Tierauffangstation in Maßweiler : Weil jedes Leben zählt

Der Verein Tierart zeigt in der Bunkeranlage auf seinem Gelände in Maßweiler die Ausstellung „Tiere in Krieg und Frieden“.

Jeder Krieg bedeutet unermessliches Leid, für die beteiligten Soldaten, für Männer, Frauen und Kinder. Doch auch Tiere leiden in Krisengebieten. Sie werden verletzt, traumatisiert und sterben, so steht es auf einer Tafel am Eingang zur ehemaligen Bunkeranlage in der Tierauffangstation in Maßweiler. Tief im Berg ist dort auf 900 Quadratmetern das außergewöhnliche Projekt der Dauerausstellung „Tiere in Krieg und Frieden“ entstanden.

Die Ausstellung erzählt von den unfreiwilligen Aufgaben der Tiere, von ihrem Leid und ihrem Sterben. Denn sie geraten nicht zufällig in Kampfgebiete, sondern der Mensch macht sie sich auch im Kriege zunutze. Aber die Ausstellung erzählt auch von Freundschaften zwischen Mensch und Tieren und von tierischen Helden, die Menschenleben retten.

Die Geschichte des Bunkers beginnt etwa im Jahre 1936, als die Deutsche Wehrmacht die Anlage in Maßweiler errichtete und sie während des Zweiten Weltkriegs im Rahmen des Westwalls nutzte. Nach Kriegsende übernahmen die Amerikaner den Bunker und nutzten ihn unter anderem wahrscheinlich auch für die Lagerung von Atomsprengköpfen. Das komplette Gelände unterhalb von Maßweiler war während der Zeit des Kalten Kriegs ein Hochsicherheitstrakt. Die US-Army gab der Bunkeranlage den Namen „The Cave“, was auf deutsch „Die Höhle“ heißt. Ein Name, den Tierart nun auch für seine Ausstellung übernommen hat. Eigentlich hätte die Ausstellung schon zu Ostern öffnen sollen. Corona war aber auch hier ein Hemmschuh. So hatte Stephanie Fähnrich mit ihrer Firma Erlebnisplan die Gelegenheit, in Ruhe eine große Auswahl an interessanten Exponaten zusammenzustellen. An Tafeln werden die Besucher darüber informiert, in welcher oft perfider Weise Tiere für Erkundungen, als Waffen oder als Objekte für Bomben und Atomtests verwendet und missbraucht wurden. Der Einfallsreichtum der Menschen geht von einfachen Bienen bis zum ausgewachsenen Bären.

Auch zur Erforschung des Weltalls wurden in den Anfangszeiten Tiere eingesetzt. So war es die Hündin Leika, die 1957 als erstes Lebewesen in einem russischen Sputnik die Erde umkreiste.

Emotional geht es im letzten Teil der Stollenanlage zu. Zusammen mit der Hochschule Kaiserslautern ist ein Film entstanden, der von Hannibals Kriegselefanten aus der Antike bis in die Gegenwart Geschichten von Tieren in Kriegen erzählt. Und wer es bis dahin nicht geschafft hat, zumindest eine kleine Träne zu verdrücken, hat an einem großen Tisch am Ausgang noch einmal die Gelegenheit dazu. Jeder Besucher hat hier die Möglichkeit mit einer leeren Patronenhülse der unzähligen Opfer von Kriegen zu gedenken. Nach einigen Tausend Hülsen, die in die Unterlage eingesteckt werden, wird auf dem Tisch einmal der Satz „Weil jedes Leben zählt“, zu lesen sein.

Vom permanent elf Grad kalten Bunker werden die Besucher ins (noch) wärmere Freie geführt. Der Blick auf die alte Zirkusmanege ist eine Zeitreise in die Anfangszeit der Tierauffangstation. Mit diesem Aufbau und vier Tigern war früher einmal der ehemalige DDR-Staatszirkus auf Deutschlandtour unterwegs. 1999 musste der Zirkus schließen, und die Tiere hatten kein Zuhause mehr. Tierschützerin Roswitha Bour entschloss sich kurzerhand, die Tiger samt Großtierpfleger und Gerätschaften zu übernehmen und zu versorgen. So entstand damals der Verein Tierart, dessen jetzige, großzügige Tigeranlage 2015 offiziell eröffnet wurde.

Der Besuch des Bunkers ist in die Führungen integriert. Diese finden samstags, sonntags und an Feiertagen um 11 Uhr statt. Die Gruppen sind auf 25 Personen beschränkt. Eine Anmeldung per E-Mail ist notwendig. Die Adresse lautet: wildtierauffangstation@tierart.de – Name, Adresse und Telefonnummer aller Teilnehmer bitte angeben. Die Anmeldung ist erst nach schriftlicher Bestätigung gültig.

www.tierart.de