffene Giftköderfunde eintragen und sich über aktuelle Funde informieren. Um der Verbreitung von Gerüchten entgegen zu wirken, muss der Köder und allerdings zuvor bei der Polizei gemeldet worden sein. Außerdem ist ein Attest eines Tierarztes sowie, wenn möglich, ein Foto des Köders hochzuladen", so Peta.

Fälle von Tierquälerei würden täglich in Deutschland aufgedeckt. Psychologen, Gesetzgeber und Gerichte seien sich mittlerweile einig, dass Gewalttaten an Tieren vermehrt Aufmerksamkeit verlangten. Tierquälerei sei eine Straftat nach Paragraph 17 des Tierschutzgesetzes und könne mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden. eck/red

Polizei : Fälle häufen sich nicht

Die Polizeiinspektion in Zweibrücken erklärte gestern auf Anfrage, dass ihrer Erkenntnis nach sich die Fälle von Giftködern in ihrem Zuständigkeitsbereich nicht mehren. Es komme immer wieder einmal zu einem solchen Vorfall, aber eine Häufung sei nicht zu beobachten.