Streit um Führerschein mit 17

Hornbach. Weit über hundert Bewerbungen hat Jennifer Scherry geschrieben. Dann kam die Zusage vom Krankenhaus in Ottweiler, wo die 17-jährige Hornbacherin ab Oktober eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin absolvieren kann. Die Freude war groß, als die Zusage vor einigen Wochen ins Haus flatterte

Hornbach. Weit über hundert Bewerbungen hat Jennifer Scherry geschrieben. Dann kam die Zusage vom Krankenhaus in Ottweiler, wo die 17-jährige Hornbacherin ab Oktober eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin absolvieren kann. Die Freude war groß, als die Zusage vor einigen Wochen ins Haus flatterte. Doch wie kommt sie zu ihrer Lehrstelle? "Von Hornbach aus ist das fast unmöglich", erklärt ihre Mutter Ilona Schad-Scherry im Gespräch mit dem Pfälzischen Merkur. Öffentliche Verkehrsmittel könne ihre Tochter nicht nutzen, weil diese spätabends nicht mehr fahren. Auch der kürzlich bestandene Führerschein nutze Jennifer wenig: Es sei nicht möglich, dass sie selbst oder ihr geschiedener Mann sie zur Ausbildungsstelle begleiten. In Ottweiler gebe es auch kein Schwesternwohnheim, in dem eine Übernachtung möglich wäre. Deshalb beantragte die Mutter bei der Kreisverwaltung in Pirmasens eine Sondergenehmigung, nach der die Jugendliche allein zur Ausbildung ins Saarland fahren könnte. Doch die Behörde lehnt den Antrag ab. Begründung: Die Hornbacherin könnte ja eine Wohnung in Ottweiler mieten. Dies ist allerdings nach Auffassung der Mutter nicht möglich. Schließlich müsse die 17-Jährige ja im Blockunterricht auch nach Kohlhof und Lebach kommen. Zudem sei eine Wohnung viel zu teuer. Doch dieses Argument lässt die Pressesprecherin der Verwaltung, Ulla Eder, nicht gelten: "Es gibt ja die Möglichkeit, bei uns dafür eine Beihilfe zu beantragen." Sondergenehmigungen in solchen Fällen dürften nur sehr rigide gehandhabt werden, weil die Jugendlichen überproportional an schweren Unfällen beteiligt seien. So sei es den Fahranfängern zumutbar, mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis zu eineinhalb Stunden für die einfache Fahrt zur Lehrstelle zurückzulegen. Auch der Umstieg auf andere Fahrzeuge, wie Mofas oder Leichtkrafträder kann erwartet werden - ebenso die Nutzung von Fahrgemeinschaften, eine eigene Wohnung vor Ort und die Begleitung der Eltern. Das sei in den Verfahrenshinweisen des rheinland-pfälzischen Verkehrsministeriums genau geregelt. "Daran müssen wir uns halten", erklärt Eder. Bisher habe die Kreisverwaltung erst drei Sondergenehmigungen erteilt. Nicht vergessen dürfe man, dass es in einem Fall zu einem Unfall gekommen sei. Seit der neuen Weisung, die am 18. November vergangenen Jahres in Kraft getreten sind, sei keine solche Ausnahme gestattet worden. Den Fall von Jennifer Scherry hat die Kreisverwaltung inzwischen abgegeben, weil diese den Wohnort gewechselt hat.

StichwortAuch in Rheinland-Pfalz dürfen Jugendliche seit fünf Jahren in Begleitung schon mit 17 Jahren Auto fahren. Ziel ist es, ein Angebot zu schaffen, damit der Fahranfänger so viel praktische Erfahrungen wie möglich mit einem erfahrenen "Lotsen" sammeln kann, um in jeder Verkehrssituation angemessen reagieren zu können. Mit dem Modellprojekt "Begleitetes Fahren" soll das übermäßig hohe Unfallrisiko junger Fahranfänger gemindert werden. Eine Sondergenehmigung, nach der ein Jugendlicher auch ohne Begleiter fahren kann (beispielsweise zur Ausbildungsstelle), ist möglich. Sie soll aber nur sehr selten ausgestellt werden. Näheres regeln die Fahrerlaubnisverordnung und die Weisungen des rheinland-pfälzischen Verkehrsministeriums. nob