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Tadano kündigt 100 Mitarbeitern sofort, 300 wechseln in Transfergesellschaft

John Deere bietet neue Jobs : Tadano kündigt 100 Mitarbeitern

IG Metall: 300 Mitarbeiter wechseln in Transfergesellschaft. Zweistellige Zahl hat derweil bereits neuen Job in Aussicht.

Wenn es überhaupt etwas Positives hinsichtlich des deutlichen Stellenabbaus beim Zweibrücker Kranbauer Tadano gibt, dann wohl das: Eine zweistellige Zahl von Mitarbeitern, die vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes stehen, hat bereits konkrete Aussichten auf einen neuen Job. Das sagte Peter Vollmar,  zweiter Bevollmächtiger und Geschäftsführer der IG Metall Hom-burg-Saarpfalz, am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung.

„Vor allem John Deere scheint da eine wichtige Rolle zu spielen“, sagte der Metaller. Es sei schön, dass zumindest einige der insgesamt 392 Beschäftigten, die bei dem Kranbauer gehen müssen (wir berichteten), bei dem Landmaschinenhersteller eine neue Tätigkeit finden.

In den Beratungsgesprächen, die er und seine Kollegen von der IG Metall weiter mit den Betroffenen führten, habe sich diese Entwicklung gezeigt, dass John Deere für manche zur neuen Chance werde.

Aber das sei natürlich kein Anlass für allzu große Freude, merkt der Gewerkschaftssekretär an.  Dafür sei der Einschnitt bei Tadano zu hart.

Inzwischen steht fest: 100 Mitarbeiter lehnen einen Wechsel in die Transfergesellschaft ab; sie erhalten damit ihre Kündigung. Vollmar geht davon aus, dass diese unverzüglich zugestellt werden wird.

„Tadano wird diese noch im Januar zustellen wollen, damit die Kündigungsfrist bereits zum 1. Februar wirksam wird“, sagte Vollmar. Aufgrund der Besonderheiten des Insolvenzrechtes sind die Kündigungsfristen denkbar knapp, sie betragen maximal drei Monate, teilweise gar nur einen Monat (wir berichteten). Es sei davon auszugehen, dass einige der 100 Mitarbeiter vor dem  Arbeitsgericht eine Kündigungsschutzklage erheben und eine ungültige Sozialauswahl geltend machen werden.

Der Großteil der 392 vom Arbeitsplatzabbau betroffenen hat sich folglich für einen Wechsel in die Transfergesellschaft entschieden, es seien rund 300 Mitarbeiter, sagte Vollmar.

Der Gewerkschaftssekretär geht davon aus, dass nüchternes Kalkulieren die meisten zu diesem Schritt veranlasst hat: „Wer in die Tranfersgesellschaft wechselt, erhält insgesamt 80 Prozent der letzten Bezüge. Für die Dauer von neun Monaten. Im Falle einer Kündigung sind es – je nachdem, ob man Kinder hat – 60 bis 67 Prozent des Netto-Entgeltes. Dazu kommt: Gelingt es dem Betroffenen in der Transfergesellschaft nicht, innerhalb der neun Monate einen neuen Arbeitsplatz zu finden, hat er im Anschluss Anspruch auf Arbeitslosengeld I – für die volle Zeit, ohne, dass ihm aus der Zeit aus Transfergesellschaft etwas angerechnet würde.“

Finanziell sei der Wechsel in die Tranfergesellschaft also von Vorteil. Nachteil: Der Arbeitnehmer akzeptiert damit, dass er seinen Job los ist

Gewerkschaftssekretär Peter Vollmar. Foto: IG Metall Foto: IG Metall Saarpfalz

Wie auch immer sich die Betroffenen also entschieden haben: Klar ist, dass die Stimmung bei dem Kranbauer alles andere als positiv ist. Und das liege an dem Verhalten der Geschäftsführung, wie Vollmar erneut kritisiert. „Es herrscht unverändert Frust bei Tadano, die Mitarbeiter dort haben das Gefühl, dass sie regelrecht hinausgejagt werden.“