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Sollen Schüler aus dem Zweibrücker Land nach Bottenbach oder Hornbach zur Schule gehen

Hornbach vs Bottenbach : Wachsende Kritik am Schultourismus

Sollen die Schüler aus dem Zweibrücker Land weiter jenseits der Gemeindegrenze unterrichtet werden, während Hornbach ausblutet?

Die Frage, ob Kinder aus Groß- und Kleinsteinhausen weiterhin die Grundschule in Bottenbach besuchen, obwohl es für sie ausreichend Platz in der Hieronymus-Bock-Grundschule in Hornbach gibt, wird bereits in der kommenden Verbandsgemeinderatssitzung von Zweibrücken-Land Thema sein. Nach den Erörterungen im Schulträgerausschuss vund Beiträgen in den sozialen Medien hielt es Bürgermeister Björn Bernhard (CDU) für angebracht, sich mit der Amtskollegin der Verbandsgemeinde Pirmasens-Land, Bürgermeisterin Silvia Seebach (CDU) auszutauschen.

Es sei ein offenes, sachbezogenes Gespräch gewesen. Mit viel Hintergrundinformationen für beide Seite, erklärte Verbandsbürgermeister Björn Bernhard von Zweibrücken-Land, den der Pfälzische Merkur um eine Momentaufnahme in der seit vielen Jahren diskutierten Problematik bat. Einer sich zuspitzenden Problematik, wie sich aus dem Gespräch zur Momentaufnahme ergibt. „Dass es schon jetzt, nach der Diskussion im Schulträgerausschuss, viele offene Fragen und Meinungsströme gibt, ist ein offenes Geheimnis. Ich werde deshalb mit allen Fraktionsvertretern Sachgespräche führen, die betroffenen Ortsbürgermeister werden dabei zugegen sein. Größten Wert lege ich als Verbandsbürgermeister von Zweibrücken-Land aber schon jetzt auf die Feststellung, dass Schulbeiträge nicht das Ausschlaggebende allein sein dürfen. In den schon jetzt entfachten Diskussionen kommt meines Erachtens viel zu wenig zum Ausdruck, dass es um den Erhalt des Grundschulstandortes Hornbach geht. Mit seinen 90 Grundschülern ist dieser Standort gefährdet und dieser Gefährdung müssen wir mit geeigneten Schritten entgegenwirken. Dass das nicht von jetzt auf nachher geschieht, ist doch völlig klar. Aber, eine klare Weichenstellung muss erfolgen.“

Bürgermeister Bernhard erklärt in diesem Zusammenhang ergänzend, dass derzeit von den rund 90 Hornbacher Grundschülern nur 36 die Ganztagsschule besuchen, was die Gesamtsituation in der Standortfrage Hornbach noch verschärfe. „Haben wir hier einen weiteren Rückgang, dann sehe ich auch einen Qualitätsverlust für die Ganztagsschule Hornbach insgesamt.“

Das Unterbringen von 44 Grundschülern aus Groß-und Kleinsteinhausen in der Hieronymus-Bock-Grundschule Hornbach ist für den Verbandsbürgermeister kein Problem. „Sechs Klassen können wir jetzt schon direkt in der Schule unterbringen, würden wir eine Umnutzung der Bücherei in Erwägung ziehen dann sogar alle acht Klassen.“ Die Schulleiterin Katrin Weidemeier, selbst Mitglied des Schulträgerausschusses, habe bei der Sitzung angemerkt, dass seit 1975 ein Aderlass bei der Schülerzahl zu verzeichnen sei. Verbandsbürgermeister Bernhard: „Man muss sich einmal vorstellen, 1975 sind es in Hornbach noch 255 Schüler gewesen, in der Gegenwart die zitierten 90.“

Parteiübergreifend wird die Problematik diskutiert und Björn Bernhard sieht es schon als ein besonderes Zeichen an, wenn der SPD-Fraktionssprecher Achim Scherer aus Bechhofen jetzt die Zeit gekommen sieht, wo einem das Hemd näher als der Rock sein muss. FDPler wie der Stadtbürgermeister Reinhold Hohn aus Hornbach oder der Großsteinhauser Ortsbürgermeister Volker Schmitt seien nicht erst seit jüngster Zeit Verfechter dafür, dass die Kinder aus den beiden Steinhauser Orten bestens in der Grundschule Hornbach aufgehoben seien. Bernhard: „Wir dürfen nicht alleine auf die Kosten schauen. 850 000 Euro in neun Jahren an Gastschulbeiträgen zahlen ist schon was, da haben wir als Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land schon tatkräftig mitgeholfen, dass die GS Bottenbach ‚herausgeputzt’ wurde. Für mich ist die Frage des Schulstandortes Hornbach trotzdem von allergrößter Bedeutung“.

Derweil es am Schulstandort Hornbach ausreichend Platz für Schüler gibt, müssen die der Pestalozzi-Grundschule Contwig als „Gastschüler“ in der IGS auch nach den Sommerferien noch die Schulbank drücken. In die IGS ausquartiert werden mussten die Grundschüler weil, es wurde wiederholt darüber berichtet, die Pestalozzischule von Schimmel befallen ist.

Für eine Miete von 300 000 Euro werden vier Container für vier Klassenräume bis November dieses Jahres auf dem kleinen Bolzplatz bei der neuen Grundschul-Turnhalle im Ortsteil Stambach errichtet. Dazu kommen zwei Toilettencontainer. Die Frage, ob die Pestalozzischule ganz aufgegeben und es in Stambach nur noch einen Grundschulstandort (nach Anbau) geben wird, ist noch nicht entschieden. „Auch damit müssen sich die Mitglieder des Verbandsgemeinderates noch intensiv befassen und die entsprechenden Lehren aus einer Wirtschaftlichkeitsprüfung ziehen.“