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Neuntklässler als Unternehmer tätig

Neuntklässler als Unternehmer tätig

Wie viel Verkaufspersonal ist nötig? Welche neuen Produkte wollen die Kunden? Wie bringt man Ordnung in den Pausen-Ansturm? Mit solchen Fragen beschäftigen sich knapp 30 Schüler, die den Kiosk der IGS Contwig betreiben.

Der Schulkiosk - das war früher oft das Reich des Hausmeisters, der den Schülern Getränke und Snacks verkaufte. Auch in Contwig . Doch jetzt ist an der IGS (Integrierte Gesamtschule) der Hausmeister vom Verkäufer zum Kunden geworden. Denn die Marktwirtschaft hat Einzug gehalten. Nicht in Form einer Firma, die mancherorts den Hausmeister bei dieser Aufgabe abgelöst hat - in Contwig betreiben Schüler den Kiosk.

18 Neuntklässler des Wahlpflichtfachs "Wirtschaft" (geleitet vom Lehrer Felix Schwarz und der pädagogischen Fachkraft Heidi Hüther) kümmern sich um den Kiosk, unterstützt durch fast ein Dutzend Freiwillige aus anderen Klassen. Wie oft in der echten Wirtschaft ist auch beim Schulkiosk Bereitschaft zu Überstunden gefragt: Wer Kiosk-Dienst hat, "muss eine Viertelstunde vor Unterrichtsbeginn da sein und zum Beispiel Brötchen belegen, damit für die erste Pause alles fertig ist", berichtet Mario Thaglialegna. In beiden großen Pausen hat der Kiosk geöffnet, jeweils besetzt mit vier Schülern. Florian Kahlefeld: "Wir haben es mit weniger probiert, da wurden wir aber bis Ende der Pause nicht fertig." Die Schule hat rund 500 Schüler . "Anfangs gab es immer Gedränge", erinnert sich Michelle Herrmann. "Mittlerweile haben wir das aber unter Kontrolle." Die Kiosk-Betreiber hatten nämlich die Idee, ihre Kunden sich in Zweierreihen ordentlich anstellen zu lassen. Mehr Verkäufer könne man nicht in den Kiosk stellen: "Mit fünf Leuten den Kopf durch das kleine Kiosk-Fenster zu stecken, geht nicht."

Die Renner bei den Kunden sind Vanille-, Schoko- und Erdbeer-Milch. Geachtet wird auch darauf, regionale Produkte zu verwenden - so kommen Brötchen und Salami aus Contwiger Betrieben. Montag ist Aktionstag, das heißt, es gibt etwas Besonderes, etwa "warme Sachen wie Pizzabrötchen oder Würstchen", erzählt Jana Maisch. Lehrer Schwarz hebt hervor: "Die Schüler entscheiden selbst, welche Produkte sie anbieten wollen und legen die Preise fest." Worüber gibt es die größten Diskussionen? "Die Preise", antwortet Jannik Freyler. So kritisiert er: "Wir verkaufen die Pizzabrötchen für 50 Cent, das ist viel zu niedrig für den Aufwand." Auch die Zutaten seien teuer. Nächstes Schuljahr soll deshalb der Preis auf 80 Cent bis ein Euro erhöht werden.

Florian Kahlefeld verrät auch schon weitere Pläne für das nächste Schuljahr - der Kiosk geht nach Marktforschung auf Expansionskurs: "Wir haben eine Umfrage erstellt, was zusätzlich als Angebot gewünscht wäre. Wir wollen künftig nicht nur Essen und Trinken anbieten, sondern auch Alltagsdinge, die jeder Schüler braucht und manchmal fehlen wie Bleistifte oder Kleber."

Stichwort Geld: Wie in der echten Wirtschaft gibt es auch Geld für die Kiosk-Betreiber. Aber eher symbolisch: einen Euro pro Stunde. Davon gehen noch 20 Prozent "Mehrwertsteuer" ab. Die wird für Kiosk-Mobiliar oder einen "Betriebsausflug" genutzt, bei dem die Schüler hinter die Kulissen bei Globus gucken wollen, erzählt Jana Maisch. Honoriert wird der Einsatz der Kiosk-Betreiber oft auch mit Trinkgeld. Dieses kommt in eine gemeinsame Kasse, die ebenfalls für den Betriebsausflug verwendet wird.