Nostalgie und schmutzige Finger

Biedershausen. Das Szenario am Samstag war in der Dorfmitte geradezu filmreif. Frauen mit festem Schuhwerk, weißen oder blauen Kopftüchern überm Haar, blauen Arbeitsschürzen, auf der linke Seite einen Flechtkorb mit Jutesäcken und über der rechten Schulter die Kartoffelhacke, die allgemein "Karschd" genannt wird. Die Männer ebenfalls im Outfit von anno dazumal

Biedershausen. Das Szenario am Samstag war in der Dorfmitte geradezu filmreif. Frauen mit festem Schuhwerk, weißen oder blauen Kopftüchern überm Haar, blauen Arbeitsschürzen, auf der linke Seite einen Flechtkorb mit Jutesäcken und über der rechten Schulter die Kartoffelhacke, die allgemein "Karschd" genannt wird. Die Männer ebenfalls im Outfit von anno dazumal. Selbst die Traktoren passten ins Bild, denn es waren Oldtimer.Von Knopp, Krähenberg, Schmitshausen, Weselberg, fast allen Ortschaften der Verbandsgemeinde kamen Helfer und Schaulustige, Ortsbürgermeister Thomas Büffel stand ein erstes Mal die Freude schier ins Gesicht geschrieben. Aufsitzen ist dann die Losung am Buswendeplatz. Auf Pritschenwagen und Rollen findet ein Großteil der Erntehelfer Platz, andere schließen sich im Pkw dem Lindwurm an, den Hans-Georg Ernst mit seinem blubbernden Lanz wenig später anführt und Richtung Krähenberg geleitet. Kindergärtnerin Steffi Marhöfer-Huber vom Wallhalbener Hort hat mit 18 Vorschulkindern auf einem ganz besonderen Kastenwagen mit den Kleinen Platz genommen und die fiebern dem kommenden Ereignis geradezu entgegen. Bald ist der Kartoffelacker des Gemeindemitarbeiters und Ratsmitgliedes Gerhard Süs erreicht. Kaum dort angekommen, geht es schon los. Die Kinder sind schier aus dem Häuschen. Frauen und Männer zeigen wie einst mit dem "Karschd", dem Erntegerät mit den beiden eisernen Zacken, die Kartoffel aus der Furche geholt wird. Die Kinder, nach dem Vorbild der Erwachsenen originell herausgeputzt, klauben sie auf, der sechsjährige Tim Buhles aus Hettenhausen gräbt mit seinen kleinen Händen nach dem gelben "Ackergold", das in diesem Jahr prächtig gediehen ist, wie Hildegard Süs mit einem Prachtexemplar von fast einem Kilo demonstriert.

Die Vesper auf dem Feld ist ein Laben für alle. Mit ofenfrischem Brot von großen Rundlaiben. Wurst, "Kässchmeer" und vor allem einem köstlichen Pflaumenmus, dem "Latwerch" von Wilma Fuhrmann. Doch damit nicht genug, beim Dorfgemeinschaftshaus dann der Ausklang mit Kartoffelsupp, Kartoffelpuffern und selbst gemachtem Apfelmus und jeder Menge Kuchen. Alles haben die Biedershauser Frauen selbst gekocht und gebacken.