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Nadine Brinette (CDU) 100 Tage Bürgermeisterin von Contwig

Nadine Brinette : 100 Tage als erste Bürgermeisterin Contwigs

Nach einem bewegenden Start in das Ehrenamt war auch der Beginn der Amtszeit von Nadine Brinette ereignisreich.

100 Tage ist Nadine Brinette als erste, weibliche Bürgermeisterin der größten Ortsgemeinde der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, Contwig, im Ehrenamt. Eine kurze Zeitspanne, eine Eingewöhnungsphase zu einer großen Herausforderung in der Kommunalpolitik auf untersten Ebene, dafür direkt bei den Bürgern. 100 Tage Ortsbürgermeisterin als erste Frau in der Jahrhunderte langen Dorfgeschichte von Contwig und Stambach, wie hat Nadine Brinette diese Herausforderung erlebt?

Die gemachte Erfahrungen mitzuteilen, locker flockig Rede und Antwort zu stehen, frei von der Leber über die schönen und weniger angenehmen Dinge aus einem kommunalpolitischen Bereich zu reden der durchaus stressig sein kann – für Brinette wahrlich kein Problem, zumal die vielen neuen Eindrücke noch frisch vorhanden sind.

Los ging es mit der Übergabe eines großen Schlüsselbundes und freundlichen Worten der Ersten Ortsbeigeordneten Margit Ernst sowie derem geradezu mütterlichen Hinweis: „So liebe Nadine, jetzt hast du viel Verantwortung …“, was sichtlich von Herzen kam und positiv gemeint war. Mit der Erzieherin Margit Ernst verbrachte Nadine Brinette schon die Tage im Kindergarten; Ernst war dort zu einer wichtigen Bezugsperson geworden und hatte jetzt auch in den Tagen der Vakanz, den Tagen in denen Contwig nach dem überraschendem vorzeitigem Rücktritt von Karlheinz Bärmann (CDU) ohne Ortsbürgermeister war, dafür gesorgt, dass sich die Arbeitsberge nicht ins Unendliche türmten, sie für eine systematische Erledigung Vorgaben traf und Entscheidungsweichen schnell stellte.

Der förmlichen Amtseinführung an einem Freitagabend folgte montags dann die Schlüsselübergabe im neuen Rathaus am Marktplatz. Auch wegen der Lebendigkeit, Beschwingtheit, ja fast schon überbordernder Herzlichkeit ist dieser Amtsantrittstag Nadine Brinette ins Gedächtnis gemeißelt. Singende Kinder im Eingangsbereich des Rathauses, welches wegen der Bauprobleme derzeit zwangsweise als Kindertagesstätte genutzt werden muss, gute Wünsche und vielfaches Händeschütteln von allen Seiten, eine hilfsbereite Erste Ortsbeigeordnete. Und im Hintergrund Bernd Sefrin, schon bei den Amtsvorgängern Wilhelm Sefrin und Karlheinz Bärmann „Mädchen für alles“, Zuhörer, Ratgeber und Weichensteller, einfach ein rackerndes Bindeglied zwischen Bevölkerung und Dorfgeschehen einerseits und Verwaltung, „Obrigkeit“ und Richtungsgebern andererseits.

Diese Freundlichkeit ist natürlich seither nicht gewichen sondern gewachsen. Den Büroraum im Rathaus teilen sich inzwischen Kindergartenleiterin Karin Klein und Ortsbürgermeisterin Nadine Brinette, in deren Amtsstundenzeiten regelmäßig Probleme direkt besprochen werden können. Das Personal aus beiden Kindergärten in Contwig und Stambach hat schließlich den Umfang eines mittelständischen Unternehmens mit ausgebildeter Köchin und Koch in den Kita-Küchen, wo täglich frische Kost auf den Tisch kommt. Mit Lebensmittelprodukten aus dem Ort, oder ortsnahen Gehöften, was Nadine Brinette schon als erwähnenswert erachtet.

Dass die ehrenamtliche Führung der Amtsgeschäfte von einer Gemeindegröße wie Contwig ein 20-Stunden-Wochenjob sein kann, blanke Illusion ist, hatte Nadine Brinette schon erwartet, als es darum ging, sie für die Übernahme des vakanten Ehrenamtes zu gewinnen. Arbeitsintensiv sind die ersten 100 Tage gewesen. Täglich im Rathaus, oft genug von morgens bis frühen Nachmittag, wenn es darum ging, die eigenen Kinder an den Grundschulen abzuholen. Trotz Corona hat bei vier Ratssitzungen die neue Ortsbürgermeisterin erkennen lassen dass sie zuhören kann, kein Greenhorn in Sachen Kommunalpolitik ist, die Meinung aller hören will und auch unerfreulichen Themen positiv gegenüber steht, wie etwa die zum Ausbau der Hohlbachstraße, wo es um eine vielleicht im Vorfeld weniger bedachte lange Straßenvollsperrung mit den Erschwernissen für die Anlieger, insbesondere im Krankenstand oder Alter geht.

Der Umgang mit Fristen ist ihr inzwischen noch bewusster geworden, wie etwa die Rechtsquerelen um den Schaden beim Neubau des Kindergartens an der Maßweilerstraße zeigen. Oder den Problemen aus Straßenausbau im letzten Neubaugebiet und im alten Ortskern, wo ständige Sofortentscheidungen anstehen.

Wie schnell man ins kommunalpolitische Feuer geraten kann, erlebte die nun über 100 Tage im Ehrenamt weilende Brinette bei der Thematik „Vereinsförderung“ und nicht auffindbaren schriftlichen Richtlinien. Doch da wurde nicht lange gefackelt. Brinette kümmerte sich selbst um das Richtlinien-Grundgerüst, sorgte für eine Abstimmung im Ausschuss brachte es ohne großes Zusatzprozedere durch den Rat und konnte reihum nicht allein aus den eigenen politischen Stuhlreihen dafür Anerkennung verbuchen.

Das gilt ebenso für den Bürgerbus, den manche zunächst als profane Wahlkampfaktion abgetan hatten,  oder das Einführen der Glasfasertechnik im Ort, welche im Rat die Beratungshürde schon passiert hat, oder die Lösung bei der Bahnschranke, um nur einige Problemlösungen in Erinnerung zu rufen. Schon viele Bürger haben inzwischen festgestellt, dass sich die neue Ortsbürgermeisterin engagiert einzubringen versteht, den Bürgerkontakt sucht, Problemlösungen anstrebt.

Offene Türen empfingen Brinette auch bei der Verbandsgemeindeverwaltung in Zweibrücken, VG-Bürgermeister Björn Bernhard (CDU) stellte sie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterin persönlich vor.

Geschrumpft sind die Arbeitsberge keineswegs, im Gegenteil, neue kommen hinzu. Dabei ist auch Vorfreude angesagt, wie etwa der Vorsitz zur kommenden Sitzung im Ortskartell, wo die Vertreter der rund 40 Ortsverein erstmals mit der neuen Ortsbürgermeisterin am Tisch weilen und ins Gespräch kommen. Die Bedeutung der Ortsvereine ist für Nadine Brinette kein Lippenbekenntnis. Die in den Vereinen geleistete Arbeit anerkennen und nach Möglichkeit zu fördern, zählt weiterhin zur Ambition über die ersten 100 Tage im Ehrenamt hinaus.