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Schaukampf mit Stock und Schwert bei den Waldläufern in Dietrichingen

Keine Angst vor dem Mittelalter : Mit Schwert und Schild für Brüderlichkeit

Die Waldläufer trainieren in Dietrichingen den mittelalterlichen Schwertkampf. Gerne vermieten sie ihr liebevoll gestaltetes Vereinsgelände auch an andere Gruppen.

Zahlreiche Burgen legen Zeugnis von der reichen mittelalterlichen Geschichte unserer Region ab. Diese Vergangenheit wiederauferstehen zu lassen, ist das Ziel des Waldläufervereins. Gegründet wurde er vor fast 15 Jahren, oder wie die Mitglieder es ausdrücken: „So geschah es, dass sie sich im Jahre des Herrn Anno 2005 des 1. Tages im 8. Monat zur Abendstund’ mit Stock und Schwert sich aufmachten, Anhänger und Bruderschaften in Nähe und Ferne zu suchen.“ Fortan wollten sie für Ehrlichkeit und Zusammenhalt kämpfen und das tun sie bis zum heutigen Tag.

„Bei uns kann man den Schaukampf mit Stock und Schwert erlernen und auch das Verteidigen ohne Waffen“, sagt Hans Traxel, Vorsitzender – oder „erster Schwertträger“, wie es beim Verein heißt. Es handelt sich um reine Schaukämpfe, kein Vollkontaktsport. Man müsse das sich so vorstellen, wie man das von Filmen her kenne, so Traxel. „Unsere Besten haben schon als Komparsen in Filmen mitgespielt“, erzählt der erste Schwertträger stolz. Durch den Kampf würden die Teilnehmer auch soziales Verhalten einüben, die Motorik stärken und Gemeinschaft erleben.

Beim Verein trainieren auch die Mitglieder der Feuershow-Gruppe Luminis Ignis, die durch verschiedene Auftritte in der Region bekannt geworden sind.

Bei der 750-Jahr-Feier in Walhalben, die für Mitte August geplant ist, werden die Waldläufer in mittelalterlicher Gewandung am Zug teilnehmen.

Rücksichtnahme und der Zusammenhalt in der Gruppe stehen bei dem Verein im Vordergrund. Auf dem weitläufigen Vereinsgelände in Dietrichingen können die Mitglieder ihre Phantasie ausleben und echte Abenteuer bestehen. Auf dem etwa 1,4 Hektar großen Areal mitten im Wald ist die Zivilisation weit weg. In Holzhäusern oder Zelten verbringen die Vereinsmitglieder ihre Freizeit. Gerade haben sie ein mystisches Labyrinth im Wald angelegt. Ein Hobbithaus ist im Bau, im Sommer sollen die Kinder mithelfen, eine Schmiede zu errichten. Hier können die Kleinen unter Anleitung einfache Schmiedearbeiten ausführen.

Für die Erwachsenen besteht die Möglichkeit, an eigenen Projekten, wie zum Beispiel Schwertern, zu arbeiten. Hans Traxel ist überzeugt: „Wenn Menschen die Möglichkeit bekommen, in eine andere Welt abzutauchen, werden Bereiche in ihren Seelen frei, die sonst durch den Alltag überdeckt werden. Dies ist eine Chance, sich selbst und die Welt, die uns umgibt neu zu entdecken.“ Ihn stört, dass viele Leute das Mittelalter als dunkle Zeit ansehen: „Im Mittelalter wurde Nachbarschaftshilfe groß geschrieben, niemand musste horrende Summen für einen Handwerker bezahlen. Heute sind die Menschen einsam, früher war die Großfamilie da.“

Eine erweiterte Großfamilie stellt sich der erste Schwertträger für die Waldläufer auch vor. Mit der Errichtung einer Waldlandstiftung träumt er davon, Kinder und Jugendliche, die Schwierigkeiten in der Schule oder in der Ausbildung haben, im Camp in alten Handwerkstechniken zu unterrichten. Auch eine Gemeinschaft, die dauerhaft in einem Mittelalter-Dorf zusammenwohnt, kann er sich vorstellen.

Der Verein vermietet sein Camp übrigens auch an andere Vereine, Firmen oder Privatpersonen. Hier haben sie die Möglichkeit, mitten in der Natur Frieden zu finden, den Wald zu entdecken – und das alles ohne Mobiltelefon. Das Camp hat eine modern eingerichtete Küche, einen Seminarraum und Schlafräume. Insgesamt stehen 52 Betten zur Verfügung. Auf dem Gelände kann auch gezeltet werden. Eine Buchung ist ab 15 Personen möglich.

Hans Traxel Foto: Waldläufer Dietrichingen/privat

Interessenten können sich per E-Mail melden unter info@camp-dietrichingen.de oder unter Tel. (0 63 75) 80 99 63.

www.mittelalter-waldläufer.de www.camp-dietrichingen.de