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Nächtlicher Kraftakt am HornbachViele Keller laufen voll

Nächtlicher Kraftakt am HornbachViele Keller laufen voll

Mauschbach. Ein halber Meter fehlte, dann wären die schmutzig-braunen Hochwasserfluten wie zu Weihnachten 1993 wieder in Wohnhäuser der unteren Ortslage Mauschbachs geflossen. Bei Rosemarie Bruck, dem Anwesen nahe der Flut- und Straßenbrücke für die Landstraße 487, hatten Feuerwehrleute bereits schützende Stahltüren angebracht, um ein mögliches Eindringen der Wassermassen zu verhindern

Mauschbach. Ein halber Meter fehlte, dann wären die schmutzig-braunen Hochwasserfluten wie zu Weihnachten 1993 wieder in Wohnhäuser der unteren Ortslage Mauschbachs geflossen. Bei Rosemarie Bruck, dem Anwesen nahe der Flut- und Straßenbrücke für die Landstraße 487, hatten Feuerwehrleute bereits schützende Stahltüren angebracht, um ein mögliches Eindringen der Wassermassen zu verhindern. "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste", sagte Wehrführer Jürgen Conrad.In den Abendstunden musste am Mittwoch die örtliche Wehr ausrücken. Die Rettungsleitstelle in Landau löste den Alarm aus. Die Wassermassen hätten Silageballen angeschwemmt und vor den einen Brückendurchlass getrieben, so die Meldung der Alarmauslöser. Doch schnell mussten die Floriansjünger erkennen, dass ihre Einsatzmöglichkeit in diesem Fall mehr als begrenzt waren. Es fehlte technisches Gerät. Das sahen auch die am Brückenkopf inzwischen eingetroffenen Beamten der Schutzpolizei und der Straßenmeisterei Waldfischbach-Burgalben ein. Das THW wurde alarmiert, Andreas Wild von der Ortsgruppe Hauenstein auf den Plan gerufen. Schnell waren die Helfer aus Zweibrücken und Saarbrücken alarmiert. Die Rosenstädter mit ihrem Beleuchtungstrupp, die Saarbrücker mit ihrem 20-Tonner-MAN der mit einem Hydraulikkran ausgestattet ist. "Wir ergänzen uns in den Ortsverbänden, das ist alles bis ins Detail strukturiert", stellte der 39-jährige Gerd Wagner fest. Sein Geld fürs tägliche Brot verdient der THW'ler aus Leidenschaft bei Terex-Demag in der Abnahme, schon 25 Jahre versieht Wagner seinen THW-Dienst.

Die fünfköpfige Zweibrücker Beleuchtungsgruppe, in der auch die 23-jährige Nadine Recktenwald Freizeit opfert um Menschen in Notlagen zu helfen, machte im Mauschbacher Brückenbereich die dunkle Winternacht zum Tag. Vier HQI-Strahler mit je 1000 Watt und zwei Halogenstrahler mit einer Stärke von 1500 Watt erlaubten beste Einsicht auf die Gefahrensituation. Das Ansteigen des Wasser war mit bloßem Auge zu erkennen. Gegen ein Uhr kamen auch die beiden saarländischen Nothelfer. Die 13 Silageballen die vollgesogen nun rund eine Tonne wogen, waren in zwei Stunden aus den Fluten geholt. Nachdem die Baggerschaufel mit den Hydraulikschläuchen verbunden waren, lief alles wie am Schnürchen: greifen, hochhieven, auf dem Laster zwischenlagern und dann zum Zwischenlager beim Ehrenmal bringen. Die Saarbrücker Bernd Seiler und Markus Dittmann sind ein eingespieltes Team. Gegen fünf Uhr hatten sie ihren Einsatz in der Westpfalz zu Ende gebracht. Hornbach. "Das inzwischen erstellte Hochwasserkonzept muss jetzt auf dem schnellsten Weg umgesetzt werden. Wenn ich dann aber vernehme, dass nunmehr erneut eine 30-Punkte umfassende Nachbesserung notwendig wird, kann ich mir an einer Hand abzählen, welche Ängste unsere hochwassergefährdeten Bürger in Hornbach, Mauschbach, Althornbach oder Contwig ausstehen müssen, bis endlich mit Baggereinsatz endlich dauerhafte Schutzvorkehrungen geschaffen werden". Stadtbürgermeister Reiner Hohn jedenfalls appelliert an alle Verantwortliche in der Hochwasserschutzfrage endlich "Gas zu geben".

"Wenn es in den nächsten Tagen wieder zu Niederschlägen kommen soll, dann wird die Lage angespannt bleiben", mutmaßt Verbandsgemeindewehrleiter Markus Schmidt, der den Einsatz der Feuerwehrleute und jener aus dem THW lobt. "Bis gestern in den Vormittagsstunden hatten wir allein in Althornbach, Contwig, Hornbach und Mauschbach 22 Einsatzorte, mussten Keller leerpumpen oder auch bei den Regenrückhaltebecken Geröll- und Schlammmassen aus dem Weg räumen, damit die Wassermassen zielgerichtet abfließen konnten." Vollgelaufene Keller hatte es vor allem in Althornbach und Hornbach gegeben, der Edeka-Einkaufsmarkt in Hornbach war noch gestern in den Nachmittagsstunden dabei, schützende Vorkehrungen zu treffen. Helfer befüllten Schutzsäcke mit Rheinsand, die für den Ernstfall im Markt deponiert wurden.

Bis Mitternacht war das große Rückhaltebecken in Dusenbrücken weitgehend geschlossen gehalten worden, bevor der kontrollierte Ablauf frei gegeben wurde. cos "Vorsicht ist

die Mutter der Porzellankiste."

Wehrführer

Wieder einmal staute sich das Wasser auf dem Areal nahe des Unternehmens MHD zu einer Seenplatte. Im Hintergrund ist Hornbach zu erkennen. Dort liefen viele Keller voll. Ebenso ernst war die Lage in Althornbach. Foto: cos

Jürgen Conrad