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„Politiker müssen sich Gedanken machen“

„Politiker müssen sich Gedanken machen“

Der russische Boykott und das Aufheben der Milchquoten sorgen bei den Milchbauern in unserer Region für spürbare finanzielle Einbußen. Erste Landwirte stellen deshalb Investitionen zurück – und warnen vor Folgeschäden für den Maschinenbau.

Über herbe Einbußen klagen die Milchbauern im Zweibrücker Land. Der Preis für Kuhmilch ist seit dem Frühjahr im Fallen. Das Aufheben der Milchquote ist einer der Faktoren. Für Kreisbauernverbandschef Uwe Bißbort ist es aber insbesondere das von Russland verhängte Einfuhrverbot westlicher Lebensmittel nach den Sanktionen des Westens gegen Russland, das den Milchbauern schwer zu schaffen macht (wir berichteten). Bißbort ruft deshalb die Bundeskanzlerin dazu auf, über ihre Russland-Politik nachzudenken. "Natürlich verurteilen wir die Ereignisse in der Ukraine, aber wer bekommt es denn zu spüren, wir Bauern ." Merkel solle nicht 1:1 das übernehmen, was die USA vorgäben: "Deren Landwirtschaft leidet nicht darunter, aber die westeuropäische Landwirtschaft muss die Zeche zahlen."

Dicht bei 40 Cent lag der Molkereipreis für den Liter Milch. Dieser ist inzwischen auf 28 Cent gesunken. Auch für den kleineren Milchbauern Wilfried Sehwohl aus Battweiler ein spürbarer Verlust. Rund zehn Cent Unterschied sind für seinen kleineren Betrieb eine Stange Geld. Aber, jetzt zahle sich aus, dass sein Betrieb sich noch nie ganz auf die Milcherzeugung fixiert habe.

Milchbauer Jörg Klein aus Winterbach hadert gleichfalls mit dem Preisverfall. Allerdings, im Augenblick seien 28 Cent gerade noch auskömmlich. Investition für den Ackerbau stellte der Landwirt im Augenblick allerdings zurück. "Wir müssen die Entwicklung einfach abwarten." Damit werde wiederum der landwirtschaftliche Maschinenbau geschwächt. "Darüber müssten sich die Politiker mal Gedanken machen", sagt auch Jörg Klein. Als damals 2008 der Milchpreis unter die Marke von 20 Cent je Liter fiel, war die betriebliche Existenz wahrlich gefährdet. An den Protesten damals nahmen Ehefrau Monika und Jörg Klein aktiv teil. Diese Zeit möchten sie nicht noch einmal durchleben, zumal der Bauer sich nicht allein diesem Problem ausgesetzt fühlt. Klein: "Wenn ich in Fernsehsendungen mitansehen muss, wie unqualifiziert mit meinem Berufsstand umgesprungen wird, dann muss ich mir schon die Frage stellen, warum wir uns als Großfamilie das alles aufbürden und antun." Jörg Klein denkt dabei an die Schlachtung von trächtigen Milchkühen, welche deshalb ins Visier von Berichterstattern gerieten. Niemand denke dabei an die hohen Kosten für Veterinäre und alles, was dazu zähle. "Wenn eine schwangere Milchkuh noch eine hochgradige Euterentzündung dazu bekommt, dann muss man sich unter dem Kostendruck einfach die Frage stellen, ob man nicht die Reißleine zieht und ein Tierverkauf die beste Lösung ist. Früher kannte ich das Geburtsdatum unserer Kühe im Stall, doch das ist doch selbst in unseren Kleinbetrieben längst nicht mehr der Fall. Die Entwicklung ist auch hier eine andere."