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Südwestpfalz: Fred Konrad kritisiert Corona-Software im Gesundheitsamt

Grünen-Chef Fred Konrad kritisiert Kreisverwaltung Südwestpfalz : „Arbeiten wie vor 40 Jahren“ im Gesundheitsamt

Grünen-Kreistagsfraktionschef Fred Konrad fordert schnelleren Ersatz veralteter Software im Kampf gegen die Corona-Pandemie.

Die steigenden Inzidenzwerte im Landkreis Südwestpfalz sieht der Grünen-Fraktionssprecher im Kreistag, Fred Konrad, als besorgniserregend an. Noch mehr beunruhigt ihn jedoch, dass das Gesundheitsamt „wie vor 40 Jahren“ arbeite. Diese Aussage dürfte diesen Montag im Kreistag (ab 15.15 Uhr in der IGS-Sporthalle Thaleischweiler-Fröschen) für Brisanz sorgen. Da will nämlich Landrätin Susanne Ganster (CDU) über die Corona-Pandemie informieren.

Konrad findet unverständlich, wieso das (auch für Zweibrücken zuständige) Kreisgesundheitsamt die zwischen den Gesundheitsbehörden von Bund und Ländern verbindlich vereinbarte Nutzung des Datenverarbeitungssystems Sormas noch nicht eingeführt hat. Derzeit nutzt das Gesundheitsamt das IT-System „Mikado“, das laut Konrad weder mit dem Meldesystem an das Robert-Koch-Instituts (RKI) noch mit Labordatenübertragungssystem „Demis“ und auch nicht mit dem Symptomnachverfolgungssystem „Climedo“ kompatibel ist. „Aus der Presse habe ich entnommen, dass die Datenübertragung von Laborwerten per Fax erfolgt und dass diese Daten dann händisch eingegeben werden müssen“, moniert der Grünen-Politiker. Für ihn steht deshalb fest, dass „das Gesundheitsamt wie vor 40 Jahren arbeitet“.

Erst wenn sich die Lage wieder beruhigt habe, sei beabsichtigt, „Sormas“ anzuwenden, berichtet Konrad über eine Aussage von Lisa Gaffney, Pressesprecherin des Landkreises – und fragt sich, wie die Kreisverwaltung angesichts der starken Zunahme der Gesamtinfektionszahlen von einer bevorstehenden „Beruhigung der Lage“ ausgehen kann. Deshalb appelliert Konrad an Ganster, schnellstmöglich die Voraussetzungen zu schaffen, um den digitalisierten und soweit wie möglich den automatisierten Datenaustausch des Gesundheitsamtes Südwestpfalz mit Laboren, RKI und Betroffenen sicherzustellen, bevor es zu dem zu befürchtenden massiven Anstieg der Neuinfektionen kommt.

Der Grünen-Fraktionschef hat zur Inzidenz-Entwicklung, die durch „die neuen Virusvarianten deutlich besorgniserregender als es bisher den Anschein haben mag, ist“, eine „einfache“ Analyse der bisherigen Entwicklung und eine entsprechende Prognose zusammengestellt. „Aus den Daten von Dezember und Januar ergibt sich vereinfacht ein R-Wert für die neue Variante von etwa 1,4“, rechnet der in Käshofen wohnende Kinderarzt vor. Anhand des Verlaufs bis Ende Februar lasse sich ableiten, dass trotz Lockdown es zunächst nur zu einer relativen Zunahme der ansteckenderen Variante komme, während die Gesamtinzidenz weiter, aber immer langsamer sinke. „Die Gesamtinzidenz ist mittlerweile in eine rasante Aufwärtsentwicklung übergegangen und wird von der neuen ansteckenderen Variante dominiert.“

Hoffnung, dass das Infektionsgeschehen nochmals gebremst werden könne, besteht für Konrad darin, dass der April vergangenen Jahres und die Folgemonate gezeigt hätten, dass wärmeres und trockeneres Wetter der Virusausbreitung entgegenwirken könne. „Ebenso besteht ja die Hoffnung, dass ein immer größerer Teil der Bevölkerung durch Impfung vor schweren Verläufen geschützt ist und die Ansteckungen durch Impfungen deutlich reduziert werden.“ Das werde binnen der nächsten vier Wochen aber überhaupt nichts ausrichten können. Dafür müssten nämlich innerhalb kürzester Zeit eine vielfach höhere Zahl an Menschen geimpft werden als bisher, macht Konrad deutlich. „Die genannten Effekte sind durch Maßnahmen des Landkreises nicht grundsätzlich zu beeinflussen. Sie begründen aber eine dringende Überprüfung, wie die Behörden im Landkreis darauf vorbereitet sind“, fordert er.

Zudem treibt ihn eine weitere Frage um, von der er sich eine Antwort vonseiten der Landrätin wünscht. „In einem Alten- und Pflegeheim im Kreis sind Covid-19-Erkrankungen noch im Januar aufgetreten. Unklar ist dabei, ob alle Besucher zu diesem Zeitpunkt mit Schnelltests auf das Vorliegen einer Corona-Infektion getestet wurden“, sagt Konrad, dem von Besuchern von Altenheimen berichtet wurden, dass der Zugang zu diesem Zeitpunkt sehr großzügig und ohne Tests geregelt gewesen sei.

Seine Fraktion habe im Dezember vorgeschlagen, die Alten- und Pflegeheime bei Schnelltests zu unterstützen. „Dies fand im Kreistag und bei der Verwaltung soweit wahrnehmbar wenig Unterstützung“, bedauert Konrad. Deshalb hat er selbst die Initiative ergriffen und umgehend alle Pflegeheime im Kreis angeschrieben und um Auskunft gebeten, in welchem Umfang Schnelltests durchgeführt werden. „Von keinem Heim habe ich Antwort erhalten“, wundert sich Konrad und erwartet nun Antworten von Landrätin Ganster.