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Schimmel erzwingt Einzug von Kindergarten Contwig in Rathaus

Schimmelfluch Pt. II : Kinder ziehen in Contwiger Rathaus ein

Wegen des Baustopps am Kindergarten-Neubau wird diese Notlösung geschaffen.

„Alle Kinder, die angemeldet sind, können am 17. August in dem Notkindergarten betreut werden“, versprach Contwigs Bürgermeister Karlheinz Bärmann (CDU) in der Gemeinderatssitzung. Hintergrund für den Notkindergarten ist der Baustopp beim Neubau des Kindergartens oberhalb der Grundschule. Während der Bauarbeiten war dort Schimmel in den Decken festgestellt worden (wir berichteten). Ein Gutachter habe die Schäden für eine gerichtliche Auseinandersetzung dokumentiert, informierte der Bürgermeister.

35 Kinder sollten eigentlich im August in den neuen Kindergarten einziehen. Doch entschied sich die Gemeinde für die Notlösung im Rathaus. Der Bürgermeister rechnet in zwei, drei Wochen mit der Betriebsgenehmigung. Im Juni fänden noch Gespräche mit dem Personal und den Eltern statt, kündigte Bärmann an.

In den Räumen der Bücherei im Erdgeschoss werden die kleinsten Kinder betreut. Im Erdgeschoss würden auch ein Wickelraum sowie der Personalraum geschaffen. Die größeren Kinder werden im Obergeschoss im Ratssaal betreut. Das Fraktionszimmer wird zum Schlafraum. Im Wilhelm-Sefrin-Saal im Dachgeschoss wird eine Mensa eingerichtet. Der Saal dient auch als Bewegungsraum.

Wegen der Dringlichkeit gab es bereits Eilentscheidungen, denen der Rat zustimmte. So baut die Firma Benoit aus Dellfeld für 13 000 Euro eine Fluchtwegstreppe an das Rathaus. „Das ist erforderlich für die Mensa“, erklärte Bärmann. Der Standgefrierschrank, zwei Standkühlschränke, eine Gewerbe-Waschmaschine sowie ein Gewerbe-Wärmepumpentrockner im Wert von rund 7000 Euro liefert die Firma Wittmer aus Zweibrücken. Die Geräte sind für den neuen Kindergarten. Sie werden aber schon für das Ausweichquartier angeschafft. Die Möbel für den neuen Kindergarten werde ebenfalls bereits angeschafft, im Bauhof gelagert und nach Bedarf ins Rathaus geschafft.

„Was passiert mit der Bücherei?“, fragte Holger Hell (SPD). Bereits im Dezember hatte die Einrichtung die Bücher eingepackt. Damals sollte die Kinder der Grundschule in den Räumen unterrichtet worden. Die Grundschule war ebenfalls wegen Schimmelbefalls geschlossen worden (wir berichteten). „Die Bücherei kommt in den Jugendraum der evangelischen Kirche“, informierte Bärmann. Dort sei noch eine Kindergarten-Notgruppe. Doch die werde im Juli aufgelöst.

Zu Beginn der Sitzung hatte die Leiterin der Einrichtung, Heidrun Hiller, über die Situation der seit über 50 Jahren bestehenden Gemeindebücherei berichtet. Fast 800 Personen nutzten die Bücherei, die über 7000 Medien davon rund 6500 Bücher im Bestand hat. Die laufenden Ausgaben bezifferte Hiller auf 7888 Euro. Davon kämen 650 Euro vom Landkreis und 450 Euro vom Land für den Lesesommer. Die acht ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen hätten die Einrichtung im vergangenen Jahr 375 Stunden geöffnet.

Andrea Wernicke von der Außenstelle Stambach berichtete, dass diese ausschließlich von den Schülern der Grundschule genutzt werde. Die Gemeinde unterhalte somit eine Schulbücherei. Mit einem Kooperationsvertrag sollten Gemeinde und Schule mit der Einrichtung die Lesekompetenz fördern. Dazu könnte die Verbandsgemeinde „auch etwas zuschießen“.