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Stillstand an Kindergartenbaustelle in Contwig

Contwig : Keine Bewegung in Sicht

Seit Monaten ruht die Kindergarten-Baustelle in Contwig. Bevor sich daran etwas ändert, müssen erst weitere Gutachten her.

Kitabaustelle an der Maßweilerstraße. Ein Bauzaun aus stabilem Drahtgeflecht umgibt weiterhin die Baustelle. Keine lärmenden Arbeitsgeräte, keine fleißigen Handwerker. Das unfertige Dach ist soweit abgedichtet, dass es zu keinen Wasserschäden kommen kann. Der bauliche Zustand ist unverändert seit dem Jahresende 2020, als die Ortsgemeinde als Bauherrin des Projektes die Arbeiten einstellen ließ und seither Gutachter und Rechtsanwälte der beteiligten Parteien das Geschehen bestimmen. Wie lange noch? Ortsbürgermeisterin Nadine Brinette zieht die Schultern und Augenbrauen zeitgleich hoch: „Ich weiß es nicht, weil es in der Sache noch Klärungsbedarf gibt!“

Das Stichwort Klärungsbedarf zwingt zur kurzen, zeitlichen Rückblende. Am 12. April 2019 wurde mit einem kleinen Festakt und fröhlichen Kindergartenkindern der Spatenstich für einen neuen Kindergarten oberhalb der Pestalozzi-Grundschule vorgenommen. Ob der dortige Schulzustand, die Grundschule war wegen Schimmelbefalls in aller Munde und musste geschlossen werden, ein schlechtes Omen auch für den Kindergarten gewesen ist, muss natürlich dahingestellt bleiben.

Beim Spatenstich, damals noch unter Ortsbürgermeister Karl-Heinz Bärmann, sprach man von einem denkwürdigen Tag, Aufbruchstimmung und einer baldigen Einweihung des vierten Kindergartens in der größten Ortschaft der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, wie der damals noch im Amt weilende Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker mutmaßte.

Darauf deutete zunächst auch alles hin, mit den Bauarbeiten ging es zügig voran, bis zum Herbst eine Hiobsbotschaft im wahrsten Wortsinn die Verantwortlichen erreichte: Schimmelbefall auch im noch längst nicht fertigen Gemeindekindergarten an der Maßweilerstraße oberhalb der Grundschule, die inzwischen weiter als „Schimmelschule“ für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Seither haben Rechtsanwälte und Gutachter das Wort. Gutachten die darüber Aufschluss geben sollen, wer für den entstandenen Schimmelbefall und damit verknüpften Baustillstand verantwortlich sein soll. Ortsbürgermeisterin Nadine Brinette versucht in der Sache zusammen mit den Mitgliedern des Ortsgemeinderates klaren Kopf zu behalten und Schaden von der Ortsgemeinde abzuhalten.

Erstellte Gutachten hielt die Ortsgemeinde zusammen mit dem beauftragten Rechtsanwalt, der im laufenden Beweissicherungsverfahren die Gemeindeinteressen gegenüber den weiteren Verfahrensbeteiligten vertritt, in verschiedenen Sachfragen für ergänzungsbedürftig. Deshalb müssten jetzt nochmals Gutachter ans Werk, sagt Ortsbürgermeisterin Brinette und meint, dass damit weitere Zeitverluste in Kauf zu nehmen sind. Schließlich muss nach dem laufenden Beweissicherungsverfahren dann erste die größte Nuss geknackt werden die schnell auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen ist: Können sich die Parteien gütlich einigen?

Eines ist jedenfalls sicher: Nichts geht zu Lasten der Kleinsten, für die die Ortsgemeinde in den Neubau Millionen investiert. Im Gegenteil. Die Ortsbürgermeisterin schwärmt in höchsten Tönen von der pädagogischen Arbeit, die im „Notkindergarten Rathaus“ von der Kindergartenleiterin Karin Klein mit ihrem gesamten Team geleistet wird.

Die Ortsbürgermeisterin beim Gespräch mit unserer Zeitung: „Eines ist sicher, wenn die Kleinen des Kindergartens zusammen mit Karin Klein und den 14 Betreuerinnen das Rathaus verlassen, wird das für mich ein trauriger Tag sein. Die fröhlichen Kinder, die Hingabe der Betreuerinnen, das Gespür zu haben, welche Hingabe den kleinen Erdenbürgern da zuteil wird, das ist einfach schön und deshalb gehe ich auch täglich gern ins Rathaus, das im Augenblick mit soviel Leben erfüllt ist.“

Hellseherische Fähigkeiten sind nicht notwendig um jetzt schon feststellen zu müssen, dass im April 2022 der Gemeindekindergarten oberhalb der Pestalozzi-Grundschule weiter Baustelle sein wird. Von der Fertigstellung ganz zu schweigen. Sozusagen „baugleich“ mit dem Gemeindekindergarten Stambach ist der in Contwig geplant und ausgeschrieben worden. 1,9 Millionen Euro wurden in die Stambacher Einrichtung investiert. Die geschätzte Kostensumme bezifferte bei der Grundsteinlegung Bärmann bereits mit 2,7 Millionen Euro. Inzwischen sind die Preise am Baumarkt noch mehr nach oben geschossen. Was in dieser Frage noch auf die Ortsgemeinde, Ortsbürgermeisterin Brinette und die Ratsmitglieder zukommt, lässt sich an fünf Fingern abzählen.