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Spagat für die EigenständigkeitDozenten nicht auf Rosen gebettet

Spagat für die EigenständigkeitDozenten nicht auf Rosen gebettet

Zweibrücken. Eigentlich müsste er es gar nicht sagen. "Ich bin mit Herzblut dabei", unterstreicht Helmut Ertel. Der promovierte Erziehungswissenschaftler hätte das deshalb nicht sagen müssen, weil seine Leidenschaft auch so deutlich wird

Zweibrücken. Eigentlich müsste er es gar nicht sagen. "Ich bin mit Herzblut dabei", unterstreicht Helmut Ertel. Der promovierte Erziehungswissenschaftler hätte das deshalb nicht sagen müssen, weil seine Leidenschaft auch so deutlich wird. Redet Ertel über seine Aufgabe als Leiter der Volkshochschule Zweibrücken, gestikuliert er ausladend, legt die Stirn in Falten, spricht schnell, stakkatohaft - und muss über sich selbst schmunzeln, wenn mit ihm immer wieder einmal das Temperament durchgeht. Ohne dieses Herzblut ginge es wohl auch nicht. Schließlich muss Ertel tagtäglich einen Spagat hinlegen. Der gebürtige Pirmasenser hat eine Doppelaufgabe zu absolvieren. Ertel ist an der VHS hauptberufliche pädagogische Fachkraft. Ferner ist er Geschäftsführer in Vollzeit. "Dieser Posten wurde ja schon vor einigen Jahren eingespart, damit habe ich zwei Vollzeitjobs wahrzunehmen." Ein Spagat, den Ertel aber gerne vollbringt - kämpft er doch für den Erhalt der Eigenständigkeit der Volkshochschule. Auch wenn im Zweibrücker Stadtrat immer wieder einmal eine Fusion der Volkshochschule mit der größeren Kreisvolkshochschule (KVHS) Südwestpfalz ins Auge gefasst werde, glaubt Ertel nicht, dass es dazu kommen wird. "2013 wird in Mainz diese Fusion sicher nochmals ein Thema werden, aber wenn man sich mal andere Beispiele im Land anschaut, wo es tatsächlich Fusionen zweier Volkshochschulen gab, dann sieht man, dass das äußerst langwierige, zähe Prozesse waren." Alleine schon wegen der positiven Zahlen, die Ertel am 9. November im Kulturausschuss der Stadt vorlegen wird, sei eine Fusion Unsinn. Die VHS stehe gut da, merkt der Leiter an. "Im vergangenen Jahr hatten wir 12 088 Weiterbildungsstunden an unserer Einrichtung. 3500 Personen nahmen daran teil", so Ertel zu den wichtigsten Fakten. Besonders stark gefragt seien die Sprachkurse, das Thema Gesundheit - (Ertel: "das boomt ohne Ende") - Kinder- und Jugendthemen sowie Seniorenkurse. Auch die Integrationskurse für Migranten würden immer rege genutzt. Fragt man Ertel nach seinen Wünschen, wird vor allem einer deutlich: Der VHS-Chef fände einen Standort, der noch zentraler liegt, gut. "Warum können wir nicht in das City-Outlet? Dort wäre noch genug Platz", wirft er ein. Ein solcher Ort wäre nicht ungewöhnlich. "In Ludwigshafen ist die Volkshochschule in einem Einkaufszentrum untergebracht", merkt er an. Wo sieht Ertel die künftigen Herausforderungen?Sicher werde sich das Kursangebot verändern. Ein wichtiger Aspekt seien Kurse, zurechtgeschnitten auf Unternehmen. So habe die VHS bereits Mitarbeiter der Style Outlets in Englisch geschult, ein Französisch-Kurs für die Outlet-Kräfte werde demnächst durchgeführt. Apropos Französisch: Ertel findet, dass die Stadt mehr aus ihrer Grenznähe machen könnte. "Ich hätte da einige Vorschläge, ich bin ja selbst frankophon, aber leider fragt man mich nicht unbedingt", bedauert er. Dies sei eine weitere Herausforderung: In Zukunft einen besseren Austausch zwischen VHS und Verwaltung hinzubekommen. Da werde bislang leider zu wenig kommuniziert. "An mir liegt es nicht, ich signalisiere immer wieder Gesprächsbereitschaft", hebt der VHS-Leiter hervor. Ein wichtiger Aspekt für die nahe Zukunft ist der Antrag der Grünen Liste für die Kulturausschussitzung am 9. November. Die Grüne Liste fordert, dass die VHS wieder ein eigenes Programm auflegt. Und damit die Abkehr von dem mittlerweile gemeinsam mit der KVHS aufgelegten Programm. "Frau Schanne-Raab von der Grünen Liste hat für ihren Antrag meine volle Unterstützung", sagt Ertel. Programm hin oder her - Fakt sei aber auch, dass künftig die Musik im Internet spiele. Die Interessenten würden sich immer häufiger dort, anstatt in einer Broschüre, über das Bildungsangebot informieren. Ertel: "Letztes Jahr wurden auf unserer Internetseite 80 000 Klicks gezählt. Darunter waren keine Doppelklicks. Das waren rund 4000 Klicks mehr als 2008. Diese Häufung von Klicks zeigt, dass das Medium Internet immer stärker gefragt wird und im Vergleich zu konventionellem Informationsmaterial zulegen", begründet der VHS-Chef.Zweibrücken. Wer als Dozent an der Zweibrücker Volkshochschule (VHS) bestehen will, braucht dazu drei wichtige Eigenschaften: Fundiertes Fachwissen, pädagogisches Geschick - und viel Idealismus. Üppiger Lohn wird an der VHS nicht gezahlt, erklärt Helmut Ertel, Leiter der VSH, im Gespräch mit dem Merkur. "Pro Unterrichtseinheit, etwa in den Sprachkursen, gibt es 15 Euro", so Ertel. Eine Unterrichtseinheit sind 25 Minuten. Besser bezahlt werden Dozenten von Gesundheitskursen, weil diese oft einen ganzen Reigen an vorbereitenden Seminaren und Lehrgängen vorweisen müssten. Für diese Lehrkräfte gebe es "als obere Marge 25 Euro". Gerade der Minimumlohn von 15 Euro für die Sprachlehrer sei sicher als sehr gering zu bezeichnen, gesteht Ertel ein. Vor allem, wenn man sich ansehe, wieviel Sprachlehrer an anderen Weiterbildungseinrichtungen in Deutschland erhielten. Ertel: "Ich will daher bei der nächsten Sitzung des Kulturausschusses am 9. November dafür werben, dass dieser Lohn auf 17 Euro pro Unterrichtseinheit angehoben wird." eck

Zur PersonHelmut Ertel wurde in Pirmasens geboren; nach der Schule verpflichtete er sich für zwölf Jahre bei der Bundeswehr, dort Laufbahn als Panzer-Offizier und Studium der Erziehungswissenschaften; nach der Bundeswehr Promotion in Erziehungswissenschaften; verschiedene Stationen als Trainer und Dozent, längere Aufenthalte in Frankreich und der Schweiz, von Januar 2006 bis März 2009 Leiter Hochschuldidaktik an der Universität Bern; seit August 2009 Leiter der VHS Zweibrücken als Nachfolger von Sabine Wahba, die im Juli 2008 zur VHS Verden in Niedersachsen wechselte. eck