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Stoppt geplante Fischtreppe die Turbinean der Wallalb?

Zweckverband Wasserversorgung : Stoppt geplante Fischtreppe die Turbine?

Weil eine Studie nicht alle wesentlichen Fragen beantwortet, müssen die Verfasser jetzt nachliefern.

Seit bald 100 Jahren wird mit selbsterzeugtem Strom beim Wasserwerk Kneispermühle der Pumpenantrieb für die Förderpumpen des Trinkwassers hoch zum Erdbehälter bei Reifenberg vorgenommen. Jetzt hofft Werkleiter Joachim Becker vom Zweckverband Wasserversorgung Sickingerhöhe-Wallhalbtal darauf, dass eine Fischtreppe nicht das Aus für die Stromgewinnungsturbine ist. Für den Fischaufstieg mittels Fischtreppe müsste der Wallalb nämlich Fließwasser abgezweigt werden, das für den Turbinenantrieb dann fehlt.

Die Wallalb ist ein Gewässer der II. Ordnung und somit in der Unterhaltungslast des Landeskreises Südwestpfalz. Seit Jahren bemühen sich Landkreis als Gewässerzuständige und die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Kaiserslautern als zuständige Behörde, die europäischen Vorgaben für Gewässerschutz zu erfüllen. Nach dieser sollen Fische von der Quelle bis zur Mündung Bäche und Flüsse durchschwimmen können. An Stauwehren als künstlichen Hindernissen werden deshalb vielfach „Fischtreppen“ errichtet, um die Durchlässigkeit der Fließgewässer für die Fische zu gewährleisten.

Bei der letzten Zusammenkunft der Mitglieder des Zweckverbandes Wasserversorgung Werkleiter unterrichtete Becker die Verbandsmitglieder darüber, dass eine vorliegende Studie zum Errichten einer Fischtreppe weitere Fragen aufwirft. Denn das vom Landkreis Südwestpfalz beauftragte Ingenieurbüro Floecksmühlen aus Aachen hat bei seinen Untersuchungen im Augenblick nur den Fischaufstieg, nicht aber auch den Fischabstieg in seine Betrachtung einbezogen. Werkleiter Joachim Becker bei der Versammlung: „Der Landkreis Südwestpfalz als Gewässerunterhaltspflichtige hat bereits die Ergänzung der Studie in Auftrag gegeben. Erst danach können wir umfassend informieren und stehen möglicherweise vor der Entscheidung, ob sich der Turbinenbetrieb dann überhaupt noch lohnt.“

In einem ergänzenden Gespräch mit dem Pfälzischen Merkur verweist Joachim Becker darauf, dass für einen optimalen Turbinenbetrieb 400 bis 500 Liter im Fließgewässer notwendig seien. Die SGD-Süd habe vor Ort entsprechende Messinstrumente installiert. Danach habe die Wallalb als Fließgewässer an 300 Tagen im Jahr eine Durchflussmenge von 700 Litern in der Sekunde beim Messpunkt Kneispermühle. „Wir hatten schon Überlegungen angestellt, ob wir die Wasserkraft nicht generell zur Stromerzeugung nutzen könnten, doch dafür reicht die Wassermenge nicht. Das Dreifache wäre notwendig um wirtschaftlich zu arbeiten“, so Joachim Becker. Bei Hoch- und Niedrigwasser wird zudem die Wasserturbine ganz abgeschaltet.

Im letzten Jahr gab es durch die Wassermengen Engpässe. Zum Pumpenbetrieb für die Förderpumpen musste Strom in Höhe von 40 000 Euro zugekauft werden. Eine Optimierung der Wasserturbine zur Stromgewinnung ist deshalb auch vom Zweckverband bisher zurückgestellt worden. Joachim Becker: „Die jetzige Turbine stammt aus dem Jahr 1928. Doch bevor wir nicht wissen wie es mit der Fischtreppe weitergeht, werden wir natürlich auch nichts in die Turbinenverbesserung investieren.“

Im ersten Halbjahr dieses Jahres, insbesondere im April/Mai, lieferte der Wasserzweckverband an seine Verbraucher deutlich mehr Wasser. An manchen Tagen sei soviel Wasser durch die Leitungen geflossen wie sonst nur zur Hochsommerzeit. Ralf Schneider hatte dafür eine ganz simple Erklärung: „Wegen Corona ist doch niemand fortgefahren. Alle bleiben daheim, fast überall werden Pools aufgebaut und die die stehen, müssen aufgefüllt werden.“

Hermersberg und Thaleischweiler-Fröschen sind inzwischen allerdings auch Kunden des Zweckverbandes Wasserversorgung Sickingerhöhe-Wallhalbtal. Eine Leitung nach Rieschweiler ist gleichfalls in der Planung. Sie soll aber erst dann gebaut werden, wenn es für solche Vorhaben wieder einen Zuschuss gibt.