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Rätselraten um gemähten Wegesrand in Maßweiler

Ortsgemeinderat Maßweiler : Wer hat den Grünstreifen abgemäht?

Der zweite Beigeordnete von Maßweiler kritisiert die Aktion und strebt einen runden Tisch mit Landwirten an.

Aussagen des zweiten Ortsbeigeordneten Rochus Schwarz auf eine Anfrage von SPD-Ratsmitglied Else Semmet hin, getätigt in der jüngsten Ratssitzung, brachten offensichtlich die örtliche Nebenerwerbslandwirtschaft in Rage. Hoch kommen die Unmutsäußerungen vor allem in den sozialen Medien. Andererseits bekommt der Naturschützer und passionierte Jäger aber auch viel Bekräftigung von den Bürgern.

Semmet hatte in der letzten Ratssitzung unter Punkt Verschiedenes angefragt, wer die Grünstreifen des asphaltierten Spazierwegs „In der Lehnbach“ gemäht habe beziehungsweise, wer die Anweisung zu diesem Tun gab. Schwarz, der für den Außenbereich zuständig ist, gab die Auskunft, dass das Mähen weder durch die Gemeinde erfolgt sei, noch irgendjemandem ein Auftrag dazu erteilt wurde. Bis zum Graben gehören die Grünstreifen in der Regel zum Wegegrundstück der Gemeinde, danach beginnt Privatgelände. Er habe bereits versucht, über Erkundigungen den Verursacher zu ermitteln, was bislang allerdings noch nicht gelungen sei. Dessen ungeachtet werde er weiterhin am Ball bleiben, denn unabhängig vom verursachten Schaden für die Natur sei Mähen von fremdem Gelände einfach nicht zulässig.

Bewirtschaftet wird ein Großteil der Gemarkung durch drei Großbetriebe aus Reifenberg. In Maßweiler selbst gibt es bis auf eine noch vorhandene Ausnahme keinen Landwirt im Haupterwerb mehr. Dafür betreiben aber noch etliche Maßweilerer Bürger Landwirtschaft im Nebenerwerb. Von dort aus kommen auch die Unmutsäußerungen beziehungsweise deren Bekräftigung, was die Haltung des Beigeordneten betrifft.

„Viel Resonanz habe ich von den Bürgern unseres Ortes bekommen. Wenn auch sehr viele meine Anstrengungen zum Natur- und Artenschutz unterstützen, gibt es leider auch scheinbar Unbelehrbare, denen es offenbar entgangen ist, dass wir ein massives Insektensterben haben und dass bei vielen Kleintieren, seien es nun bodenbrütende Vögel, Kleinsäuger bis hin zum Rehkitz, denen wir durch übertriebenes und vor allem viel zu frühes Mähen und Mulchen der Feldwege und -ränder die Lebensgrundlage entziehen, seit Jahren ein dramatischer Bestandsrückgang zu verzeichnen ist“, bezieht Schwarz im Gespräch Stellung.

„Kaum jemand beachtet sie, die grünen Bänder, die sich zwischen Äckern und Weinbergen hinziehen und scheinbar nur dazu dienen, dass Landwirte ihre Flächen mit dem Traktor erreichen und bewirtschaften können. Dennoch sind Feldwege eben auch Lebensräume für Pflanzen und Tiere, die nicht in den Kulturflächen allein überleben können. Vor allem die Wegeränder bieten etwa bodenbrütenden Vögeln Deckung und Nahrung. Da auf Wegen der Boden nicht bearbeitet oder keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, wachsen und blühen dort Kräuter und Gräser, die als Anfang der Nahrungskette für Insekten wichtig sind.

Landwirte registrieren selbst den Rückgang von Arten“, zitiert Schwarz nach seiner Meinung „Bahnbrechendes“ aus einem Internetbeitrag der Gemeinde Worms-Abendheim.

Das geschieht bei den Landwirtschaft betreibenden Maßweilerern offensichtlich nicht wie beim Wormser Bauernverband, so Schwarz. Ein Umweltingenieur von der Wormser Stadtverwaltung, der beim Treffen anwesend war, stellte dabei fest, dass nicht nur Insekten den Lebensraum benötigen, auch Hasen und Rehwild finden hier wichtige Kräuter. Allerdings wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten diese Flächen so intensiv gepflegt, dass eine Vielzahl der Kräuter verloren ging.

Der Umweltexperte stellt deshalb fest: Mähen und Mulchen von grasbewachsenen Wegen und Feldrainen ist in der Brut- und Setzzeit verboten. Schwarz verweist in diesem Zusammenhang auch auf das Bundesnaturschutzgesetz, insbesonders auf den Paragraphen 39, der sich mit dem allgemeinen Schutz wildlebender Tiere und Pflanzen befasst.

„Wir werden einen vernünftigen und nachhaltigen Natur- und Artenschutz in Maßweiler nur dann erreichen, wenn alle Beteiligten sich zusammensetzen und ein Konzept erstellen. Nur wenn wir in Maßweiler alle an einem Strang ziehen, werden wir hier erfolgreich werden, mit Beschimpfungen und Vorhaltungen erreichen wir gar nichts dergleichen“, sagt Schwarz. Vorgenommen hat er sich deshalb für den Herbst, alle landwirtschaftlich Tätigen zu einem runden Tisch einzuladen, um dort einen Konsens über künftiges Handeln zu erreichen und dieses soll auf jeden Fall bestimmt werden von der gemeinsamen Sorge um den Schutz und Erhalt von Pflanzen- und Tierwelt.

Er selbst ist schon seit Jahren in dieser Absicht aktiv. Das demonstriert er unter anderem mit seiner 35 000 Quadratmeter großen naturbelassenen Wiese, auf der viele sonst nicht mehr blühende Kräuter zu sehen sind. Gemäht wird das Gelände lediglich einmal pro Jahr.