Nicht das Gelbe vom Ei

Contwig/Zweibrücken. Gammelfleisch, Analogkäse, Dioxin-Eier: Die Verbraucher dürften inzwischen gehörig die Schnauze voll haben. Doch schlimmer geht immer

Contwig/Zweibrücken. Gammelfleisch, Analogkäse, Dioxin-Eier: Die Verbraucher dürften inzwischen gehörig die Schnauze voll haben. Doch schlimmer geht immer. Manfred Nafziger, Betreiber des Biobetriebs Wahlbacherhof bei Contwig und Vorsitzender der Arbeitsgruppe ökologischer Landbau Rheinland-Pfalz/Saarland, setzt noch eins oben drauf: "Die aktuelle Sorge um Dioxin in Eiern verwundert mich etwas. Unsere Umwelt ist so stark mit Dioxin belastet, dass fast alle Lebensmittel inzwischen eine Grundbelastung mit diesem Gift aufweisen!" Nafziger, der seit vielen Jahren Bio predigt und unternehmerisch lebt, sieht keine Chance auf Abkehr von Gammelfleisch und Analogkäse, wenn der Verbraucher seinen Konsum nicht ändert. Statistisch gesehen esse jeder Bürger im Schnitt 60 Kilo Fleisch pro Jahr und über 200 Eier. Da sei es eine logische Konsequenz, dass die konventionelle Landwirtschaft, die von den Supermärkten unter einen brutalen Preisdruck gesetzt würden, immer mehr zu Tricks griffen, um die gewaltigen Mengen zum geforderten Spottpreis zu liefern.Was kann der Einzelne tun, um diesen Negativ-Trend zu stoppen? Nafziger (Foto: pma/hth) hat eine Antwort parat, die den wenigsten schmecken dürfte: "Weniger Fleisch essen. Ich bin auch kein Vegetarier, aber es muss nicht jeden Tag Fleisch sein." Und wenn, dann müsse das Schnitzel nicht gleich über den Teller lappen, mahnt er. Dazu müsse den Verbrauchern klar werden, dass sie das Fleisch nicht für ein paar Cent bekommen können, wenn es eine anständige Qualität haben soll. Nafziger will aber nicht nur Schwarzmalen. Der Biobauer beobachtet erleichtert, dass mittlerweile viele Bürger mehr regionale Produkte verlangen. "Dieser Trend bietet eine Chance", freut sich der Landwirt. "Zu diesem Prozess des Umdenkens gehört auch, dass man nicht unbedingt im Winter Erdbeeren isst. Man sollte generell, soweit möglich, darauf achten, dass man Lebensmittel kauft, die in der Region erzeugt wurden. Alles andere belastet die Umwelt durch Lkw-Transporte enorm."

Auf Molkerei-Produkte etwa verrieten Kürzel, wo die Butter herkomme. "RLP" stehe für Rheinland-Pfalz, "SL" für das Saarland. Butter, Eier, Fleisch, Obst und Gemüse aus heimischen Gefilden auf den Teller - das ist für Nafziger ein Schritt in die richtige Richtung, das Gelbe vom Ei.