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Pfarrerin Silke Gundacker hat ihren Heilig-Abend-Gottesdienst auf Video

Pfarrerin Silke Gundacker hat ihren Heilig-Abend-Gottesdienst auf Video : Fertige Konzepte in der Schublade

Wie die Heilig-Abend-Gottesdienste in diesem so merkwürdigen Jahr stattfinden können, ist noch längst nicht klar. Pfarrerin Silke Gundacker hat sich mithilfe von Professor Gerhard Schmidt gut vorbereitet.

„Der Heiland ist geboren“, liest Silke Gundacker. In vollem Ornat mit Talar und Bäffchen, im Hintergrund ein weißer, leuchtender Herrnhuter-Stern und ein üppig roter Christstern, schaute die evangelische Pfarrerin in der leeren Rieschweiler Kirche bald in ihren Predigttext, bald in ihre fiktive Gemeinde, bald in die Kamera. „Das ist die Hauptkamera“, hatte ihr Gerhard Schmidt zuvor erklärt.

Bereits Mitte November nahmen die beiden den Heilig-Abend-Gottesdienst auf Video auf. „Man weiß ja noch gar nicht, was an Weihnachten sein wird, ob und wie wir überhaupt Gottesdienst halten können“, erinnert die Pfarrerin an die allgemeine Lage und die unsichere Zukunft mit ihren Unwägbarkeiten. Für ihre neue Pfarrgemeinde mit den Orten Rieschweiler, Maßweiler und Reifenberg hat sie bereits jetzt gleich drei oder vier fertige Konzepte in der Schublade liegen, wie der Heilige Abend ablaufen könnte.

„Zwei oder drei Stationen mit den Kindern im Freien“, wünscht sie sich, zum Beispiel in Maßweiler am Dorfbrunnen und in Rimschweiler auf dem Kirchenvorplatz. Und vielleicht gleich mehrere Gottesdienste, damit möglichst viele Gläubige daran teilnehmen können. „Heilig Abend ist die Kirche hier in Rieschweiler komplett besetzt, inklusive der Empore“, weiß sie. Da ohnehin in diesem Jahr nicht alle kommen können oder auch wollen, geht die 54-jährige Neu-Maßweilerin auf Nummer sicher.

Doch wie schafft man es, sich schon Wochen vor dem Fest in die richtige Weihnachtsstimmung zu versetzen, wenn noch nirgends dekoriert ist? Hat sie schon Plätzchen gegessen, Christstollen gebacken, Weihnachtslieder gehört, ein Kerzenmeer entzündet? Lachend schüttelt Silke Gundacker den Kopf: „Nein, nichts von dem. Das fängt bei uns zu Hause tatsächlich erst mit dem ersten Advent an.“ Doch, einmal sei sie ihrer Vorliebe für Lebkuchen erlegen, die Ehemann Jürgen so verführerisch ins Wohnzimmer gelegt hatte.

Die beruhigte Zeit mit deutlich weniger Terminen nutzte sie kreativ und machte sich ganz viele Gedanken. An zwei ganz ruhigen Abenden, wo Ehemann, Kinder und Hund nicht im Haus waren, stimmte sich die Pfarrerin mental auf das diesjährige Christfest ein, entwarf und feilte ihre Predigt, Begrüßung und Verabschiedung, die Fürbitten und wählte die Lieder aus.

Diese nimmt Gerhard Schmidt mit Gemeindekantor Jan Becker an der Orgel gesondert auf. „Wir filmen jetzt nur die Texte“, informiert der engagierte Rimschweiler, der neben seiner Lehrtätigkeit als Professor an der Hochschule Zweibrücken seit dem Sommer vorwiegend in Sachen Weihnachten auf „www.menscheninzweibruecken.de“ unterwegs ist. Hier wird der Gottesdienst ab dem Heiligen Abend zu sehen sein.

Mit seiner lichtstarken Fotokamera auf Videofunktion und seiner Handykamera für Aufnahmen im Halbprofil ist der Dozent für Mathematik, Informatik und Mikrosystemtechnik bestens ausgestattet. So gut, dass er selbst in der abendlichen Kirche keine zusätzlichen Scheinwerfer benötigt, sondern nur ein ganz unauffälliges Funkmikrofon.

Weil er Online-Formate auch für seine Studenten braucht, hat sich der ökumenisch denkende Katholik seit dem ersten Lockdown technisch erheblich aus- und weitergebildet. „Text ist einfacher aufzunehmen als Musik“, zwinkert er und berichtet über seine Erfahrung mit dem Perfektionsanspruch von Sängern und Instrumentalisten.

Doch auch Silke Gundacker möchte ihre Predigt ein zweites Mal gefilmt haben, um die besten Teile daraus zu kombinieren. Ganz anders als in den vergangenen Jahren sollte der Schwerpunkt sein und vor allem zeitgemäß. Aus zahlreichen Gesprächen mit Menschen jeden Alters weiß die Religionslehrerin an der IGS Contwig, was diese von den Jugendlichen bis zu den Senioren bewegt, welche Gedanken sie sich machen, welche Sorgen sie umtreiben. Gerade in diesem so außergewöhnlichen Jahr. Dies alles hat sie in ihre Predigt einfließen lassen.

Während sie mit ihrem „Auftritt“ fertig ist, fängt für Gerhard Schmidt die Arbeit nach den Aufnahmen erst richtig an. Das sei der geringste Aufwand. „Rund sechs Stunden“ schätzt der Filmamateur, werde er brauchen, bis der Weihnachtsgottesdienst aus Rieschweiler sendefertig ist.

Gewürzt wird er mit Innen- und Außenaufnahmen, damit die Menschen an den Bildschirmen wenigstens virtuell in „ihre“ Kirche kommen können. Das Gute daran: Die bekannten und beliebten Lieder können zu Hause dann auch laut mitgesungen werden.