Stolz auf den stürzenden Adler

Zweibrücken/Homburg. Dunkle Wolken rasen über den Homburger Schlossberg. Der starke Wind und die paar Regentropfen machen den rund 100 Rekruten nichts aus, die auf dem Gipfelplateau über den Ruinen der Hohenburg angetreten sind. Denn sie haben gerade Belastenderes hinter sich - ein dreitägiges Ausbildungs-Biwak mit anstrengenden Märschen, beladen mit 20 bis 35 Kilogramm schwerem Gepäck

Zweibrücken/Homburg. Dunkle Wolken rasen über den Homburger Schlossberg. Der starke Wind und die paar Regentropfen machen den rund 100 Rekruten nichts aus, die auf dem Gipfelplateau über den Ruinen der Hohenburg angetreten sind. Denn sie haben gerade Belastenderes hinter sich - ein dreitägiges Ausbildungs-Biwak mit anstrengenden Märschen, beladen mit 20 bis 35 Kilogramm schwerem Gepäck.Etwa die Hälfte dieser Soldaten der Zweibrücker Niederauerbach-Kaserne sind "Kurzdiener" - die sich nach der Aussetzung der Wehrpflicht freiwillig für einen Grundwehrdienst verpflichtet haben. Vier von ihnen begleitet der Pfälzische Merkur in einer kleinen Serie durch ihre Dienstzeit: Kevin Claas, Kevin Hector, Kevin Hug und Dennis Ragle.

Wie war's? "Sehr anstrengend, da machen Sie sich keine Vorstellung", antwortet Kevin Hector wenige Minuten vor der Zeremonie auf die Frage des Reporters. Ist er stolz, es geschafft zu haben? "Ich kann nicht stolz sein. Ich bin nur stolz auf meine Kameraden - die mussten mich schieben, ohne die ging's nicht weiter." Kevin Claas fand's dagegen "nicht ganz so" anstrengend, obwohl etwa 20 Kilometer am Stück zu marschieren waren. Belastend sei dagegen die erste Nacht gewesen: "Da habe ich eine Stunde geschlafen, dann gab's zwei Stunden Schicht und nochmal kurz schlafen." Manche hätten sogar nur zehn Minuten schlafen können. "Feuerkampf bei Tag und Nacht" war laut Ausbildungsoffizier Hans Mückenberger Schwerpunkt des Biwaks.

Was hat Dennis Ragle bei dem Biwak als besonders beeindruckend erlebt? "Unsere Gruppe war sehr gut, keiner hat aufgegeben, alle sind gemeinsam ins Ziel gekommen."

Obwohl am Ende der Kräfte, bereut Kevin Hector seine Entscheidung für den freiwilligen Kurzdienst nicht: "Man fragt sich bei dem Marsch tausend Mal, warum man sich verpflichtet hat - aber danach ist ein Glücksgefühl." Ob er sich länger verpflichtet, ist für ihn aber noch ebenso offen wie für Claas. Ragle und Hug dagegen ist schon klar, dass sie länger bleiben wollen.

Eine "große Motivation" sei die Barett-Verleihung, so Ragle. Das betonen auch Oberleutnant Mückenberger und der seit kurzem amtierende Kommandeur der Niederauerbach-Kaserne, Oberstleutnant Richard Künkele, bei ihren Ansprachen auf dem Schlossberg-Plateau. Mückenberger: "Heute ist ein bedeutender Tag, ein Höhepunkt Ihrer Grundausbildung. Sie sind hier angetreten, um nach den Entbehrungen der letzten Tage in gebührendem Rahmen auf der Homburger Feste das Barett mit dem stürzenden Adler zu bekommen. Damit werden Sie ab dem heutigen Tage als Fallschirmjäger wahrgenommen. Da können Sie stolz drauf sein. Dem Ruf der Fallschirmjäger müssen Sie aber auch gerecht werden - ob in Zivil, etwa am Hauptbahnhof, oder im Dienst."

Denn offiziell dürfen die Rekruten sich erst Fallschirmjäger nennen, wenn sie auch die Sprungausbildung absolviert haben. Das allerdings werden von den Kurzdienern nur diejenigen erleben, die sich länger verpflichten, erläutert Kommandeur Künkele im Merkur-Gespräch: "Jeden zur Sprungausbildung zu schicken, auch wenn er kurz danach die Bundeswehr verlässt, wäre zu teuer." Umso wichtiger sei für die jungen Soldaten die Verleihung des legendären bordeauxroten Baretts: "Auf diesen Tag arbeiten sie hin, weil sie dann nicht mehr mit ihrer Feldmütze auf den ersten Blick als Junge erkennbar sind."

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"Man fragt sich bei dem Marsch tausend Mal, warum man sich verpflichtet hat - aber danach ist ein Glücksgefühl."

Kevin Hector, Jäger

Hintergrund

Die Ausbilder behandeln die freiwilligen Kurzdienst-Leister nicht anders als früher die Wehrpflichtigen, erklärt Oberleutnant Hans Mückenberger, Ausbildungsoffizier der Niederauerbach-Kaserne: "Man kann nicht von den Erfordernissen abweichen, was später im Einsatz gefordert ist."

Sind die Freiwilligen motivierter als Wehrpflichtigen? "Da ist keine Steigerung erkennbar", wundert sich Hauptfeldwebel Dominic Reidenbach. "Die Motivation ist wie vorher, der Krankenstand sogar eher höher."

Die monatelange Trockenheit hat auch Auswirkungen auf das Ausbildungs-Biwak der Zweibrücker Soldaten gehabt. Wegen der Waldbrandgefahr wurden "besondere Vorsichtmaßnahmen" ergriffen, so Kommandeur Richard Künkele. lf