Rehkitz-Rettung Die Rettung kommt von oben

Mauschbach · Wie Sven Kalsch vom Heckenaschbacherhof dabei mithilft, dass Rehkitze in diesen Tagen nicht den Mähdreschern zum Opfer fallen.

Im hohen Gras sind die Rehkitze nicht auszumachen. Darum werden vor Einsatz des Mähdreschers die Wiesen abgesucht.

Im hohen Gras sind die Rehkitze nicht auszumachen. Darum werden vor Einsatz des Mähdreschers die Wiesen abgesucht.

Foto: Norbert Schwarz

Hochbetrieb herrscht derzeit draußen auf den. Wiesen der Bauern in der Region. Mit großvolumigen Mähern an leistungsstarken Dieselrössern wird das hochstehende Gras für die Silos

gemäht. Futter für die Kühe im Stall. Durch die vorausgegangenen Regentage ist die erste Mahd, wie der erste Schnitt für die Silos in der bäuerlichen Fachsprache auch bezeichnet wird, für viele Rehkitzen ein todbringender Arbeitsvorgang. Sie erkennen die Gefahren der mähenden Ungetüme nicht. Sie bleiben im heimischen Lager, was für sie tödlich enden muss, wenn sie zwischen die Mähscheiben der Ungetüme geraten. Doch Bauern und Jäger arbeiten Hand in Hand, um das zu verhindern und modernster Drohnentechnik mit Wärmebildkameras fällt dabei eine ganz besondere Bedeutung zu.

Holger Stähly aus Mauschbach ist seit mehr als 20 Jahren Jäger aus Leidenschaft. Dabei trägt er sozusagen zwei Seelen in einer Brust, sind ihm doch die Sorgen eines Landwirts gleichermaßen bestens vertraut. Als Landwirt im Nebenberuf und Helfer bei der Pferdezucht, die Ehefrau Tatjana erfolgreich seit bald einem Vierteljahrhundert in Mauschbach betreibt. Dass die Landwirte durch das Bundesnaturschutzgesetz verpflichtet sind, die Wiesen vor dem Mähen nach jungen Rehkitzen abzusuchen, weiß Holger Stähly ebenso. Dass um diese Jahreszeit aber gerade die Bauern im übertragenen Sinn „unter Strom“ stehen, was die Arbeitsfülle angeht, kennt der Waidmann Stähly aus eigener Erfahrung.

In diesem Jahr kommen die regenreiche Frühjahrstage hinzu, welche eine Abstimmen mit den Landwirten erschweren, die in dieser Zeit eng mit der heimischen Jägerschaft zusammenarbeiten müssen, was den Schutz der jungen Rehkitzen und damit den Tierschutz angeht.

Zu einer nur schwer ersetzbaren Hilfe ist für den Jäger Holger Stähly in diesen Tagen der junge Sven Kelsch vom Heckenaschbacherhof geworden. Der nämlich ist im Augenblick sozusagen nicht nur der verlängerte Arm der Rehkitzschützer, sondern das erkennende Auge aus luftiger Höhe geworden.

Sven Kelsch sucht mit einer Wärmebildkamera die Wiesen ab, ortet die Tiere und bleibt mit der Drohne solange über der Fundstelle stehen, bis die Jäger mit ihren Helfern die Tiere in ein sicheres „Zwischenlager“ gebracht haben. Der bald 30-jährige ausgebildete Landwirt selber ist seit einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt. Auf der Landstraße zwischen Bottenbach und Kleinsteinhausen schnitt ein Unfallbeteiligter die Kurve und verletzte Sven Kelsch schwer.

Davon ließ er sich jedoch nicht aus der Bahn werfen. Stallarbeit und der Umgang mit Tieren auf dem Heckenaschbacherhof, den die Tante bewirtschaftet, sind weiterhin sein Lebenselixier. Der frühere Eppenbrunner hat dort seit 2013 ein neues Zuhause gefunden.

Der Wissensdrang führte Sven Kelsch früh zum Drohnen-Einsatz in der Landwirtschaft. Kelsch leistete sich von seinem Lohn eine Drohne. Das Bedienen des Fluggerätes ging flott in die Finger über. Der Schritt zur Ausstattung der Drohne mit einer Wärmebildkamera war schnell getan als die Überlegung bei Sven Kelsch Platz griff, damit zum Auffinden der im Lager ruhenden Rehkitzen beizutragen.

Bei der heimischen Jägerschaft ist Sven Kelsch inzwischen ein gefragter Mann. Als Holger Stähly mit seinem Helferteam die Wiesen absuchte, blieb siebenmal die Drohne über einem bestimmten Punkt stehen. Über Sprechfunk lotste Sven Kelsch Holger Stähly und die Helfer an die Fundstellen, die sich auf dem Monitor von Kelsch als weiße Punkte ausmachten.

Damit die Rehkitze keinen Menschengeruch annehmen können, tragen die Retter der Kitzen Gummihandschuhe und greifen nach den Tieren zusätzlich mit Grasbündeln in den Händen. Holger Stähly erklärend: „Dadurch wittert weder die Tiermutter noch die natürlichen Feinde, etwa Füchse, menschlichen Geruch. Sind die Wiesen gemäht, werden die Tiere wieder in die Nähe der früheren Lager gebracht. Dabei konnte Holger Stähly auch feststellen, dass sich schon nach Stunden die Geiß wieder um das junge Rehkitz kümmerte. Für den Jäger Holger Stähly ist Sven Kelsch vom Heckenaschbacherhof längst zu einem unentbehrlichen Helfer geworden. Andere Waidmänner bedienen sich auch der Hilfe von Sven Kelsch und seiner Drohne mit Wärmebildkamera, die in Jägerkreisen gern angenommen wird.

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