Kulinarische Entdeckungen in der Region Von der Dorfkneipe zum Sternerestaurant

Maßweiler · Ein Familienbetrieb wie aus dem Bilderbuch: Wir haben das Restaurant-Landhotel Borst in Maßweiler besucht.

 Harry, Monika und Max Borst (von rechts) betreiben das gleichnamige Restaurant. Seit über 30 Jahren ist es in Maßweiler eine gute Adresse.

Harry, Monika und Max Borst (von rechts) betreiben das gleichnamige Restaurant. Seit über 30 Jahren ist es in Maßweiler eine gute Adresse.

Foto: Thomas Reinhardt

Für Familie Borst ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Sie haben hart gearbeitet. Weit über 30 Jahre lang. Was sie verdient haben, wurde investiert. Und weiter ging’s: arbeiten, verdienen, investieren. Immer wieder haben Harry und Monika Borst ihren Betrieb erweitert, renoviert und verschönert. Und so ist im kleinen, beschaulichen Maßweiler auf der Sickinger Höhe im Landkreis Südwestpfalz, das mit seinen rund 950 Einwohnern zur Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhaben gehört, aus einer Dorfkneipe ein Sternerestaurant mit schmuckem Hotel geworden.

Es ist eine außergewöhnliche Familiengeschichte. Harrys Großvater Alfons hatte mit seiner Frau Tekla das Haus 1956 gekauft. Dem Landwirt, Metzger, Bäcker und Kolonialwarenhändler folgten Klaus und Hannelore Borst, die aus dem Anwesen in der Luitpoldstraße 4 eine Dorfwirtschaft machten. Harry Borst wurde 1963 im zweiten Stock des Hauses geboren, ist in dem Gasthaus groß geworden. Früh habe festgestanden: „Wenn du mal groß bist, wirst du Koch, und dann übernimmst du das Haus.“ Letzteres ging leider viel zu schnell. Vater Klaus starb sehr früh und Harry, der in der Fasanerie in Zweibrücken das Küchenhandwerk gelernt hatte, übernahm mit zarten 22 Jahren den elterlichen Betrieb. Zunächst als Bistro, 1988 eröffneten Harry und Monika Borst ihr Restaurant. Klein fingen sie an, mit drei Tischen, hatten Erfolg und Zuspruch, vergrößerten Schritt für Schritt – arbeiten, verdienen, investieren…

„Vor rund 25 Jahren bauten wir ein kleines Hotel mit fünf Zimmern, das war gastronomisch gesehen eine sehr wichtige und richtige Entscheidung“, erzählt Harry Borst. Denn die Feinschmeckerküche, im Michelin-Restaurantführer verzeichnet, lockte nach und nach Gäste im Umkreis von rund 100 Kilometern in die ländliche Westpfalz. „Mindestens die Hälfte kommt aus dem Saarland, dazu haben wir Stammgäste aus Mannheim, Mainz, Trier und auch Luxemburg“, so Borst. Etliche von ihnen übernachten nach dem Restaurantbesuch im hauseigenen Hotel. Inzwischen sind es sieben Zimmer, alle frisch renoviert, modern und schick eingerichtet.

Drei Kinder haben Monika und Harry Borst groß gezogen, alle arbeiten in der Gastronomie. Johannes und Anna-Theresa als Hotelfachkräfte, Maximilian „Max“ als Koch. Der 28-Jährige lernte in der Fasanerie Zweibrücken und bei Klaus Erfort, hat danach rund fünf Jahre in der absoluten deutschen Spitzengastronomie gearbeitet und Erfahrungen gesammelt: Im Restaurant Schanz in Piesport an der Mosel und in der Schwarzwaldstube in Baiersbronn, beide mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Seit Januar 2022 wirkt er im elterlichen Betrieb mit, ist gleichberechtigter Küchenchef, wird wohl den Betrieb irgendwann übernehmen. So war es für Gastro-Kenner keine allzu große Überraschung, dass der Michelin in diesem Jahr dem Restaurant Borst einen Stern verlieh. Was natürlich die ganze Familie mit Stolz erfüllt. Drei Generationen arbeiten derzeit in der kleinen Küche: Neben Harry und Max auch Oma Hannelore Borst (82), die zum festen Küchenteam gehört. Während Monika Borst sich um das Hotel sowie den Service und die Gäste kümmert.

In den klassisch-modernen Räumen (30 Plätze, Gesellschaften bis 70 Personen), die elegant und stimmig eingerichtet sind, sowie auf der Terrasse serviert Familie Borst klassisch-französische Feinschmeckerküche. Die kommt schnörkellos daher, klar und fein abgestimmt. „Wir verwenden die besten Produkte, die wir bekommen können“, erklärt der Seniorchef, „zum Beispiel bretonischen Steinbutt und europäischen Hummer.“ Uns verwöhnen sie mit einer aromatischen Spargel-Mousse mit Curry-Gelee und Sepia-Stückchen, mit gebratener Gänseleber und gedünstetem Pfirsich, einer zarten Steinbutt-Terrine mit köstlichem Kaviar und Crème fraiche sowie als Hauptgericht mit rosa gebratenen Scheiben vom Rehrücken aus der Pfalz mit Selleriegemüse, Selleriepüree und einer Balsamicojus – großartige Qualität und eine Klasse-Kombination.

Zum Abschluss kommen französische Rohmilchkäse von Maitre Philippe Olivier und ein köstliches Dessert auf den Tisch: Eingelegte Flugmango mit Kokosnuss-Eis und Passionsfruchtschaum. Dazu schenkt Monika Borst passende Tröpfchen von der ansprechenden Weinkarte aus.

Restaurant und Landhaus Borst, Luitpoldstr. 4, 66506 Maßweiler, Tel. (0 63 34) 14 31; www.restaurant-borst.de. Das Sieben-Gang-Menü kostet 105 Euro, fünf Gänge gibt es für 88, vier für 62 Euro. Öffnungszeiten: Mittwoch ab 18 Uhr, Donnerstag bis Sonntag ab 12 und ab 18 Uhr; Montag, Dienstag: Ruhetage.