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Aktiver Umweltschutz: „Sonst wird die Umwelt immer dreckiger“

Aktiver Umweltschutz : „Sonst wird die Umwelt immer dreckiger“

Wie ein Neunjähriger mit seiner Mutter gegen Müll in und um Bechhofen kämpft.

Etwa zwei Monate ist es her, da fiel Heidi Kneller-Gronen und ihrem neunjährigen Sohn Felix bei einem Spaziergang im Wald rund um Bechhofen erstmals auf, wieviel Papier, Tüten und anderer Unrat am Wegesrand lag. Felix war gleich der Meinung, dass diesen Müll doch irgendjemand aufheben müsse. „Da haben wir beim nächsten Mal Tüten mitgenommen“, erinnert sich Heidi Kneller-Gronen.

Gleich drei volle Tüten war die Ausbeute des ersten Aufhebespaziergangs. Mehr konnten die beiden nicht tragen, an Müll hat es hingegen nicht gefehlt und die beiden gingen mit der Erkenntnis nach Hause, das es mit einem Mal lange nicht getan ist. „Da haben wir das immer öfter gemacht“, erklärt Heidi Kneller-Gronen.

Mittlerweile haben sie aufgerüstet, mit Kneifzangen und Ziehwägelchen, damit sie nicht alles anfassen und tragen müssen und mehr mitnehmen können. Außerdem finden die beiden nicht nur Papier und Plastik, sondern auch jede Menge Glasflaschen, Autoreifen, Blechplatten, ganze Bodenbeläge, Konserven und vieles mehr, und auch das landet im Ziehwagen.

Wohin mit dem ganzen Müll? Diese Frage mussten sich die beiden schon beim ersten Mal stellen. Doch Heidi Kneller-Gronen fackelte nicht lange. Sie stellte die Tüten von Beginn an am Friedhof ab und informierte Ortsbürgermeister Paul Sefrin. Der machte kein Müllproblem daraus, sondern begrüßte ohne zu zögern die Aktion und bot seine Unterstützung an. Von da an durfte der eingesammelte Müll am Friedhof abgestellt werden, wo die Gemeinde am nächsten Tag dafür sorgte, dass er fachgerecht entsorgt wird.

Doch bei mindestens zwei bis drei Aufhebespaziergängen nimmt der Müll langsam Überhand und so schlug Paul Sefrin vor, die Kreisverwaltung mit ins Boot zu holen, die nun die Müllentsorgung übernimmt. Auch soll demnächst ein anderer Ablageplatz festgelegt werden, damit das Bild des Friedhofes nicht gestört wird.

Selbst nach zwei Monaten ist Felix nicht zu bremsen. Er ist der Macher, wie seine Mutter erklärt. Und für Felix ist die Sache selbstverständlich. „Sonst wird die Umwelt immer dreckiger. Das ist nicht gut“, erklärt der Neunjährige. Seine Mission ist es nicht nur, den Müll einzusammeln, sondern auch, andere zum Mitmachen zu bewegen. Sowohl die Erwachsenen in Bechhofen, als auch seine Mitschüler, die er in seine Aktion eingeweiht hat.

Das für den fremden Müll nur die Verursacher verantwortlich sind und man ihn darum auch liegen lassen könnte, lässt er so nicht stehen. „Irgendjemand muss es ja machen, um die Leute anzuregen“, erklärt er und fügt strahlend hinzu: „Weniger reden, mehr machen!“

Die beiden treffen bei ihren Spaziergängen in Bechhofen auf unterschiedliche Reaktionen. Vom resignierten „es ist eben so“, bis hin zu anderen Familien, die sich ein Beispiel daran genommen haben und sich ebenfalls schon bewaffnet mit Mülltüten auf den Weg gemacht haben. Und genau das ist auch die Botschaft, die die beiden sich wünschen. Mehr Bewusstsein, für jede Menge dahingeworfenen Müll an und abseits der Spazierwege und mehr Mitmacher. Aber auch zum Nachdenken anregen, wie und wo vielleicht Abfall vermieden werden könnte.