Nach 30 Jahren noch nicht amtsmüde

Hannelore Stähly öffnet einmal in der Woche die Tür zur Gemeindebücherei im Dorfgemeinschaftshaus und wartet auf Lesekundschaft. Über 30 Jahren tut sie das schon. Ihr macht dieses Ehrenamt großen Spaß.

"Die längste Zeit habe ich hier den Dienst verrichtet. Nicht weil ich amtsmüde bin, sondern weil die Kinder und Erwachsenen, die sich in unserer kleinen Gemeindebücherei ein Buch ausleihen, immer weniger werden. Das Interesse schwindet, da können wir uns anstrengen wie wir wollen".

Hannelore Stähly wirft trotzdem nicht die Flinte ins Korn und wird auch weiterhin einmal in der Woche die Tür zur Gemeindebücherei im Dorfgemeinschaftshauses aufschließen und auf Lesekundschaft warten. Sie wird es weiter so praktizieren, wie sie das schon seit mehr als 30 Jahren tut.

Für den ehrenamtlichen Büchereidienst konnte sie der damalige Ortsbürgermeister Jakob Bischoff zusammen mit Gemeindediener Otto Weber gewinnen. "Weil ich damals in den 80er Jahren immer bei ihnen vorsprach, um Bücher auszuleihen, kamen sie auf den Gedanken, mir die Sache "anzudrehen". "Ei Hannelore, du kännschd das doch fer die Gemän mache, do dedschde zudem direkt an den Quell hogge", habe ihr damals Ortsbürgermeister Bischoff den ehrenamtlichen Dienst als Leiterin der Gemeindebücherei schmackhaft gemacht. Lange Zeit zum Überlegen beanspruchte die gebürtige Hornbacherin, die der Liebe wegen Ende der 60er Jahre in den Nachbarort gezogen war, nicht, schließlich ist sie selbst stets eine Leseratte gewesen. Warm anziehen muss sich Stähly, die als Entschädigung lediglich beim Jahresabschlussessen der Gemeinderatsmitglieder mit am Tisch Platz nehmen darf, vor allem in den Wintermonaten. Dann sind die Raumtemperaturen im Obergeschoss des Dorfgemeinschaftshauses nicht gerade einladend; die Heizung extra für die Ausleihzeit von einer Stunde in der Woche hochzufahren, rentiere sich nicht.

Manchmal kommt dann doch kein Mensch, deshalb hat es sich eingespielt, dass die Handvoll Ausleiher schon mal einen Termin mit Stähly vereinbaren. Die Werbetrommel fürs Lesen rührt die Büchereileiterin aus Passion, wo immer es möglich ist. Autorenlesungen werden organisiert und als die gebürtige Hornbacherin Dagmar Schlachter-Römling als Kinderbuchautorin mit ihrem Erstlingswerk aufwartete, sei der Andrang von Jugendlichen groß gewesen.

Dabei gebe es immer wieder neue Bücher , stellt Stähly fest und berichtet von dem Angebot der Büchereistelle Neustadt/Weinstraße, das inzwischen solchen Kleinbüchereien wie der in Mauschbach gemacht wird. "Wir hatten einen Zuschuss vom Landkreis zur Bücherbeschaffung bekommen. Meist so um die 150 Euro. Aber dafür kann man nicht viele Bücher kaufen, selbst wenn die Gemeinde einen Betrag in gleicher Höhe beisteuerte."

Weitere Medien wie CD's oder gar digitale Bücher verleiht Stähly in ihrem Heimatort nicht. "Das haben wir von allem Anfang an ausgeschlossen, weil sich das für unseren Ort nicht rentieren würde".

Ihr Engagement für die Bücherei war jedoch bei der Mutter zweier Kinder schon immer groß und noch heute erinnert sie sich gern an die Fahrt mit dem späteren Ortsbürgermeister Hans Stadler in die Vorderpfalz, wo sie kostengünstig Buchregale von einer Gemeindebücherei erstanden, die schließen musste. "Hoffentlich bleibt mir sowas erspart und solange noch kleine oder große Ausleiher zu uns kommen, werde ich für sie da sein", sagt sie.