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Mobbing im Internet: Das Hofenfels beugt vor

Mobbing im Internet: Das Hofenfels beugt vor

Datenschutz ist seit den siebziger Jahren ein Thema in Deutschland. Seitdem wurde darunter vor allem verstanden, mit gesetzlichen Schranken den "gläsernen Menschen" zu verhindern. Seit einigen Jahren jedoch steigt die Zahl der Menschen rasant an, die sich selbst (mehr oder weniger bewusst) zum gläsernen Menschen machen - in dem sie im Internet Privates weltweit öffentlich machen

Datenschutz ist seit den siebziger Jahren ein Thema in Deutschland. Seitdem wurde darunter vor allem verstanden, mit gesetzlichen Schranken den "gläsernen Menschen" zu verhindern. Seit einigen Jahren jedoch steigt die Zahl der Menschen rasant an, die sich selbst (mehr oder weniger bewusst) zum gläsernen Menschen machen - in dem sie im Internet Privates weltweit öffentlich machen. Doch auch die Schutzbedürftigkeit wächst durch das Internet. Denn nicht allen Nutzern ist bewusst, was sie durch einen allzu leichtfertigen Umgang mit dem Internet sich selbst und anderen damit antun können. So bringt sich mancher Nutzer sozialer Netzwerke mit allzu freizügigen Bildern und Informationen über sich selbst um Karrierechancen - und auch an Zweibrücker Schulen nimmt das "Cyber-Mobbing" erheblich zu (wir berichteten mehrfach). Ein Problem, mit dem sich viele Schulen beschäftigen. Das Hofenfels-Gymnasium zum Beispiel hat gerade ein gemeinsames Projekt mit der Zweibrücker Fachhochschule, "Verantwortungsvoller Umgang mit dem Internet". Studenten bildeten Zehntlässler aus, diese wiederum gaben als "Multiplikatoren" ihr Wissen alle vier sechsten Klassen weiter, berichtet Lehrerin Barbara Schindler. Schindler denkt mit Professorin Ruth Bartels bereits darüber nach, das Projekt im Wintersemester fortzuführen - dann mit älteren Schülern, vielleicht auch Eltern. Schwerpunkte waren diesmal der Umgang mit eigenen Daten und Mobbing im Internet. Dies sei im Schulalltag "ständig ein Thema", hat die Studienrätin beobachtet. Gerade erst sei wieder eine Mutter bei ihr gewesen, deren Kind - trotz der Altersgrenze von 14 Jahren - im Netzwerk "Wer kennt wen" angemeldet sei und dort nachmittags mit "bösen Schimpfwörtern" gemobbt werde. Das gab es im Vor-Internet-Zeitalter zwar auch schon, erläutert Schindler: "Da stand das aber auf Zettelchen, die unter der Bank rumgereicht wurden. Jetzt ist es im Internet für alle sichtbar." Und Wirtschaftsinformatik-Student Philippe Gerstner-Riewer, der das Internet-Projekt im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit betreute, sagte den Multiplikatoren: "Das Netz vergisst nichts." Nach Schindlers Einschätzung sind nicht nur jüngere Schüler zu naiv im Umgang mit dem Internet: "Selbst vor dem Abi ist bei vielen das Bewusstsein überhaupt nicht da." Das könne fatale Folgen haben: "Viele Personalchefs suchen im Internet nach Informationen über Bewerber. Wenn da auf eine Party-Seite unpassende Bilder sind, wirkt sich das schnell negativ aus, der Student hat da von einigen Beispielen erzählt." Nicht alle Unternehmen recherchieren allerdings in sozialen Netzwerken nach Bewerbern: "Wir schauen da nicht rein, wollen uns nicht auf diese Ebene stellen", sagt der Zweibrücker John-Deere-Personalchef Klaus Ruf. "Wenn wir Leute einstellen, führen wir intensive Gespräche", dadurch lasse sich ein sehr gutes Bild von Bewerbern gewinnen, ohne in die Privatsphäre einzudringen. "Selbst vor dem Abi ist bei vielen das Bewusstsein für Datenschutz im Internet überhaupt nicht da."Barbara Schindler, Lehrerin