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Neue Tiger in Tierauffangstation Maßweiler

Zwei neue Tiger in der Tierauffangstation Maßweiler : Lautes Gebrüll aus der Kiste

Die beiden neuen Tiger Jill und Sahib sind in Tierauffangstation Maßweiler angekommen.

Die Region hat zwei prominente „Neubürger“: Die sibirischen Tiger Jill und Sahib sind in die vom Verein Tierart und der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ betriebenen Tierauffangstation in Maßweiler eingezogen.

Jill (weiblich, 13 Jahre) und Sahib (männlich, 14 Jahre) sind Geschwister und stammen aus einer deutschen Nachzucht in einem Zoo. Viele Jahre traten beide zusammen mit zwei weiteren Tigern in einem Zirkus auf. Der Passauer Weihnachtszirkus war für die beiden nun die Endstation. Durch die Corona-Krise hatte ihr Besitzer Sascha Prehn für das laufende Jahr sämtliche Engagements und die damit verbundenen Einnahmen verloren. Schweren Herzens entschloss sich der freiberufliche Tiertrainer, das Zirkusbusiness aufzugeben.

Prehn fällt es bei der Übergabe in Maßweiler sichtlich schwer, sich von seinen Tieren zu trennen. „Es ist, als ob man seine Kinder hergibt“, sagt er mit trauriger Stimme. Zweimal täglich hat Prehn in der Vergangenheit mit den Tigern trainiert. Zuletzt haben die Tiere auf einem etwa 400 Quadratmeter großen Areal, bestehend aus einem Zirkuswagen mit angebautem Freigehege, in der Nähe von Neustadt an der Weinstraße gelebt.

Bundesweit, so erzählt der Tiertrainer, hat er nach einem guten Zuhause für seine „Kinder“ gesucht. So kam auch der Kontakt mit Tierart zustande. „Beschäftigung ist für die Tiere alles“, sagt der Tiertrainer und hofft, dass im neuen Zuhause dafür genug Möglichkeit besteht. Auch hatte Prehn es sich nicht nehmen lassen, die Tiger auf dem Transport nach Maßweiler zu begleiten.

Ein großer Vorteil für das Gelingen der Aktion, wie Florian Eiserlo, der die Tierauffangstation leitet, am Ende des Tages mitteilte. Strahlendes Lächeln auch bei der Direktorin von „Vier Pfoten“, Joana Dunkler, und der Tierärztin Julia Bohner, die beide extra aus Wien angereist waren. Auch sie gehörten zum Tross, der die Tiger auf ihrer Reise durch die Pfalz begleitet hatte.

Jede Menge kräftiger Männer und Frauen waren für den Transport in den Innenraum des Gebäudes notwendig, denn die beiden Tiger sind alles andere als Leichtgewichte. Mit stolzen 210 Kilogramm lag Sahib beim Begrüßungswiegen weit über seiner Schwester Jill mit knapp 180 Kilogramm. Professionell und unter größtem Sicherheitsaufwand ging es auf die letzten Meter zum Innengehege, wo die Tiere zur Beobachtung und Eingewöhnung erst einmal ein paar Tage bleiben. Die Tiger nahmen den Umzug ziemlich gelassen, sind sie doch durch ihr bisheriges Leben viele Transporte gewohnt. Einzig Tigerdame Jill ließ ab und zu durch lautes Gebrüll erkennen, dass keine Schmusekatzen in den schweren Transportkisten sind.

In der neuen Umgebung schien es den beiden Großkatzen auf Anhieb zu gefallen. Durch eine Durchgangstür besuchte Sahib schon nach wenigen Minuten seine jüngere Schwester. Für Prehn war nun die Zeit gekommen, von seinen Tigern Abschied zu nehmen – und für die begleitenden Kameraleute und Fotografen ein kurzer Moment, die Neuankömmlinge abzulichten.

Neuzugang Sahib inspiziert sein neues Innengehege in Maßweiler. Foto: Hans Pertsch

Mit dem Einzug der neuen Tiger sind alle Raubtierkäfige wieder belegt. Im Oktober vergangenen Jahres wurden die Tiger Bela und Sharuk in ein Großkatzenreservat in Südafrika übergesiedelt. Den beiden in Maßweiler verbliebenen Tigerdamen Cara und Varvara war der Trubel um die Ankunft ihrer neuen Mitbewohner nicht entgangen. Aufmerksam beobachteten sie das Geschehen rund um die Käfiganlage.