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Tierauffangstation Tierart in Maßweiler

Tierauffangstation Tierart in Maßweiler baut ein Pumagehege : Ein neues Zuhause für Tikam

Kurz vor Weihnachten 2018 kam der Puma Tikam in die Tierauffangstation Tierart nach Maßweiler. Aktuell entsteht sein artgerechtes, neues Zuhause.

„Hier liegen 100 Tonnen Sandstein“, erklärt Eva Lindenschmidt, Pressesprecherin und stellvertretende Leiterin der Tierauffangstation Tierart. Inmitten des 800 Quadratmeter großen, bis sieben Meter hohen Hallengerüsts, aus dem in den nächsten Wochen ein Pumagehege in der Tierauffangstation in Maßweiler entstehen soll, wirken die rötlichen Gesteinsbrocken fast winzig. Dennoch werden sie, ist das Gehege erst fertiggestellt mit Behausung, Unterschlupf-, Rückzugs- und Klettermöglichkeiten, eine amerikanische Grand-Canion-Landschaft darstellen.

Der Puma kommt in Amerika vom nördlichen Kanada bis in die tiefste Südspitze von Brasilien vor. Die Biologin geht davon aus, dass es sich bei dem knapp zweijährigen Tikam um eine Mischung handelt, wie bei den meisten Zuchtpumas. Gerne erzählt sie die abenteuerliche Geschichte, wie Tikam kurz vor Weihnachten 2018 nach Maßweiler zu Tierart kam.

An einem Freitag, ganz kurz vor Feierabend, rief ein Mann aus Baden-Württemberg an. Er habe ein Puma-Baby in Tschechien für einen Freund gekauft, doch dieser wolle das Wildtier nun nicht mehr. Da er nach seinen Spaziergängen mit der auffälligen Raubkatze am Halsband im Stadtpark angezeigt worden war, verlangte das Ordnungsamt deren ordnungsgemäße Unterbringung in einem mindestens 100 Quadratmeter großen, rundum geschlossenen Gehege und nicht in einer Zweizimmer-Wohnung.

„Wir waren räumlich auf keinen Puma eingestellt und konnten auch niemanden mehr erreichen, um fachkompetente Hilfe zu erfragen“, erinnert sich Eva Lindenschmidt. Am nächsten Morgen klingelte es an der Tür und der Baden-Württemberger stand mit seinem wenige Monate alten Puma-Baby in der Reisebox vor der Tür. „Laufenlassen oder totschlagen“ waren seine Alternativen, wenn Tierart das Tier nicht aufnimmt.

Auf dem kurzen Dienstweg kam grünes Licht vom Veterinäramt in Pirmasens, allerdings musste Tikam erst in die Großkatzen-Auffangstation Rüsselsheim in Quarantäne und gegen Tollwut geimpft werden. Inzwischen wurde ein Tigergehege abgetrennt und überdacht, denn Pumas können zwischen vier und fünf Meter hoch springen. Dort zog ihn Christoph Nunheim, Chef der Maßweiler Wildkatzen, auf.

In der Anfangszeit spielte er mit der „größten der Kleinkatzen“, um ihr Mutter und Geschwister zu ersetzen, bis die messerscharfen Krallen und die zunehmende Kraft des Jungtieres zu gefährlich wurden. Mit dem sogenannten Clickertraining wurde der futteraffine Tikam spielerisch so abgerichtet, dass man ihn ohne Blasrohr durchs Gitter in die Schulter impfen kann und ihm Zähne sowie Pfoten kontrollieren, ohne eine für seine Gesundheit riskante Betäubung.

Bis Oktober soll sein neues Zuhause in einer ruhigen Ecke der Tierauffangstation fertig sein. Rund 240 000 Euro lässt sich Tierart das Pumagehege kosten. „Das Konstruktionsgerüst für den Hallenbau war die günstigste Variante“, erklärt Eva Lindenschmidt, denn das mit Abstand Teuerste sei der Zaun. Die Innengestaltung mit Gräben, Felsen und Anpflanzungen sowie die höher gelegene Besucherplattform gestaltet das Tierart-Team in Eigenleistung.

Ein Biotop wie bei den Tigern benötigt Tikam nicht, denn Pumas sind wasserscheue Tiere. Die beeindruckende Eleganz, Wendigkeit und Kraft ausstrahlende Raubkatze frisst zwischen einem und acht Kilogramm Fleisch täglich, je nach Knochenanteil. Das Meiste ist Rind, doch auch Kaninchen, Pferd oder Huhn werden verfüttert. Als Leckerbissen gibt es ab und zu ein zuvor gefrostetes Eintagsküken.

„Spenden oder Patenschaften sind immer willkommen!“, betont Eva Lindenschmidt. Nach der ursprünglichen Planung hätte das Pumagehege im August fertig werden sollen. Doch durch Corona wird es jetzt Herbst werden, bis Tikam in sein artgerechtes Zuhause umziehen kann. Wenn er gesund bleibt, kann er hier 20 Jahre und älter werden.

Bis Oktober soll das neue Zuhause in einer ruhigen Ecke der Tierauffangstation fertig sein. Foto: Cordula von Waldow

www.tierauffangstation.de