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Schlägerei bei Kerwe Battweiler kommt trotz sieben Anzeigen nicht vor Gericht

Attackierter Zivilist biss Zweibrücker Soldat bei Kerwe Battweiler ein Stück Ohr ab : Aufwendige Ermittlungen nach Ohrbiss-Affäre eingestellt

Die sieben Anzeigen nach der Battweiler Kerwe-Schlägerei bleiben strafrechtlich ohne Konsequenzen. Höhepunkt war, dass ein Soldat einen Zivilisten in den Schwitzkasten nahm, bis der Zivilist vor Atemnot blau anlief – und dem Soldaten ein Ohrstück abbiss. Danach kündigte Battweiler die Kompanie-Patenschaft.

Vor einem Jahr gab es beim Neujahrsempfang in Battweiler einen Aufsehen erregenden Paukenschlag: Ortsbürgermeister Werner Veith gab bekannt, dass er und der Ortsgemeinderat die Patenschaft Battweilers mit der 2. Kompanie des Fallschirmjägerregiments 26 der Zweibrücker Niederauerbach-Kaserne aufkündigen – kurz vor deren 20-jährigem Geburtstag. Anlass: eine Schlägerei beim Kerwemontag am 7. Oktober 2019 mit Soldaten.

„Schönreden geht nicht mehr wenn grundlos draufgeschlagen wird, ein abgebissenes Ohr, wie geschehen, auf dem Hallenboden liegt“, sagte Veith in seiner Rede. Ihm tue die Kündigung der Patenschaft sehr leid, zumal er selbst Fallschirmjäger in Zweibrücken war – aber nach sowas müsse man einen Schlussstrich ziehen.

Sieben Strafanzeigen und aufwendige Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft folgten nach der Schlägerei in der Konrad-Loschky-Halle.

Auf Merkur-Nachfrage zu Ergebnissen informierte am Mittwoch die Leitende Oberstaatsanwältin Iris Weingardt: „Die von der Polizei vorgelegten sieben Strafanzeigen wurden allesamt eingestellt.“ In zwei dieser Fälle konnte kein Tatverdächtiger ermittelt werden.

Weingardt weiter: „Eine exakte Aufklärung des Sachverhalts war nicht möglich. Anhand der Auswertung aller Aussagen ließ sich jedoch der grobe Verlauf des Geschehens und die maßgeblichen Umstände rekonstruieren“, schreibt die Chefin der Staatsanwaltschaft Zweibrücken. „Zunächst kam es zu einem Streit zwischen zwei Personen in der Toilette der Festhalle, der in der Festhalle selbst kurz darauf seine Fortsetzung fand. Einer der Kontrahenten des vorhergehenden Streits attackierte eine dritte Person und sodann eine vierte Person in der Festhalle, wobei er aufgrund seiner starken Alkoholisierung irrig davon ausging, es handele sich bei diesen um die Person, mit der er in der Toilette in Streit geraten war. Auf beiden Seiten griffen nun je eine weitere Person als ,Helfer’ in das Geschehen ein, um jeweils eine Partei zu unterstützen. Dabei nahm der eine Helfer den anderen in den Schwitzkasten und zwar derart massiv, dass der so Festgehaltene unter Atemnot litt und nach den Aussagen von Zeugen blau im Gesicht war, die Situation sich bedrohlich darstellte. Der Festgehaltene biss daraufhin der Person, die ihn im Schwitzkasten hielt, ins Ohr.“

Bei dem Würger, dem danach ins Ohr gebissen wurde, handele es sich um einen Soldaten – bei dem Ohr-Beißer um einen Zivilisten, sagte Weingardt auf Nachfrage. Es sei nicht das ganze Ohr abgebissen worden, sondern „eine Ablederung der Haut an der rechten Ohrmuschel“ verursacht worden: „Was auf dem Hallenboden lag, war ein Stück harter Haut.“

In der E-Mail der Leitenden Oberstaatsanwältin heißt es: „Das Geschehen, das seinen Ursprung in Streitigkeiten ganz anderer Personen genommen hatte, eskalierte nach der Auswertung der Ermittlungen aufgrund der – teils starken – Alkoholisierung der Beteiligten.“

Deshalb sei das Verfahren gegen den In-den-Schwitzkasten-Nehmer und den Ohr-Beißer mit Zustimmung des Amtsgerichts nach § 153 der Strafprozessordnung eingestellt worden. Dieser Paragraph sieht die Einstellmöglichkeit vor, „wenn die Schuld des Täters als gering anzusehen wäre und kein öffentliches Interesse an der Verfolgung besteht“. Natürlich erachtet die Staatsanwaltschaft nicht die körperlichen Angriffe als geringfügig, bestätigte Weingardt auf Nachfrage – Geringfügigkeit im juristischen Sinne ergebe sich vielmehr durch die Wechselseitigkeit der Angriffe und den Alkoholisierungsgrad.

Gegen die Person, welche bereits in den Streit in der Toilette involviert war und später in der Festhalle weitere Personen attackierte, wurden drei Verfahren mangels Vorliegens eines Strafantrages der Geschädigten eingestellt (§ 170 Abs. 2 StPO). Ein weiteres Verfahren wurde ebenfalls nach § 153 StPO eingestellt, nachdem eine Einigung über die Zahlung eines Schmerzensgeldes in einem Zivilverfahren erfolgt war.

Die Ermittlungen hätten von Oktober 2019 bis Mai 2020 gedauert, sagte Weingardt. Sie seien auch dadurch erschwert worden, dass Zeugen trotz ähnlichen Blickwinkels teils völlig unterschiedliche Aussagen gemacht hätten – wobei möglicherweise sowohl ihre Alkoholisierung als auch Sympathien für bestimmte Kontrahenten eine Rolle gespielt haben könnten. Zudem seien die Taten sehr schnell hintereinander erfolgt – sodass trotz der vielen Menschen vor Ort nur wenige das Geschehen mitbekamen.