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Prasselnder Applaus für Euroclassic-Auftakt

Prasselnder Applaus für Euroclassic-Auftakt

Eigentlich leben die Geschwister Steckel sehr weit voneinander entfernt. Für den Auftakt des Festivals Euroclassic haben sie jetzt aber wieder zusammengefunden – im Wohnort ihres Onkels: in Hornbach.

Ein ausverkauftes (Gottes-)Haus und ein fulminantes Konzert unter Beteiligung von drei Geschwistern, die aus der Region stammen - viel mehr geht eigentlich nicht bei einem Festival-Auftakt. Anna Theresa, Valentin und Julian Steckel sind in Pirmasens groß geworden; die Geigerin, der Bratschist und der Cellist haben schon als Kinder im Trio gespielt und mit einer weiteren Geige 1999 den ersten Bundespreis von Jugend musiziert in der Kategorie Streichquartett gewonnen.

Jetzt haben sich die Wege der Drei in alle Winde zerstreut: Anna Theresa spielt im Gewandhaus-Orchester Leipzig, Valentin lebt heute im Ruhrgebiet, während Julian Professor für Cello in Rostock ist. "Die Zeit lässt es kaum zu, dass wir mal zusammen spielen", sagte Anna Theresa Steckel nach dem Konzert. Ihr in Hornbach lebender Onkel habe aber den Wunsch gehabt, die Drei könnten mal an seinem Wohnort auftreten.

Mitgebracht hatten die Steckels fünf weitere hoch dekorierte junge Musiker: Suyeon Kang, Philipp Bohnen und Miguel Colom (alle Geige ), Rosa George (Bratsche) und Jakob Stepp (Cello). Gespielt wurden Jugendwerke von Mozart und Felix Mendelssohn-Bartholdy , die sie schon im Alter von 15 beziehungsweise 16 komponiert hatten. Das Divertimento D-Dur zeugte ebenso wie das anschließende Divertimento in B-Dur von der überschäumenden Energie Mozarts als junger Komponist; gerade das Allegro di molto des zweiten Divertimentos verlangte dem Oktett alles an Virtuosität ab. Da wechselten sich laute Viertelschläge mit messerscharfen Läufen ab, wurde die ganze dynamische Bandbreite bei einem mörderischen Tempo benutzt. Ähnlich gestaltete sich das beim Presto, dem letzten Satz des Oktetts in Es-Dur von Mendelssohn-Bartholdy, das den krönenden Abschluss eines äußerst gelungenen Konzerts gab.

Die Geschwister Steckel und Freunde gehören sicher zu den musikalischen Delikatessen des Festivals. Zweibrückens Kulturamtsleiter Thilo Huble, der das Festival als Projektleiter gestaltet, ging sogar noch weiter und sprach in seiner Eröffnungsrede von einer "größeren Vorspeise" - er sollte recht behalten.

Zum Ende prasselte der Applaus wie das derzeit lange nicht gehörte Regengeräusch auf die acht Musikerinnen und Musiker herab; auch gab es Rufe der Entzückung mitten im Beifall. Kurz bevor das Klatschen abebbte, besann sich das Oktett und gab eine kurze Zugabe, eine verkürzte Wiederholung eines Mozart-Satzes, bei dem das Ensemble eine Melodie kurzerhand pfiff - eine hübsche Idee, die die gute Laune des Abends verstärkte.